Syrische Opposition: Kurden und Jihadisten kämpfen um Ölquellen und Grenzübergänge: Jihadisten haben Emirat errichtet als Baustein für ein islamistisches Syrien – Kurden wollen eine autonome Region ausrufen!

Kurden gegen Jihadisten

Kampf um Grenzübergänge und Ölfelder in Syrien

Auslandnachrichten Heute, 06:00
Schon Anfang Jahr war es in Ras al-Ain zu Kämpfen zwischen der PYD und arabischen Rebellen gekommen, die auf Vermittlung der syrischen Opposition mit einer Waffenruhe beendet wurden.
Schon Anfang Jahr war es in Ras al-Ain zu Kämpfen zwischen der PYD und arabischen Rebellen gekommen, die auf Vermittlung der syrischen Opposition mit einer Waffenruhe beendet wurden. (Bild: OSMAN ORSAL / Reuters)
Kurdische Kämpfer haben die Jihadisten aus der Grenzstadt Ras al-Ain vertrieben. Die syrischen Kurden wollen eine autonome Region ausrufen.
  • ürg Bischoff, Beirut

In den letzten Tagen sind im Norden Syriens die Zusammenstösse zwischen kurdischen Kämpfern und islamistischen Gruppen eskaliert. Dabei geht es um die Kontrolle der Grenzübergänge zur Türkei und der Ölfelder im nordöstlichen Zipfel des Landes. Die Milizionäre der kurdischen Partei der Demokratischen Einheit (PYD), eines Ablegers der türkischen Kurdenpartei PKK, scheinen die Überhand zu haben. Die Kämpfe sollen bisher rund drei Dutzend Tote gefordert haben.

Gefechte an der Grenze

Die letzte Runde in den Kämpfen hat am Dienstag in der Grenzstadt Ras al-Ain begonnen, als laut der oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Milizionäre der Gruppe Jabhat an-Nusra, die sich zur Kaida bekennt, kurdische Kämpferinnen angriffen. Nach zweitägigen Gefechten vertrieben die Kurden die Jihadisten aus der Stadt und übernahmen die Kontrolle über den Grenzübergang zur Türkei. Während der Kämpfe waren zweimal Geschosse auf türkischem Gebiet eingeschlagen und hatten zwei Todesopfer gefordert. Die türkische Armee erklärte, sie habe zurückgeschossen.

Schon Anfang Jahr war es in Ras al-Ain zu Kämpfen zwischen der PYD und arabischen Rebellen gekommen, die auf Vermittlung der syrischen Opposition mit einer Waffenruhe beendet wurden. Doch die PYD, die keine arabischen Rebellenverbände in kurdischen Gebieten duldet, ist seither immer wieder mit arabischen Rebellen zusammengestossen. So belagern arabische Anti-Asad-Gruppen seit Monaten die kurdische Stadt Afrin, in der neben der einheimischen Bevölkerung Tausende von Kurden aus umkämpften Quartieren im benachbarten Aleppo Zuflucht fanden.

Nach der Vertreibung der Jihadisten aus Ras al-Ain haben sich die Kämpfe nach Osten verlagert. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete Spannungen in Tall Abiad und Kämpfe zwischen der PYD und islamistischen Gruppen östlich von Kamishli, wo sich die Ölfelder von Rumailan befinden. Diese werden teilweise weiter ausgebeutet, und ihre Erträge sind Gegenstand wechselnder Deals zwischen Rebellengruppen, lokalen Stämmen und dem Regime.

Aus dieser Gegend meldete die PYD am Freitag weitere Vorstösse; ein Selbstmordattentäter sprengte sich vor einem PYD-Büro in die Luft, ohne Schaden anzurichten. Arabische Gruppen in Rakka und Deir az-Zur haben gelobt, neue Kräfte in die Schlacht gegen die Kurden zu werfen.

Pläne für eigenen Staat

Die Kontrolle über die Erdölquellen ermöglicht es den Rebellen, einerseits die Bevölkerung in den von ihnen beherrschten Gebieten mit Energie zu versorgen und andererseits mit dem Verkauf von Öl über die Grenze Devisen einzunehmen. Letztere Möglichkeit haben sie allerdings nur, wenn sie auch die Grenzübergänge beherrschen, über die zudem Waffen und andere wichtige Güter ins Land gelangen.

Im Wettbewerb um diese zwei Ressourcen haben die Kurden östlich von Ras al-Ain einen Vorteil, weil sie im Grenzgebiet die Bevölkerungsmehrheit stellen. Weiter westlich sind die kurdisch besiedelten Gebiete hingegen kleine Enklaven. Dort versuchen Jabhat an-Nusra und andere Jihadisten seit Monaten sich an den Grenzübergängen festzusetzen, wobei sie immer wieder auf Widerstand der lokalen Bevölkerung oder einheimischer Kämpfergruppen stossen.

In Jarablus am Euphrat haben die Jihadisten ihre Konkurrenten schon so weit verdrängt, dass sie ein eigenes «Emirat» ausgerufen haben. Solche «Emirate» sollen offenbar die Grundlage zum Aufbau eines islamischen Staates in Nordsyrien bilden.

Ankara besorgt

Die Ausrufung eines selbstverwalteten Gebiets in Nordsyrien planen aber auch die Kurden, wie mehrere ihrer Sprecher in den letzten Tagen bestätigten. Bereits wurde der Entwurf zu einer «Verfassung» publiziert, die für die autonomen kurdischen Gebiete in Syrien gelten soll. Solche Pläne, kombiniert mit den militärischen Erfolgen der PYD, lassen in Ankara die Alarmglocken läuten. Denn ein kurdischer «Staat» in Nordsyrien wird die türkischen Kurden dazu ermuntern, ihre eigenen Autonomiepläne mit mehr Nachdruck zu verfolgen. Zudem weiten die von der PYD beherrschten Gebiete in Syrien den Freiraum der PKK vom Nordirak nach Westen aus und bieten den Kurden so neue Druckmittel in ihren Friedensverhandlungen mit Ankara.

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