Japan steigt im Wettlauf um Afrikas Ressourcen mächtig ein! Exportförderung von Infrastruktur- und Energietechnik, Eindämmung Chinas, militärisches Engagement!

Entwicklungshilfe und Geschäfsmöglichkeiten

Japan wirbt um Afrika

Übersicht Dienstag, 4. Juni, 10:00
Japan verspricht, Milliarden in Afrika zu investieren, um die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents zu fördern. Dabei zeigen sich zwei Eckpfeiler von Ministerpräsident Abes Politik: Exportförderung und Eindämmung Chinas.

Über mangelndes Interesse vonseiten Afrikas kann sich Japan nicht beklagen. 51 der 54 Länder des Kontinents waren dieser Tage offiziell an der Tokyo International Conference on African Development (Ticad) in Yokohama vertreten, 39 durch ihre Staat- oder Regierungschefs. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe absolvierte als Gastgeber ein Mammutprogramm und empfing die Delegationen im Viertelstundentakt. Seit Ticad vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde, habe sich das Verhältnis zwischen Japan und Afrika deutlich verändert, sagte Abe. Man sei nicht mehr bloss Partner, sondern Co-Manager.

Aufholjagd

Insgesamt 3,2 Billionen Yen, gut 30 Milliarden Franken, versprach Abe für die nächsten fünf Jahre. Davon sind 1,4 Billionen Entwicklungshilfe, der Rest soll von privater Seite kommen. Dass es für Japan in grossem Masse auch um eigene Interessen geht, verhehlt Abe nicht. «Abenomics», das nach ihm benannte Programm zur Revitalisierung der Wirtschaft, könne nicht bloss ein inländisches Unterfangen sein, schrieb der Ministerpräsident in einem Leitartikel im «Wall Street Journal».

Im Fokus stehen insbesondere Bodenschätze, an denen Japan arm ist. Die Elektronikfirmen zum Beispiel lechzen nach seltenen Erden; seit praktisch alle Atomreaktoren wegen der Katastrophe von Fukushima vom Netz sind, ist die Nachfrage nach Öl und Erdgas massiv gestiegen. Zugang zu Ressourcen ist eine Top-Priorität von Tokios Diplomatie. Allerdings, so versicherte Abe in seiner Eröffnungsrede, wolle man nicht einfach Bodenschätze ausbeuten und abtransportieren: «Japan wird Afrika darin unterstützen, dass die natürlichen Ressourcen zum Wachstum von dessen eigener Wirtschaft beitragen.» Damit spielte er ziemlich direkt auf China an, dessen Projekte immer wieder dafür kritisiert werden, dass die lokale Bevölkerung kaum etwas davon habe.

Damit war auch ein wichtiges Thema gesetzt: der Wettlauf mit China, bei dem Japan in den letzten Jahren deutlich ins Hintertreffen geraten ist. Die Wirtschaftszeitung «Nikkei» kommentierte, das von Abe angekündigte Paket sei ein erster Schritt in der Aufholjagd gegenüber Peking. Chinas Handel mit Afrika sei fünfmal umfangreicher als jener Japans, die Direktinvestitionen doppelt so hoch. Aber, so schrieb die Zeitung, die Finanzkraft Japans schwinde Jahr für Jahr. Der Kommentator der Zeitung «Asahi» sah dies ähnlich, nannte aber auch noch Indien, Brasilien und Südkorea als Konkurrenten.

Investition in die Stabilität

Der riesige Schuldenberg, der mehr als doppelt so gross wie die jährliche Wirtschaftsleistung ist, schränkt den Spielraum der Regierung ein. Damit Abes Plan funktioniert, muss daher die Privatwirtschaft mitmachen. Allerdings wurde Japans Managern im Januar drastisch vor Augen geführt, welche Risiken ein Engagement in Afrika haben kann. Beim Angriff von Extremisten auf eine Gasförderanlage in Algerien kamen zehn japanische Ingenieure ums Leben. Was japanische Firmen in Afrika brauchten, so folgert Abe, sei ein freies und sicheres Geschäftsumfeld.

100 Milliarden Yen des Hilfepakets will Tokio in die Sahelzone lenken, um dort die Stabilität zu erhöhen. 2000 Personen sollen in der Region für den Kampf gegen Terroristen ausgebildet und ausgerüstet werden. Zusätzlich verspricht Tokio, weiterhin seine Marine und Küstenwache im Kampf gegen die Piraterie vor Somalia einzusetzen und den Nachbarländern Somalias beim Aufbau ihrer eigenen Küstenwachen zu helfen. Auch anderswo auf dem Kontinent will Tokio die Sicherheit verbessern, etwa durch die Unterstützung von friedensfördernden Missionen.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/uebersicht/japan-wirbt-um-afrika-1.18092397

Rohstoffe Japan kämpft um Afrika

14.06.2013 ·  Das asiatische Land ist abhängig von Rohstoffimporten. Japan versucht nun, es dem Konkurrenten gleichzutun und investiert in Afrika, um sich Zugang zu wichtigen Rohstoffvorkommen zu sichern.

Von Carsten Germis

Die japanische Regierung hat dem Vormarsch chinesischer Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent lange Zeit tatenlos zugesehen. Während sich die Regierung in Peking aktiv darum bemühte, der heimischen Wirtschaft in Afrika den Zugang zu Rohstoffquellen zu sichern, sind japanische Unternehmen zunehmend in die Defensive geraten. Der neue Regierungschef Japans, Shinzo Abe, hat sich fest vorgenommen das zu ändern. Im Außen-, aber auch im Wirtschaftsministerium in Tokio rückt der afrikanische Kontinent immer stärker in den Fokus sInteresseJapans. Vor allem an dem Zugang zu Rohöl aus den nordafrikanischen Staaten, aber auch an den großen Rohstoffvorkommen Schwarzafrikas ist das rohstoffarme asiatische Land interessiert.

Afrika südlich der Sahara wird für Tokio aber auch als Absatzmarkt für Produkte immer interessanter. Südafrika nicht eingerechnet wuchs die Wirtschaft hier in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um 5,8 Prozent – das liegt deutlich über dem Wachstum der Weltwirtschaft mit 3,8 Prozent. Abe nutzte die alle fünf Jahre in Tokio stattfindende Konferenz über die Entwicklung Afrikas (TICAD) in diesem Monat, um die neue Hinwendung Japans nach Afrika eindrucksvoll zu unterstreichen. Beinahe jeden der fast 50 Regierungschefs oder Minister aus afrikanischen Ländern empfing er zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch. Gleichzeitig kündigte er auf der Konferenz in der japanischen Hafenstadt Yokohama an, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wolle die Entwicklung Afrikas in den kommenden fünf Jahren mit 140 Billionen Yen (10,7 Milliarden Euro) unterstützen. Insgesamt sollen sogar rund 3,2 Billionen Yen über gemeinsame öffentliche und private Investitionen mobilisiert werden.

Die Politik ist nicht uneigennützig

Ganz so uneigennützig, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, ist Abes Bekenntnis zu Afrika allerdings nicht: Die Unterstützung aus Tokio ist eng daran geknüpft, japanischen Unternehmen Aufträge beim Aufbau der Infrastruktur zu verschaffen. Infrastruktur- und Energietechnik – das sind die beiden Exportschlager, mit denen japanische Unternehmen in den kommenden Jahren in den Schwellenländern zum Marktführer werden wollen. Der Zugang zu Rohstoffen, der nicht ausdrücklich Bestandteil dieser neuen Strategie ist, spielt dabei eine entscheidende Rolle – was japanische Politiker hinter vorgehaltener Hand auch einräumen.
Für Abe geht es auch darum, den wachsenden Einfluss Chinas in Afrika einzudämmen. Er hat seine Außenpolitik seit seinem Amtsantritt im Dezember grundsätzlich an zwei Zielen orientiert: Auftrage für die japanische Exportwirtschaft zu sichern und dem Expansionsdrang Chinas etwas entgegenzusetzen. „Wirtschaftsdiplomatie ist ein Kernstück der Wachstumsstrategie der Abenomics“, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ deswegen kürzlich.

Abe hat zwei Ziele

Afrika als Absatzmarkt für japanische Unternehmen und die Begrenzung des chinesischen Einflusses – diese beiden Ziele bestimmten auch die Grundsatzrede, die Abe in Yokohama hielt. Wie stark sich Abes Strategie gegen den wachsenden Zugriff des Konkurrenten China auf die afrikanischen Rohstoffmärkte richtet, machte der japanische Regierungschef in seiner Rede zwischen den Zeilen deutlich. Japans Verpflichtungen gegenüber Afrika seien anders als die anderer Länder, sagte Abe: „Afrikas reiche Rohstoffvorkommen bieten wichtige Geschäftsmöglichkeiten für das rohstoffarme Japan. Aber Japan wird Ressourcen nicht nur einfach entdecken und ausgraben, um sie nach Japan zu bringen.“ Er wolle Afrika so unterstützen, dass die dortigenAfrikas Rohstoffvorkommen auch zu Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent führten, sagte er. Abe bezog sich dabei sehr bewusst auf die wachsende Kritik am chinesischen Engagement auf dem afrikanischen Kontinent – mit dem sich Peking zwar den Zugang zu Rohstoffen sichert, aber wenig dafür tut, die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung in den afrikanischen Ländern zu fördern.
Erste Beispiele für das neue Engagement gibt es schon. So verhandelte Joyce Banda, Staatsoberhaupt von Malawi am Rande der Konferenz in Yokohama mit der Japan Oil, Gas and Metals National Corporation (JOGMEC) über die Ausbeutung von Mineralien in drei Minen des Landes, darunter auch die seltenen Erden. Japan ist bei seltenenseltenen Erden maßgeblich von Exporten aus China abhängig und will diese Abhängigkeit abbauen. Auch mit Zambia unterzeichnete die JOGMEC ähnliche Verträge, die Japan den Zugang zu Rohstoffen sichern.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/rohstoffe-japan-kaempft-um-afrika-12221832.html

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