Japan gibt zu: Täglich fließen 300 Tonnen verstrahltes Wasser ins Meer!Wohl schon seit zwei Jahren! Auch das Grundwasser wird immer mehr verseucht! Unternehmen hat lange die Öffentlichkeit belogen: Alles sei unter Kontrolle! Für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe sind die Versuche Tepcos, die Pannen beim Rückbau der havarierten Atomreaktoren zu vertuschen, mittlerweile zu einem ernsthaften innenpolitischen Problem geworden. Abe und seine regierenden Liberaldemokraten (LDP) waren schon immer eng mit der Atomlobby Japans verflochten. Derzeit ist die LDP die einzige Partei in Japan, die sich dafür ausspricht, die nach der Kernschmelze in Fukushima abgeschalteten japanischen Atomreaktoren teilweise wieder ans Netz gehen zu lassen. Von den 50 Atomreaktoren im Land produzieren derzeit nur 2 Strom. Die Mehrheit der japanischen Bevölkerung lehnt Abes Bekenntnis zur Atomkraft deshalb ab. Vier der grossen japanischen Energiekonzerne bei den zuständigen Stellen umgehend die Wiederaufnahme eines Teils ihrer stillgelegten Reaktoren beantragt. Tepco steht unter enormem Druck seiner Gläubigerbanken. Das Unternehmen muss die Energielücke, die durch das Abschalten der Atomkraftwerke entstanden ist, durch teure Gas- und Erdölimporte schliessen. Die Kosten zur Sicherung und zum Rückbau havarierter Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima Daiichi drohen zudem ins Unermessliche zu steigen. Die Gemeinden, deren Zustimmung zur Wiederinbetriebnahme nötig ist, verweigern dies bisher!

Havarie in Fukushima

300 Tonnen verseuchtes Wasser

Auslandnachrichten Heute, 15:30
Seit zwei Jahren fliesst radioaktives Wasser aus dem havarierten AKW in den Pazifik.
Seit zwei Jahren fliesst radioaktives Wasser aus dem havarierten AKW in den Pazifik. (Bild: Reuters)
Japans Regierung hat zugegeben, dass in Fukushima seit zwei Jahren täglich radioaktiv belastetes Wasser in den Pazifik fliesst. Sie springt nun der Betreiberfirma Tepco bei und finanziert einen Sperrwall, der die Verseuchung des Meeres wenigstens ab 2015 stoppen soll.
Carsten Germis, Tokio

Die dramatischen Zustände auf dem Gelände des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima haben die japanische Regierung nach langem Schweigen dazu bewogen, sich selbst stärker um den Schutz vor radioaktiver Belastung in der Umgebung der Reaktoren zu kümmern. Am Mittwoch räumte die Regierung in Tokio ein, dass wahrscheinlich schon seit zwei Jahren radioaktiv belastetes Grundwasser aus den Reaktoren unkontrolliert in den Pazifik fliesst. Ein Vertreter des Industrieministeriums sagte, dass derzeit täglich rund 300 Tonnen verstrahlten Wassers über Lecks aus den unterirdischen Gängen und Leitungsschächten in den Ozean gelangten. Die Lage ist damit offenbar dramatischer, als die Betreibergesellschaft des Atomkraftwerks, die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), bisher zugegeben hat. Tepco hat erst im Juli zugegeben, dass radioaktiv belastetes Wasser in den Pazifik fliesst. Obwohl das, wie die Regierung jetzt einräumte, offenbar seit zwei Jahren der Fall ist, hatte das Energieunternehmen noch im Juni bei einem Besuch ausländischer Journalisten erklärt, die Lage sei unter Kontrolle und es bestehe keinerlei Risiko.

Lügen und Vertuschung

Für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe sind die Versuche Tepcos, die Pannen beim Rückbau der havarierten Atomreaktoren zu vertuschen, mittlerweile zu einem ernsthaften innenpolitischen Problem geworden. Abe und seine regierenden Liberaldemokraten (LDP) waren schon immer eng mit der Atomlobby Japans verflochten. Derzeit ist die LDP die einzige Partei in Japan, die sich dafür ausspricht, die nach der Kernschmelze in Fukushima abgeschalteten japanischen Atomreaktoren teilweise wieder ans Netz gehen zu lassen. Von den 50 Atomreaktoren im Land produzieren derzeit nur 2 Strom. Die Lügen und die Vertuschungsversuche Tepcos haben in jüngster Zeit die Zweifel in der japanischen Öffentlichkeit bestärkt, dass die Energieunternehmen aus der Atomkatastrophe in Fukushima wirklich gelernt haben. Die Mehrheit der japanischen Bevölkerung lehnt Abes Bekenntnis zur Atomkraft deshalb ab.

Auch deswegen will die Regierung jetzt direkt bei der Kontrolle der havarierten Reaktoren in Fukushima eingreifen. Nach Erkenntnissen der japanischen Atombehörde wird die Lage zunehmend dramatisch, weil die Menge des radioaktiv belasteten Grundwassers steigt. Nach Angaben von Tepco, die eher zu optimistisch sein dürften, dringen derzeit täglich rund 400 Tonnen Grundwasser in die Gebäude mit den Reaktoren ein, in denen es im März 2011 zur Kernschmelze gekommen ist. Dieses Wasser vermischt sich mit den 300 bis 400 Tonnen Wasser, mit denen die Brennstäbe in den havarierten Reaktoren gekühlt werden und die demnach verseucht sind. Berichte über erste Leckagen gab es in japanischen Medien bereits im April. Die Aufsichtsbehörde äusserte Anfang Juli erstmals den Verdacht, dass stark radioaktiv belastetes Wasser in den Boden und dann in den Pazifik fliesse. Obwohl das offenbar schon seit zwei Jahren der Fall ist, gestand Tepco es erst Ende Juli ein. «Die Mitarbeiter vor Ort hatten die Daten, aber wir wurden nicht informiert», teilte das Energieunternehmen damals lapidar mit.

Steuergelder für den Sperrwall

300 000 Tonnen belasteten Wassers lagern derzeit bereits in Hunderten von Containern auf dem Betriebsgelände in Fukushima. In den kommenden zwei Jahren will Tepco die Kapazität auf 700 000 Tonnen erhöhen. Die Regierung will jetzt, dass Tepco mit Nachdruck den Bau eines Sperrwalls vor den Reaktorgebäuden vorantreibt. Damit soll das Grundwasser umgeleitet werden, das derzeit in die zerstörten Reaktorgebäude fliesst. Ministerpräsident Abe, der befürchtet, dass Tepcos Lügen seine Atomstrategie gefährden, hat Sofortmassnahmen angekündigt. Der Bau eines Sperrwalls, der im Oktober 2015 fertig sein soll, werde mit Steuergeldern finanziert werden, teilte ein Sprecher der Regierung mit. Ein örtlicher Vertreter der Atomaufsicht in Fukushima sagte am Mittwoch, das Bewusstsein für die Krise sei bei Tepco nur gering ausgeprägt. Deswegen könne der Staat die Firma im Kampf gegen die Katastrophe nicht allein lassen.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/300-tonnen-verseuchtes-wasser-1.18129158

Elektrizitätswirtschaft

Ringen um Atomstrom in Japan

Wirtschaftsnachrichten Dossier: Energie Dienstag, 9. Juli, 06:00
Das Kernkraftwerk Takahama erhält die erste Lieferung von «MOX» seit der Katastrophe von 2011.
Das Kernkraftwerk Takahama erhält die erste Lieferung von «MOX» seit der Katastrophe von 2011. (Bild: Keystone / AP)
Die Regierung Abe stösst mit ihrer Absicht, bald stillgelegte Atomkraftwerke ans Netz zu nehmen, auf lokalen Widerstand. Hinter den Kulissen wird Überzeugungsarbeit geleistet.
Carsten Germis, Tokio

Gut zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima rückt der Zeitpunkt näher, an dem japanische Kraftwerkbetreiber stillgelegte Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen lassen können. Nachdem am Montag die neuen Sicherheitsstandards für Atomreaktoren in Kraft traten, haben vier der grossen japanischen Energiekonzerne bei den zuständigen Stellen umgehend die Wiederaufnahme eines Teils ihrer stillgelegten Reaktoren beantragt. Die Anträge sind der erste Schritt eines Prozesses, der sich nach Einschätzung von Beobachtern über einige Monate hinziehen dürfte. Die Atomaufsichtsbehörde spricht von mindestens sechs Monaten, die für die gründliche Prüfung und bis zu einem Entscheid notwendig seien.

Lange Bewilligungsverfahren

Es gehe darum, dass die Regulierungsbehörde Anlagen und Anweisungen auf etwaige Sicherheitsprobleme überprüfe, liess der Konzern Kansai Electric Power am Montag verlauten. Derzeit sind landesweit 48 der 50 Atomreaktoren in Japan abgeschaltet. Den definitiven Entscheid zur Wiederinbetriebnahme treffen aber nicht die Behörden, sondern die Zentralregierung. Während Ministerpräsident Shinzo Abe sich deutlich für die Nutzung der Atomkraft ausgesprochen hat, scheuen viele Bürgermeister davor noch zurück. Auch die Zustimmung der Gemeinden ist notwendig, wenn die Reaktoren wieder ans Netz gehen sollen.

Zuerst allerdings muss die neue Atomaufsicht bestätigen, ob die Atomkraftwerke neue, deutlich strengere Sicherheitsanforderungen überhaupt erfüllen. Die Elektrizitätswerke von Kansai, die unter anderem die Ballungsräume Osaka und Kyoto mit Strom versorgen, dringen angesichts des erwarteten heissen Sommers auf einen möglichst schnellen Entscheid. Ausser dem Versorger Kansai haben am Montag Shikoku Electric Power, Hokkaido Electric Power und Kyushu Electric Power bei der Behörde um die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme von insgesamt zehn Atomreaktoren mit einer Leistung von 8,84 Gigawatt nachgesucht. Diese Leistung entspricht etwa 19% der insgesamt 50 betriebsbereiten Atomkraftwerke in Japan.

Auch die Betreibergesellschaft der havarierten Atomreaktoren in Fukushima, Tokyo Electric Power (Tepco), will «so schnell wie möglich» entscheiden, einen Antrag zur Inbetriebnahme von zwei Reaktoren im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata 220 km entfernt von Tokio zu stellen. Tepco-Präsident Naomi Hirose ist deswegen Ende vergangener Woche in die Präfektur Niigata gefahren, um dort mit dem Gouverneur der Präfektur und mit den Kommunalvertretern darüber zu sprechen, die zwei Reaktoren wieder hochzufahren. In Kashiwazaki-Kariwa betreibt Tepco das grösste Atomkraftwerk der Welt mit sieben Reaktoren.

Widerstand auf lokaler Ebene

Vor allem Niigatas Gouverneur Hirohiko Izumida weigerte sich aber standhaft, seine Zustimmung zu einem Neustart zu geben, solange es Zweifel an der Sicherheit des Atomkraftwerks gebe. Tepco steht unter enormem Druck seiner Gläubigerbanken. Das Unternehmen muss die Energielücke, die durch das Abschalten der Atomkraftwerke entstanden ist, durch teure Gas- und Erdölimporte schliessen.

Es gibt weitere Herausforderungen: Die Kosten zur Sicherung und zum Rückbau havarierter Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima Daiichi drohen ins Unermessliche zu steigen. Daher erlitt Tepco im Geschäftsjahr per Ende März einen Verlust von 685,3 Mrd. Yen (7,1 Mrd. Fr.). Verluste melden auch die anderen Energiekonzerne. Izumida erklärte, die finanziellen Probleme der Energiekonzerne könnten kein Argument sein, Atomreaktoren wieder ans Netz gehen zu lassen.

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/ringen-um-atomstrom-in-japan-1.18113157

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