Wenn Ozeane sauer werden! UNO: Klimabedingter Anstieg Temperatur- und Säuregehalt in den oberen Schichten der Ozeane gefährdet Pflanzen, Tiere und darüber die Ernährung von Millionen Menschen! Die Sardinenschwärme etwa wandern von der westafrikanischen Küste in kältere Gewässer!

Der Säuregehalt in den oberen Schichten der Ozeane nimmt zu, ebenso die Wassertemperatur. Das hat gravierende Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt – und damit indirekt auch für die Menschen. Das bekommen zum Beispiel die Fischer an der westafrikanischen Küste zu spüren, denn die von ihnen geschätzten Sardinen-Schwärme wandern in kältere Zonen der Ozeane ab. Hier und an anderen Küsten ist die Ernährung vieler Millionen Menschen gefährdet, wenn der Klimawandel mit seinen Folgen für die Ozeane weiter voranschreitet.

Weiterlesen unter: http://klimawandel-bekaempfen.dgvn.de/meldung/wenn-die-ozeane-sauer-werden/

UN-Foto: Milton Grant

Wenn die Ozeane sauer werden

Neue Erkenntnisse zu den Folgen des Klimawandels für Ozeane und Meere
Am Ufer eines flachen Sandstrands zieht ein Fischer sein Boot hinter sich herDie Ozeane der Welt bilden eine wichtige Ernährungsgrundlage für Milliarden Menschen und eine Beschäftigungsmöglichkeit für viele Millionen wie für diesen Fischer an der Küste Tansanias. Foto: UN Photo/Milton Grant

Einer von sechs Menschen auf der Welt erhält den größeren Teil seiner Proteine aus Ozeanen. Und auch für Milliarden anderer Menschen ist es bedrohlich, dass die Ernährung mit Fischen und anderen Tieren und Pflanzen der Ozeane durch Umweltbelastungen und die Folgen des Klimawandels gefährdet wird. Vor allem erwärmen sich die oberen Wasserschichten stärker und die Ozeane werden säurehaltiger. Davor hat jetzt die „The United Nations Association of the United States of America“ in einem Beitrag auf ihrer „Interdependent”-Website gewarnt.

Durch die stärkere Erwärmung des oberflächennahen Wassers der Ozeane nimmt der Temperaturunterschied zu tieferen Wasserschichten zu, ohne dass es zu einem ausreichenden Ausgleich kommt. Diese „Abkoppelung“ der erwärmten oberen Ozeanschichten führt nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen (siehe Beitrag in der Zeitschrift Journal of Geophysical Research) dazu, dass weniger nährstoffreiches kaltes Wasser in die Nähe der Oberfläche gelangt, die nun den Meerestieren und vielen Pflanzen, wie dem Plankton, fehlen.

Die bedrohliche Übersäuerung

Ebenso beunruhigend ist die zunehmende Übersäuerung der Ozeane. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass etwa die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen von Ozeanen und Meeren absorbiert werden. Die Zunahme dieser Emissionen trägt entscheidend zur Erhöhung des Säuregehalts der Ozeane bei. Der Säuregehalt hat seit der industriellen Revolution um 30 Prozent zugenommen, und dieser Prozess könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts stark beschleunigen. Der hohe Säuregehalt beeinträchtigt unter anderem die Fähigkeit von Lebewesen, Kalkskelette und Schutzhüllen aus Kalk zu bilden. Davon sind zum Beispiel Korallen betroffen, aber auch viele andere Tiere, die innerhalb der Meeres-Nahrungsketten unverzichtbar sind, darunter Meeresschnecken, Schalentiere und Plankton.

CO2-Absorptionsfähigkeit des Meeres stärken

Zur CO2-Absorptionsfähigkeit der Ozeane hat das UN-Umweltprogramm UNEP gemeinsam mit anderen internationalen Organisationen das Buch „Blue Carbon – The Role of Healthy Oceans“ veröffentlicht, das als pdf-Datei heruntergeladen werden kann. Darin wird analysiert, wie die Fähigkeit der Ozeane und Meere, CO2 zu speichern, dadurch wieder erhöht werden kann, dass Mangroven, Seegras und Salz-Sumpfgebiete geschützt werden und neu entstehen können. Bis zu 70 Prozent des Kohlendioxids in den Ozeanen werden dauerhaft in den Küstenzonen gespeichert. Die Förderung der Speicherung von „blauem Kohlendioxid“ ist nach UNEP-Auffassung ein wichtiger Beitrag, um den Klimawandel zu verlangsamen.

Wenn die Sardinen-Schwärme abwandern

Ein Delfin springt hoch aus dem Wasser
Die Ozeane sind der Lebensraum einer großen Vielfalt von Tieren und Pflanzen. Die Existenz der Delfine und anderer Meeresbewohner wird durch steigende Temperaturen und Übersäuerung bedroht. Foto: UN Photo/Martine Perret

Im letzten Jahr hat das UN-Entwicklungsprogramm UNDP gemeinsam mit der Globalen Umweltfazilität GEF den Bericht „Frontline Observations on Climate Change and the Sustainability of Large Marine Ecosystems“ veröffentlicht, der im Detail aufzeigt, wie sich die Erwärmung der Ozeane in verschiedenen Regionen der Welt auswirkt. Vor den Küsten von West- und Nordwestafrika zeigt sich, dass die Sardinen-Schwärme in kältere Meeresregionen abwandern, was gravierende Fangrückgänge örtlicher Fischer verursacht. Eine ähnliche Entwicklung wurde vor der Küste von Namibia beobachtet. Durch solche Veränderungen in den Ozeanen wird die Lebensgrundlage von Millionen Küstenbewohnern gefährdet.

Yannick Glemarec, innerhalb von UNDP verantwortlich für globale Umweltprojekte, betonte bei der Präsentation des Berichtes: „Die zunehmenden Risiken und Auswirkungen des Klimawandels auf Ozeane erfordern, dass die Welt dringend in eine grüne Wirtschaft investiert, durch die Länder Entwicklungsziele auf eine ökologisch nachhaltige Weise erreichen und dabei gleichzeitig die Bedürfnisse ihrer Bürger befriedigen.“

Innerhalb des UN-Systems kommt der „Intergovernmental Oceanographic Commission“ (IOC) , die bei der UNESCO angesiedelt ist, eine wichtige Rolle bei Forschungsprogrammen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane zu. Über den Zusammenhang von Klima- und Ozeanveränderungen informiert der „UN Atlas on Oceans“. Die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO hat ein Informationsblatt zum Thema „Fisheries and Aquaculture in our changing climate“ zusammengestellt. Das UN-Engagement zu Ozean-Themen wird koordiniert von UN-Oceans.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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