Die EU-Kommission will ihre Beihilferegeln zugunsten der Atomenergie ändern. Damit gräbt sich ihrer Klimapolitik endgültig das Wasser ab. Denn Wind, Sonne und Atomenergie passen einfach nicht zusammen. Atomstrom gehört zu den teuersten Möglichkeiten, Strom herzustellen. „Atomkraft hat in einem Strommarkt nirgendwo auf der Welt eine ökonomische Chance.“ Sie funktioniere nur „als staatliche Veranstaltung oder hochsubventioniert“.

Subventionen für Kernkraft

Atomare Fehlkalkulation

19.07.2013 18:11 Uhrvon 

Das Symbol für Frankreichs Energiewende. Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass, eines der ältesten und unsichersten, soll bis Ende 2016 vom Netz gehen. Die französische Regierung hat angekündigt, ihre Stromversorgung von aktuell 70 Prozent Atomstrom auf 50 Prozent verringern zu wollen. Foto: dpa
Das Symbol für Frankreichs Energiewende. Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass, eines der ältesten und unsichersten, soll bis Ende 2016 vom Netz gehen. Die französische Regierung… – FOTO: DPA

Die EU-Kommission will ihre Beihilferegeln zugunsten der Atomenergie ändern. Damit gräbt sich ihrer Klimapolitik endgültig das Wasser ab. Denn Wind, Sonne und Atomenergie passen einfach nicht zusammen.

Die Atomenergie ist ein Sonderfall der Wirtschaftsgeschichte. 60 Jahre nach ihrer Markteinführung braucht sie noch immerSubventionen, um am Markt bestehen zu können. Ein neues Atomkraftwerk kostet zwischen sechs und neun Milliarden Euro. Um eine solche Investition refinanzieren zu können, müsste der Strompreis um ein Vielfaches höher liegen, als es auf absehbare Zeit der Fall ist. Atomstrom kostet zwischen 12 und 20 Dollar-Cent pro Kilowattstunde, Windstrom gibt es schon für sechs Cent. Deshalb hat die britische Regierung beschlossen, Atomkraftwerke wie Windräder zu behandeln und den atomar erzeugten Strom zu einem festgelegten Abnahmepreis zu kaufen.

Zugleich hat die britische Regierung sich intensiv bemüht, den Preis für die Tonne Kohlendioxid im europäischen Emissionshandel bis 2020 auf 36 Euro hochzutreiben, aktuell liegt er stabil unter vier Euro. Weil das nicht funktioniert, hat sie sich entschieden, die magischen 36 Euro zum Mindestpreis für die Tonne CO2 zu machen, zumindest im eigenen Land. Das ist nach den frühen Kalkulationen des britischen Atomprogramms der Preis, von dem an Atomstrom in Konkurrenz zum Kohlestrom wirtschaftlich werden könnte. Allerdings dürfte das Kilowatt Atomstromleistung beim Bau dann nicht mehr als 1200 Euro kosten – tatsächlich liegen die Kosten aber bei 5000 bis 7000 Euro. Die britische Regierung hofft nun, ihre atomare Fehlkalkulation zum europäischen Standard erheben zu können.

In Brüssel hat die britische Regierung Bündnispartner gefunden, bei Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia und bei Energiekommissar Günther Oettinger. Beide glauben nicht an die erneuerbaren Energien, die klimafreundlich und auch preiswerter sind. Sie bleiben einem alten Denken verhaftet, wonach nur große Anlagen etwas taugen, und das, obwohl die unflexiblen Atomkraftwerke sich nun gerade nicht als Ergänzung zu Wind- und Solarstrom eignen, weder technisch noch betriebswirtschaftlich. Bei der Nutzung der Atomenergie geht es eben nicht um Strom, sondern um die geopolitische und strategische Bedeutung – darum, sich wichtigzumachen. Dafür eignen sich Wind und Sonne weniger. Dafür bergen sie aber nicht das Risiko, ganze Regionen nach einem Unfall auf Jahrzehnte unbewohnbar zu machen – wie in Tschernobyl oder in Fukushima.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/subventionen-fuer-kernkraft-atomare-fehlkalkulation/8523114.html

EnergiewendeEuropäische Union will Subventionen für Atomkraftwerke erleichtern

19.07.2013 17:59 Uhrvon  und 

Atomkraftwerk im Vordergrund Strommasten und Stromleitungen  Foto: dpa
Atomkraftwerke produzieren teuren Strom. Deshalb sollen die Regierungen sie in Europa künftig subventionieren dürfen. Die EU-Kommission will sie mit den Erneuerbaren Energien… – FOTO: DPA

Atomkraftwerke lassen sich nicht wirtschaftlich betreiben. Jedenfalls nicht in einem freien Markt. Doch weil Großbritannien und andere Europäer an der Kernenergie festhalten wollen, sollen nun neue Subventionen erlaubt werden.

    • Information zum Datenschutz
    • Soziale Netzwerke dauerhaft einschalten

Die EU-Kommission will staatliche Beihilfen für den Bau von Atomkraftwerken künftig zulassen – das sieht der Entwurf eines entsprechenden Papiers aus dem Wettbewerbskommissariat vor. Damit könnte die Atomenergie in gleicher Weise gefördert werden wie erneuerbare Energien.

Was hat die EU-Kommission genau vor?

Die EU-Wettbewerbsbehörde will bei der Prüfung künftiger Staatsbeihilfen im Energiesektor „technologieneutral“ zwischen Atomstrom und Erneuerbaren Energien entscheiden. So steht es im Entwurf für neue Beihilferichtlinie, der dem Tagesspiegel vorliegt. Die Richtlinie soll im Frühjahr 2014 erlassen werden.

In einem weiteren Papier schreibt die EU-Kommission, dass sie beide kohlendioxid-armen Energieformen als förderungswürdig erachtet, um die Klimaziele der Europäischen Union im Jahr 2020 zu erreichen. De facto käme dies nur zwei Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima einer Aufwertung der Kernenergie gleich. „Investitionen in die Atomkraft zu erleichtern“, schreibt die EU- Kommission mit Verweis auf Artikel 2 des Euratom-Vertrages aus den späten 1950er Jahren, seien ein „gemeinsames Ziel der EU“, weshalb die Behörde „entsprechende Unterstützungsmaßnahmen nicht in Frage stellt“. Der Luxemburger Grünen-Europaabgeordnete Claude Turmes nannte es am Freitag „absurd, sich im Jahr 2013 auf einen energiepolitischen Artikel aus dem Jahr 1957 zu berufen“. Deutschland lehnt die EU-Pläne ab. In der öffentlich zugänglichen Begründung aus Berlin heißt es: „Im Bereich der Kernenergie ist aus den gegenwärtigen Erkenntnissen der Bundesregierung eine ökonomische Fördernotwendigkeit nicht erkennbar.“ Und weiter: „Eine Gleichstellung der Förderung von Kernenergie und erneuerbaren Energien“ führe beim Ökostrom zu einem „Verlust an Entwicklungsdynamik“. Das wiederum ist genau die Forderung, die EU-Energiekommissar Günther Oettinger seit Monaten wiederholt. Er will den Ausbau von Wind- und Solaranlagen verlangsamen, weil der Netzausbau bisher nicht damit Schritt halten könne. Er spricht sich aus diesem Grund auch für eine Generalrevision des Erneuerbare-Energien-Gesetze in Deutschland nach der Bundestagswahl aus, weil die Abnahmegarantie bei dieser Menge den Strompreis zwangsweise immer weiter in die Höhe treibe. „Unser Ziel ist die Vollendung des europäischen Energiebinnenmarktes“, ließ Oettinger am Freitag erklären, „entsprechend arbeitet die Kommission zurzeit an der Ausgestaltung eines neuen Marktdesigns im Strom- und Gasbereich.“ Seine Vorstellung, dass Wind stärker im Norden und Sonnenenergie stärker im Süden und vor allem weniger in Deutschland gefördert werden soll, findet sich ebenfalls im Entwurf der Beihilfekriterien wieder. So wird dort ein internationales Ausschreibungsverfahren verlangt, um die Kosten gering zu halten. Der Grüne Claude Turmes kritisiert, dies konterkariere die EU-Richtlinie zu den Erneuerbaren Energien, die nationale Förderung und freiwillige länderübergreifende Kooperation vorsieht.

Wie verträgt sich das mit dem deutschen Automausstieg?

Umweltverbände kritisieren die Pläne als „Angriff auf die deutsche Energiewende“. Und tatsächlich verträgt sich Atomkraft nicht mit erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne, weil diese dann Strom produzieren, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht. Atomkraftwerke lassen sich nicht flexibel als Ergänzung zu den erneuerbaren Energien betreiben. Das führt zu einem schnellen Verschleiß der sensiblen Bauteile und erhöht die Sicherheitsprobleme bei Atomkraftwerken.

Warum braucht die Atomkraft staatliche Förderung?

Atomstrom gehört zu den teuersten Möglichkeiten, Strom herzustellen. Mark Cooper vom Institut für Energie und Umwelt an der Vermont Law School in den USA hat 2009 Dutzende Studien von Finanzanalysten und Energieexperten ausgewertet. Während erneuerbar erzeugter Strom für sechs Dollar-Cent pro Kilowattstunde produziert werden kann – Windstrom an Land, in günstigen Lagen aber auch Solarstrom – kostet die Kilowattstunde Atomstrom zwischen 12 und 20 Cent. Die Baukosten liegen zwischen 5000 und 7000 Dollar pro Kilowatt Leistung, für ein Atomkraftwerk mit einer Leistung von 1200 Megawatt müssen zwischen sechs und 8,4 Milliarden Dollar aufgebracht werden.

Wegen der finanziellen Risiken finden sich kaum Investoren für neue Akw. Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfesagt: „Atomkraft hat in einem Strommarkt nirgendwo auf der Welt eine ökonomische Chance.“ Sie funktioniere nur „als staatliche Veranstaltung oder hochsubventioniert“.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: