Der Kongo kommt nicht zur Ruhe. Kein anderer Konflikt nach 1945 hat so viele Menschenleben gefordert wie der in der Mitte Afrikas. Seit seinem Beginn dreht er sich auch um die immensen Rohstoffvorkommen der früheren belgischen Kolonie. Erst sind es Kongos Diamanten, seine Edelhölzer, Erdöl, Uran, Kobalt und Kupfer; später wird die Gewalt vor allem von der Suche nach Coltan getrieben, das in der IT-Industrie benötigt wird. Auch Nachbarländer wie Ruanda mischen, um den Bedarf des Westens an Bodenschätzen und die Profitgier der eigenen Eliten zu stillen, mithilfe von schwer bewaffneten und untereinander verfeindeten Milizen in dem mörderischen Rennen mit. Der endlose Krieg – und die geringe Aufmerksamkeit im Westen – kommt den Profiteuren zupass. An den Ufern des Kivu-Sees kommt es nach UN-Angaben zu Massenvergewaltigungen, die Täter sind sowohl Regierungssoldaten als auch Rebellen. Seit Beginn des endlosen Kriegs im Zentrum Afrikas terrorisiert sexuelle Kriegsführung die Zivilbevölkerung. Ein Ende des Kriegs im Kongo ist nicht in Sicht. Die UNO kommt zu dem Schluss, dass die Kriegsparteien die Kampfhandlungen absichtlich in die Länge ziehen. Hauptmotiv: die Ausbeutung der Bodenschätze.

http://marschfuerafrika.files.wordpress.com/2012/12/kongokrieg.jpg

https://i1.wp.com/www.blutige-handys.com/images/Rohstoffe-finanzieren-Krieg.jpg

https://i1.wp.com/diepresse.com/images/uploads/1/9/2/426386/thumbDi_fluechtlinge20081029161546.jpghttps://i2.wp.com/www.younicef.de/uploads/pics/Kongo.jpg

https://i1.wp.com/diepresse.com/images/uploads/1/9/2/426386/thumbDi_fluechtlinge20081029161546.jpg

Der Kongo kommt nicht zur Ruhe. Kein anderer Konflikt nach 1945 hat so viele Menschenleben gefordert wie der in der Mitte Afrikas. Seit seinem Beginn dreht er sich auch um die immensen Rohstoffvorkommen der früheren belgischen Kolonie. Erst sind es Kongos Diamanten, seine Edelhölzer, Erdöl, Uran, Kobalt und Kupfer; später wird die Gewalt vor allem von der Suche nach Coltan getrieben, das in der IT-Industrie benötigt wird. Auch Nachbarländer wie Ruanda mischen, um den Bedarf des Westens an Bodenschätzen und die Profitgier der eigenen Eliten zu stillen, mithilfe von schwer bewaffneten und untereinander verfeindeten Milizen in dem mörderischen Rennen mit. Der endlose Krieg – und die geringe Aufmerksamkeit im Westen – kommt den Profiteuren zupass.

1994

Der lange Schatten des Genozids

Eine Ursache des Tötens im Kongo liegt im kleinen Nachbarland Ruanda. Mehr als 500.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit werden von Milizen der Hutu-Eliten während des ruandischen Genozids getötet. Nach ihrem militärischen Sieg vertreiben Exil-Tutsis des späteren ruandischen Präsidenten Paul Kagame tausende Hutu-Kämpfer ins benachbarte Zaire, die heutige Demokratische Republik Kongo. Unter den mehr als 1,5 Millionen Flüchtlingen, die im Osten von Afrikas zweitgrößtem Staat Schutz suchen, befinden sich neben Tutsi-Überlebenden auch zehntausende Angehörige der besiegten Hutu-Einheiten. Vom Exil aus führen diese sogenannten Génocidaires ihren Kampf gegen Tutsis in den Flüchtlingscamps, die neue Tutsi-Regierung in Ruanda und einheimische Tutsis fort. Auch geflohene Tutsis stellen lokale, teils von Ruanda unterstützte Milizen auf. Zaire implodiert.

Der lange Schatten des Genozids

Eine Ursache des Tötens im Kongo liegt im kleinen Nachbarland Ruanda. Mehr als 500.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit werden von Milizen der Hutu-Eliten während des ruandischen Genozids getötet. Nach ihrem militärischen Sieg vertreiben Exil-Tutsis des späteren ruandischen Präsidenten Paul Kagame tausende Hutu-Kämpfer ins benachbarte Zaire, die heutige Demokratische Republik Kongo. Unter den mehr als 1,5 Millionen Flüchtlingen, die im Osten von Afrikas zweitgrößtem Staat Schutz suchen, befinden sich neben Tutsi-Überlebenden auch zehntausende Angehörige der besiegten Hutu-Einheiten. Vom Exil aus führen diese sogenannten Génocidaires ihren Kampf gegen Tutsis in den Flüchtlingscamps, die neue Tutsi-Regierung in Ruanda und einheimische Tutsis fort. Auch geflohene Tutsis stellen lokale, teils von Ruanda unterstützte Milizen auf. Zaire implodiert.

1996

Ruanda greift ein

Ruandische Truppen marschieren 1996 in den Osten Zaires ein und besetzen die Region Kivu, wo viele Tutsis leben, die bisher von den Génocidaires bedroht wurden. Die Rebellengruppe ADFL von Laurent-Désiré Kabila, die von den Nachbarländern Uganda, Burundi, Angola und – vor allem – Ruanda Unterstützung erhält, erobert nach und nach den gesamten Osten – auch mithilfe von Kindersoldaten. Massaker an Hutu-Flüchtlingen sind die Folge. Machthaber Mobutu Sése Seko findet in der fernen Hauptstadt Kinshasa trotz französischer Waffenhilfe kein Mittel gegen die Rebellion. Interne Scharmützel schwächen hingegen die Rebellen. Der Osten des Landes ist bis heute ein Pulverfass.

1997

Kabila übernimmt die Macht

Als im Mai Kinshasa fällt und der greise Diktator Mobutu ins marokkanische Exil flieht, übernimmt Kabila die Macht in Zaire, dem er seinen bis heute gültigen Namen Demokratischen Republik Kongo (DRK) verleiht. Ganz im Norden üben Mobutu-treue Eliteeinheiten der alten Armee lange Widerstand, bis sie ihren Kampf weiter in die benachbarte Republik Kongo tragen, wo sie in den Bürgerkrieg eingreifen. Kabila errichtet ein autoritäres Regime, hohe Ämter werden vielfach an Ruander und Angolaner vergeben. Bald beginnen Rebellen, sich gegen Kabila zu erheben. Der Krieg in Zentralafrika pflanzt sich fort.

1998

Kabila enttäuscht

Kabila, der seine Machtübernahme in hohem Ausmaß Ruanda und Angola verdankt, bricht mit seinen wichtigsten ausländischen Alliierten. Tutsis, eben erst in hohe Ämter befördert, werden entmachtet. Ruanda trifft der Einflussverlust am härtesten. Das kleine Land fürchtet auch um die Erträge aus den Rohstoffen, die Kabila ihm versprochen hatte. Hutu-Rebellen bekämpfen gemeinsam mit Milizen aus der DRK Ruandas fragile Regierung. Im August desertieren massenhaft Regierungssoldaten im Osten der DRK und schließen sich zusammen mit der Tutsi-nahen Volksgruppe der Banyamulenge dem Kampf gegen Kabila an. Ruanda nutzt die Gunst der Stunde und unterstützt die Rebellen. Der zweite Kongokrieg beginnt dort, wo der erste geendet hat.

1998

Der Zweite Kongokrieg beginnt

Neun afrikanische Staaten sind in den zweiten Kongokrieg direkt oder indirekt verwickelt. Als sich die Kämpfe vom Osten an die Atlantikküste im äußersten Westen der DRK verlagern, gerät Kabila in Kinshasa mehr und mehr unter Druck. Anti-Tutsi-Propaganda des Regimes führt zu Massakern. Als Kabilas afrikanische Verbündete, darunter Angola, der Sudan und Simbabwe, offen in den Krieg eingreifen, scheint ein schneller Sieg der Rebellen, die ihrerseits von Ruanda, Uganda und Burundi Unterstützung erfahren, vor den Toren der Hauptstadt abgewendet.

1999

Waffen ruhen nicht

Ein in der sambischen Hauptstadt Lusaka geschlossenes Abkommen über einen Waffenstillstand zwischen Regierung und Rebellen hält nicht. Unter dem Namen Rassemblement Congolais pour la Démocratie (RCD) formieren sich unter ruandischer Kuratel die Rebellen im Osten des Landes neu – und werden so zu einer noch größeren Bedrohung für das Kabila-Regime. Uganda unterstützt die Rebellen vom Mouvement pour la Liberation du Congo (MLC). Mithilfe großzügiger Zugriffsrechte auf Rohstoffminen erkauft sich Kabila die Waffenhilfe seiner übrigen Nachbarn. Innerhalb der Rebellengruppen verhärten sich die Konflikte, Uganda und Ruanda, einst verbündet, liefern sich Scharmützel auf kongolesischem Boden.

2000

Zaghafte Hilfe

Inmitten schwerer Kämpfe zwischen Rebellen, Regierungsarmee und ausländischen Interventionstruppen entsendet die Weltgemeinschaft UNO-Soldaten in die DRK. Die 5.000 Blauhelme der MONUC-Eingreiftruppe, deren Mandat auch Gewaltanwendung einschließt, können die Kämpfe nicht beenden.

2001

Kabila I. stirbt, Kabila II. folgt

Laurent-Désiré Kabila wird in seinem Büro in Kinshasa von einem Leibwächter erschossen. Die näheren Umstände des Attentats sind bis heute ungeklärt. Sein Sohn Joseph, gerade 29 Jahre alt und in China ausgebildeter Generalstabschef der Regierungsarmee, wird zum neuen Präsidenten der DRK erklärt. Kurz keimt im Westen Hoffnung auf schnellen Frieden auf. Bald wird sie enttäuscht. 2,5 Millionen Menschen sind nach US-Angaben seit 1998 durch Waffengewalt oder durch Hunger ums Leben gekommen. Die UNO kommt zu dem Schluss, dass die Kriegsparteien die Kampfhandlungen absichtlich in die Länge ziehen. Hauptmotiv: die Ausbeutung der Bodenschätze.

2002

Kurzer Frieden

Im südafrikanischen Sun City einigen sich die Kabila-Regierung, einzelne Rebellengruppen und die ausländischen Kriegsparteien auf Machtteilung und Waffenstillstand. Kabila bleibt bis zu geplanten Wahlen Präsident, ein früherer Rebell des pro-ugandischen MLC wird Premierminister. Die Anti-Kabila-Kämpfer sollen in Armee und Polizei eingegliedert werden. Die Rebellen des RCD, die von Ruanda bezahlt werden, verweigern sich dem Friedensschluss. Sun City beendet formal zwar den zweiten Kongokrieg. Frieden bringt das Abkommen dem Kongo aber nicht.

2004

Die Gewalt beginnt von Neuem

Teile der kongolesischen Armee meutern gegen Präsident Kabila, mehrere Putschversuche scheitern. Eben erst in die Regierungstruppen eingegliederte Ex-Rebellen liefern sich Gefechte mit Kabila-treuen Einheiten.

2005 — 2006

Neue Akteure

Während eine Volksabstimmung der DRK eine neue Verfassung bringt, dringen Kämpfer der ugandischen Rebellengruppe Lord’s Resistance Army in den Kongo ein. Machtansprüche neuer Akteure destabilisieren das Land zusätzlich. Bei der ersten freien Präsidenschaftswahl nach 40 Jahren siegt Kabila zwar, Anhäger seines Konkurrenten Jean-Pierre Bemba liefern sich aber Kämpfe mit Regierungstruppen. Der Armeegeneral Laurent Nkunda, während des zweiten Kongokriegs Mitglied der RCD-Rebellen, bekämpft gemeinsam mit anderen Rebellen in der Region Kivu im Osten der DRK sowohl die Kabila-Truppen als auch ruandische Hutus, die, zwölf Jahre nach dem Genozid im Nachbarland, weiterhin geflohene Tutsis bedrohen. Einmal mehr müssen zehntausende Bewohner des Ostkongo fliehen.

2008 — 2009

Brüchige Allianzen

Trotz eines zwischenzeitlichen Friedensabkommens bekämpfen sich Kabila- und Nkunda-treue Einheiten im Osten der DRK. Die Kämpfe lösen große Flüchtlingswellen aus. Der Schwerpunkt der Angriffe liegt in der Provinzhauptstadt Goma. Gemeinsam mit Uganda und dem Sudan beginnt Kabila eine Offensive gegen die Milizen der Lord’s Resistance Army, die für Massaker an der Zivilbevölkerung verantwortlich gemacht wird. Nkunda gelingt es nicht, den Osten der DRK dauerhaft unter seine Kontrolle zu bringen. Anfang 2009 wird er in Ruanda verhaftet. Bosco Ntaganda, der ihm nachfolgt, steht auf der Fahndungsliste des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC). Der Versuch Kabilas, sein Land mithilfe von Amnestien für ehemalige Rebellen zu befrieden, scheitert.

2010

Sexuelle Kriegsführung

50 Jahre nach seiner Unabhängigkeit liegt der Kongo in Trümmern. An den Ufern des Kivu-Sees kommt es nach UN-Angaben zu Massenvergewaltigungen, die Täter sind sowohl Regierungssoldaten als auch Rebellen. Seit Beginn des endlosen Kriegs im Zentrum Afrikas terrorisiert sexuelle Kriegsführung die Zivilbevölkerung. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds erlassen der DRK einen Teil ihrer Schulden. Auch dieser Versuch, den gescheiterten Staat doch noch aufzurichten, misslingt. Die Vereinten Nationen betonen erneut, dass der Konflikt aufgrund von Rohstoffinteressen fortgeführt wird. Je instabiler das Land, desto größer die Margen, so das alte Kalkül.

2011 — 2012

Neue Rebellen

Joseph Kabila agiert zunehmend autoritär. Per Verfassungsänderung gibt er sich weitreichende Befugnisse. Zwar gewinnt er die Präsidentschaftswahl im November 2011, internationale Beobachter bezeichnen sie aber als nicht fair. Mehrere Warlords und Regierungssoldaten werden wegen Vergewaltigung und anderer Gräueltaten verhaftet und vom ICC verurteilt. Währenddessen bereitet eine neue, aus enttäuschten Tutsi-Offizieren der Kabila-Armee rekrutierte Rebellengruppe im Osten der DRK ihre Angriffe auf die Zentralregierung vor: das Mouvement du 23-mars, kurz: M23. Die UNO wirft Uganda und Ruanda vor, die Rebellen zu unterstützen. Als M23 Ende 2011 die strategisch und aus Ressourcengründen bedeutsame Stadt Goma besetzt, lenkt Kabila ein und macht einmal mehr Zugeständnisse an eine Rebellengruppe.

2013

Die Spirale dreht sich weiter

Im Vorfeld von international besetzten Friedensgesprächen in Äthiopien erklärt sich M23 zu einem Waffenstillstand bereit. Sein mutmaßlicher Gründer Bosco Ntaganda stellt sich in der US-Botschaft in Ruanda den Behörden. Er wartet heute in Den Haag auf seinen Prozess. Nach zwischenzeitlicher Ruhe sind im Sommer die Kämpfe zwischen dem Kabila-Regime und M23 wieder aufgeflammt. NGOs warnen vor einer erneuten humanitären Katastrophe, 70.000 Menschen sind vor den neuen Gefechten geflohen. Die französische Regierung prangert systematische sexuelle Kriegsführung aller Kriegsparteien an. Die UNO droht derweil mit dem Einsatz “tödlicher Gewalt” gegen die M23-Rebellen, sollten sie ihre Angriffe auf Goma nicht einstellen. Ein Ende des Kriegs im Kongo ist nicht in Sicht.

 

http://derstandard.at/1373512995354/Kongo-Krieg-ohne-Ende

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: