Wäre der Täter schwarz und das Opfer ein Weisser, wäre Trayvon verurteilt worden, so ein Vertreter der Familie Martin: Tief in unseren Herzen wissen wir das, dass , wären die Rollen vertauscht gewesen! Zimmerman, der nie bestritt, Martin erschossen zu haben, war nach der Tat anderthalb Monate lang von den Behörden kaum behelligt worden. Die Polizei hatte beim Schützen nicht einmal den routinemässigen Bluttest durchgeführt, am toten Opfer jedoch schon. Ohne öffentlichen Druck hätte der Gouverneur von Florida vielleicht nicht interveniert, und Zimmerman wäre nie angeklagt worden. Sanford, wo sich der Vorfall ereignete, ist zu etwa achtzig Prozent von Weissen besiedelt. Daher konnte es dazu kommen, dass die Jury aus fünf weissen Frauen und einer Latina bestand und trotzdem die erforderliche Repräsentativität aufwies. Die Richterin war weiss, alle Anwälte, die im Prozess auftraten, waren weiss.

Freispruch Zimmermans

Debatte über Rassismus in Amerika

Heute, 21:30
Der Tod des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin bleibt ungesühnt. Der Freispruch für den (fast) weissen Täter Zimmerman hat Bürgerrechtsorganisationen auf den Plan gerufen.
Der Tod des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin bleibt ungesühnt. Der Freispruch für den (fast) weissen Täter Zimmerman hat Bürgerrechtsorganisationen auf den Plan gerufen. (Bild: JASON REDMOND / Reuters)
Der Tod des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin bleibt ungesühnt. Der Freispruch für den (fast) weissen Täter Zimmerman hat Bürgerrechtsorganisationen auf den Plan gerufen.
Beat Ammann, Washington

Die von vielen befürchtete Protestwelle nach dem Freispruch von George Zimmerman ist ausgeblieben. Dies veranlasste Maya Wiley vom Center for Social Inclusion zur Bemerkung, der gewaltsame Tod schwarzer Jugendlicher sei die Norm und das Land bleibe stets ruhig. Ihre Reaktion in einer Fernsehdiskussion war typisch für viele Schwarze, die den Fall um den Tod des 17-jährigen Trayvon Martin in der Perspektive der Bürgerrechtsbewegung sehen. Marc Morial, der Vorsitzende der Urban League, hatte eine gute Begründung dafür: Hätten er und andere den Fall nicht zu einer Sache der Bürgerrechte gemacht, wäre es vielleicht nie zum Prozess gekommen. Sie wollen eine Untersuchung auf Bundesebene, ob nicht Rassenhass das Motiv gewesen sei.

Tat unbestritten

Zimmerman, der nie bestritt, Martin erschossen zu haben, war nach der Tat anderthalb Monate lang von den Behörden kaum behelligt worden. Die Polizei hatte beim Schützen nicht einmal den routinemässigen Bluttest durchgeführt, am toten Opfer jedoch schon. Ohne öffentlichen Druck hätte der Gouverneur von Florida vielleicht nicht interveniert, und Zimmerman wäre nie angeklagt worden. Sanford, wo sich der Vorfall ereignete, ist zu etwa achtzig Prozent von Weissen besiedelt. Daher konnte es dazu kommen, dass die Jury aus fünf weissen Frauen und einer Latina bestand und trotzdem die erforderliche Repräsentativität aufwies. Die Richterin war weiss, alle Anwälte, die im Prozess auftraten, waren weiss.

Die Verteidigung hatte eine blonde Zeugin aufgeboten, die erzählte, wie ein Schwarzer in ihr Haus einbrach, während sie sich und ihr Kleinkind versteckt hielt; es war nicht der unbescholtene Martin. Der Anwalt Zimmermans trug einen Block Zement in den Gerichtssaal, deponierte ihn und sagte: Martin sei nicht unbewaffnet gewesen, er habe den Zement des Gehwegs als Waffe gehabt. Zimmerman hatte zwei Platzwunden am Hinterkopf erlitten, doch der tödliche Schuss fiel auf Rasen.

Zimmerman hätte im Auto sitzen bleiben können, in dem er durch das Quartier patrouillierte. Statt dessen stellte er den Jugendlichen, der auf dem Weg zum Haus seines Vaters war. Er verhielt sich, ohne ersichtlichen Anlass, wie der Polizist, der er gerne hätte werden wollen. Es kam zu einem Kampf, bei dem Zimmerman offenbar den Kürzeren zog – aber er hatte eine Pistole.

«Ein Problem»

Viele Kritiker stellen nicht die Integrität der Geschworenen infrage, sondern die Kompetenz der Anklage. Es gelang ihr nicht, glaubwürdig aufzuzeigen, dass Zimmerman kaum die Waffe hätte ziehen können, wäre der Kampf so verlaufen, wie er ihn beschrieben hatte. Zimmerman machte vom Recht Gebrauch, nicht auszusagen. Ein Vertreter der Familie Martin, Benjamin Grump, erklärte, warum so viele Schwarze mit dem Urteil «ein Problem» hätten: Tief in unseren Herzen wissen wir, dass Trayvon verurteilt worden wäre, wären die Rollen vertauscht gewesen, der Täter schwarz und das Opfer ein Weisser.

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/debatte-ueber-rassismus-in-amerika-1.18116640

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