Italien nimmt vor Malta gestrandete Flüchtlinge auf: Malta hat im Juli die Rekordzahl von 1000 Flüchtlingen aufgenommen! Das Land wolle mit der Zurückweisung der Flüchtlinge zeigen, dass die Belastungsgrenze erreicht sei! Was nun, da sicher immer mehr Flüchtlinge kommen werden? Wollen wir nicht endlich anfangen, die Fluchtursachen gemeinsam zu beseitigen? Oder wollen wir die Menschen einfach im Leid lassen? Über die Ursachen der Flucht informiert die Broschüre: Vor den Toren Europas!

Italien nimmt vor Malta gestrandete Flüchtlinge auf

 

Rund hundert Flüchtlinge sitzen seit Wochenbeginn an Bord eines Tankers im Mittelmeer fest. Nun will Italien die Flüchtlinge aufnehmen.

Italien will die seit Tagen vor Malta gestrandeten 102 schiffbrüchigen Migranten aufnehmen. Das teilte die maltesische Regierung am Dienstagabend nach diplomatischen Kontakten mit Italien und Griechenland mit.

Regierungschef Joseph Muscat dankte dem römischen Amtskollegen Enrico Letta für diese Entscheidung, über die am Mittwoch auch der italienische TV-Sender RaiNews24 berichtete. Damit geht die Odyssee der Flüchtlinge aus Afrika ihrem Ende zu.

Das Schiff mit ihnen soll nun die Ostküste Siziliens anlaufen.Malta hatte seit Sonntag verhindert, einen liberianischen Frachter mit den Flüchtlingen an Bord in seine Gewässer zu lassen. Die für innere Sicherheit zuständige EU-Kommissarin Cecilia Malmström hatte Malta am Dienstag zur sofortigen Aufnahme der 102 Migranten aufgefordert.

Das sei eine humanitäre Pflicht. Der EU-Inselstaat hatte im Juli die Rekordzahl von nahezu 1000 Migranten aufgenommen. Mit der Weigerung, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, habe Malta eine klare Botschaft ausgesandt, dass die Belastungsgrenze erreicht sei, erklärte Muscat.

http://www.sueddeutsche.de/politik/politicker-italien-nimmt-vor-malta-gestrandete-fluechtlinge-auf-1.1740771

14.03.2010
Welche Perspektiven bietet Afrika den Menschen? (Bild: AP Archiv)Welche Perspektiven bietet Afrika den Menschen? (Bild: AP Archiv)

Vor den Toren Europas?

Das Potenzial der Migration aus Afrika

Von Susanne Schmid, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg

Der afrikanische Kontinent zählt seit Kurzem eine Milliarde Menschen. Das wirft sorgenvolle Fragen auf: Unter welchen Bedingungen werden Afrikaner leben? Wird der Kontinent ausreichend Existenzgrundlagen bieten oder werden viele zur Abwanderung gezwungen sein oder Afrika überhaupt verlassen wollen? Es stellt sich besonders die Frage nach dem so genannten Migrationspotenzial.

Was heißt Migrationspotenzial? Es bezeichnet die Abwanderungswilligen einer Region, die sich vor Ort keine Erfüllung von Lebenszielen versprechen und nur auf einen günstigen Zeitpunkt warten, um in eine aussichtsreichere Region zu gelangen. Dieses Potenzial entsteht immer aus einer Entwicklungs- und Wohlstandsdifferenz gegenüber Nachbarregionen und anderen Kontinenten.

Mit der Abwanderungsregion Afrika und der Zielregion Europa stehen sich sozio-ökonomisch, politisch und kulturell kontrastierende Räume in nächster Nähe gegenüber.
Die am besten dokumentierte Entwicklungsdifferenz ist die demographische. Im Jahre 2009 hat die afrikanische Bevölkerung die Milliardengrenze überschritten und wird aufgrund ihres hohen Wachstumstempos bis 2050 die zweite Milliarde erreicht haben. Grund hierfür sind die höchsten Geburtenzahlen der Welt von durchschnittlich 4,6 Kindern je Frau. Auch sind 41 Prozent der Afrikaner jünger als 15 Jahre.

Diese demographische Entwicklung auf ertragsarmem Grund und Boden allein wäre schon ein Grund für Abwanderung, doch sie steht außerdem in problematischer Wechselwirkung mit wirtschaftlichen und politischen Mangelfaktoren. Es wird geschätzt, dass 55 Prozent der erwerbstätigen Afrikaner höchstens 1 US-Dollar täglich zum Leben haben.

Ein Kontinent, der nur geburtenstarke Jahrgänge kennt und eine schwache Wirtschaft, wird die Heranwachsenden nicht im nötigen Umfang ausbilden und in Arbeit bringen können. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter wächst und somit diejenigen, die selbst für Arbeit in der heimischen Schattenwirtschaft dankbar sind, die in einer afrikanischen Nachbarregion nach Arbeit suchen oder nach Europa auswandern möchten.

Das Migrationspotenzial Afrikas dürfte aus politischen Gründen steigen, weil sich gerade auf diesem Kontinent Regierungsversagen, innere Machtkämpfe, politische Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen häufen. In absehbarer Zeit ist keine Abnahme der innerafrikanischen Konflikte und der daraus hervorgehenden Flüchtlingsbewegungen zu erwarten. Eine schnell voranschreitende Demokratisierung der zumeist autoritären afrikanischen Regimes und eine rasche Stabilisierung zerfallender und zerfallener Staaten sind ebenfalls nicht absehbar.

Auch in der Klimadebatte gerät Afrika häufig ins Blickfeld. Es ist zwar der Kontinent mit den geringsten CO2-Emissionen, wird aber vom Klimawandel – so alle Voraussagen – am härtesten getroffen werden. Klimawandel und wachsender Bevölkerungsdruck auf natürliche Ressourcen wie Wasser und Boden werden extreme Wetterphänomene, Wassermangel und die Erosion der Böden verstärken. Das Schwinden natürlicher Existenzgrundlagen wird immer mehr Menschen betreffen und zum Verlassen der angestammten Region zwingen.

Allerdings vollzieht sich ein erheblicher Teil afrikanischer Wanderung auf dem Kontinent selbst und hat nicht Europa zum Ziel. In der Europäischen Union leben derzeit mindestens 5 Millionen afrikanische Staatsbürger. Nach den bisherigen Erkenntnissen werden Frankreich, Italien und Spanien die bevorzugten Zuwanderungsländer bleiben. In diesen drei Staaten leben jeweils zwischen 800.000 und 1,5 Mio. afrikanische Staatsangehörige, der jährliche Zuzug liegt bei jeweils 80.000 bis 140.000 Personen.

Irreguläre Grenzüberschreitungen, Menschenschmuggel und Menschenhandel sind Gegenstand großer Besorgnis in der Europäischen Union. Erschütternde Fernsehbilder von in Seenot geratenen Bootsflüchtlingen sprechen für sich. Dabei finden irreguläre Grenzübertritte auf dem Weg nach Europa bereits auf afrikanischem Boden statt.

Nach internationalen Schätzungen sollen in den letzten Jahren mindestens 70.000 Afrikaner jährlich die Sahara in Richtung der Maghreb-Staaten durchquert haben, um von dort aus nach Europa überzusetzen. Schätzungen besagen, dass jährlich rund 830.000 Personen – mit und ohne die Hilfe von Schleusern – irregulär in die EU migrieren – davon rund 120.000 über das Mittelmeer.

Was kommt auf Deutschland zu? Die Analysen ergeben, dass das Migrationspotenzial und die tatsächliche reguläre Zuwanderung aus Afrika auf vergleichsweise niedrigem Niveau von 20.000 bis 35.000 Zuzügen pro Jahr verbleiben dürfte. Doch die Aufgaben Deutschlands angesichts der Gesamtsituation sind beträchtlich.

So lange das Wohlstandsgefälle zwischen Europa und Afrika so erheblich bleibt, wird auch der Zuwanderungsdruck auf die Europäische Union insgesamt wachsen, denn die Last werden die südlichen Mittelmeerstaaten der EU nicht länger alleine tragen wollen. Und das wird den Handlungsdruck auf die EU-Instanzen erhöhen. Die EU muss ihre Migrationspolitik so gestalten, dass die vielen heranwachsenden Afrikaner Lebensperspektiven in ihrer eigenen Region finden.

Den Forschungsbericht “Vor den Toren Europas? Das Potenzial der Migration aus Afrika” finden Sie hier.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1142610/

Inhalt und zentrale Ergebnisse
Die vorliegende Untersuchung analysiert in qualitativer
Form die Abwanderungsmotivation aus Afrika mit Blick auf
Europa. Die Summe derer, die eine solche Motivation besitzen,
kann als Migrationspotenzial bezeichnet werden. Das Migrationspotenzial entsteht aus der regionalen Diskrepanz oder
Entwicklungsdifferenz demographischer, ökonomischer, politischer und ökologischer Faktoren zwischen der Herkunftsregion
und der angestrebten Zielregion. Zwischen Afrika und Europa
(besonders der EU) herrscht ein maximales Wohlstandsgefälle,
in dem ein entsprechend großes Migrationspotenzial existiert,
das sich aufgrund der genannten Faktoren erneuert und wahrscheinlich vergrößert. In welchem Umfang sich aber tatsächlich
Abwanderung realisiert, hängt von den individuellen Möglichkeiten und Motivationen potenzieller Migranten ab.
„ Das Migrationspotenzial Afrikas dürfte aus demographischer Sicht steigen, weil Afrika im internationalen Vergleich ein ausnehmend starkes Bevölkerungswachstum aufweist. Dafür ist die immer noch
sehr hohe zusammengefasste Geburtenziffer verantwortlich, die in Afrika durchschnittlich bei 4,61
Kindern und in Zentralafrika sogar bei 5,67 Kindern
pro Frau liegt. Sodann verfügt Afrika über eine sehr
junge Altersstruktur: jeder fünfte Afrikaner ist zwischen 15 und 24 Jahre alt, 41,2 % der Bevölkerung ist
unter 15 Jahren. Die afrikanische Bevölkerung wird
sich bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln, d.h. auf
knapp zwei Milliarden Menschen anwachsen. Doch
die demographische Entwicklung allein ist nicht

zum Text:

http://www.bmi.bund.de/cae/servlet/contentblob/872076/publicationFile/54527/migration_afrika.pdf

 

Flüchtlinge in Marokko

Reportage über Flüchtlinge aus Afrika

Auch wenn es das Leben kostet

Gestrandet im Wald vor den Toren der Grenzstadt Oujda in Nordmarokko leben sie unter grünen Plastikplanen – und warten. Flüchtlinge wie Mohamed, Abdoullah oder Abou stecken hier fest – im Wartesaal nach Europa.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Mohamed weist den Weg durch den dichten Pinienwald, in die Camps der Migranten aus Ghana, Mali und Burkina Faso. Alle hier sind Mitte Zwanzig – und sie haben alles hinter sich gelassen, um anderswo das Glück zu suchen, das sie zu Hause nicht finden konnten. Sie suchen Schutz unter grünen Plastikplanen, kochen an kleinen Feuerstellen und besitzen nur das, was sie am Körper tragen.

ARD-Korrespondent Göbel im Gespräch mit einem der Flüchtlinge im Wald bei Oujda

galerieARD-Korrespondent Göbel im Gespräch mit einem der Flüchtlinge im Wald bei Oujda

“Wenn du morgens aufwachst, hier im Wald, und du weißt, dass Europa so nah ist, dann denkst du an das gute Leben, das die Menschen dort haben”, sagt Mohamed. “Ich träume davon, jeden Tag. Von Nador und Gurugu aus kannst du sogar Melilla sehen und das Mittelmeer riechen. Das macht dich wahnsinnig. Du willst sofort gehen – auch wenn es dein Leben kosten kann. Aber das ist vielleicht symptomatisch für Afrika: Du musst dein Leben riskieren, um etwas zu erreichen.”

 

Traum vom Leben: Oujda – Leben vor den Toren Europas
A. Göbel, ARD Rabat
14.05.2013 17:34 Uhr

Download der Audiodatei

 

3000 Euro für Schlepper

Sein Leben hat auch Abdoullah riskiert. Mehr als zwei Jahre war er unterwegs – tausende Kilometer, von Ghana bis nach Marokko. Mehr als umgerechnet 3000 Euro hat sein Trip gekostet. Gespart hatte sein ganzes Dorf  – für die Schlepper, die ihn durch die Wüste gebracht haben. Seine Eltern wissen nicht, dass er noch lebt. Aber Abdoullah ist sicher, dass sie für ihn beten. Profifußballer will er werden, am liebsten bei Real Madrid. Wenn er es geschafft hat, sagt er, dann will er zu Hause anrufen. Und Geld schicken. Damit seine Eltern stolz auf ihn sind.

“Ach, Europa – es ist wunderbar dort. Ich war schon mal auf Gran Canaria, mit dem Boot, das ist schon lange her, ich war beeindruckt von Las Palmas”, sagt Abdoullah. “Leider wurde ich verhaftet und zurückgeschickt. Aber ich war drei Monate da und ich fand es toll in Europa.”

Flüchtlinge in Marokko

galerieSeit Jahren campieren Menschen aus den Subsahara-Ländern in den Wäldern um Oujda und warten auf die Gelegenheit, die spanische Exklave Melilla zu erreichen.

 

Im Wartesaal nach Europa

Doch seit einem Jahr schon steckt Abdoullah in Oujda fest – im Wartesaal nach Europa, wie so viele afrikanische Migranten und Flüchtlinge. Tagsüber lungern sie in der Stadt herum, betteln Passanten an. Ein paar Dirham für die nächste Mahlzeit, für Wasser, Seife, Kleidung, Medikamente, Milchpulver und Windeln für die Babys.

Arbeiten dürfen die Migranten in Marokko offiziell nicht. Viele verdingen sich als Tagelöhner bei Bauern. Manche handeln mit Drogen, um irgendwie an Geld zu kommen. Vielen Frauen bleibt nichts anderes übrig als Prostitution. Im Wald von Oujda vegetieren hunderte Menschen, die Afrika nicht will, Marokko nicht und Europa erst recht nicht. “Immer wenn die Polizei kommt, stecken die Beamten die Zelte an”, erzählt Abdoulaye aus Burkina Faso. “Es ist sehr gefährlich für uns. Wir werden oft im Schlaf überrascht, manchmal werden Menschen verletzt. Wir müssen dann immer wieder von vorne anfangen und uns Material zusammensuchen, manchmal geben uns Hilfsorganisationen diese Plastikplanen. Die heißen bei uns ‘Kosovos’. Dann bauen wir uns neue Unterkünfte – bis zur nächsten Polizeirazzia.”

 

Melilla und Oujda | Karte vergrößern

Brei mit Reis und Gemüse

Momentan landen immer mehr junge Malier in Oujda. Der Krieg im Norden ihrer Heimat treibt sie hierher – und nach Europa. Menschen wie Abou, 20 Jahre alt. Er ist am äußeren Grenzzaun von Melilla hängen geblieben und hat sich den linken Fuß aufgerissen. Die marokkanische Polizei hat ihn geschnappt, verprügelt und im Wald abgeladen. Eiter kommt aus der offenen Wunde, der Fuß ist stark geschwollen, wegen der Schmerzen kann Abou kaum noch sprechen. Die anderen setzen ihn auf den kalten Boden in die Runde um einen großen zerbeulten Topf.

Die Männer essen mit den Händen, was Camp-Chef Ismael zusammengerührt hat: einen Brei mit Reis und Gemüse. Sie essen, so viel sie können. Sie müssen stark bleiben, um nicht zu verzweifeln – an Afrika und Europa.

“Schau dir doch Afrika an: überall Kriege, überall Blutvergießen”, sagt Mohamed. “Schau dir den Kongo an, Somalia, Mali: Die Menschen wollen doch nur Freiheit – und Frieden, Menschenrechte. All das gibt es – aber nicht für uns, sondern nur für die Menschen in den reichen Ländern. Sogar Hunde haben in Europa einen Ausweis! Ein europäischer Hund ist mehr wert als ich! Wo ist die Gerechtigkeit? Dieses Gerede vom vereinten Afrika – das ist doch alles ein böser Traum.”

Stand: 15.05.2013 01:35 Uhr

http://www.tagesschau.de/ausland/flucht-eu100.html

 

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