Lon Snowden kämpft für seinen Sohn: “Die Verfassung gibt der Freiheit der Bürger Vorrang vor absoluter Sicherheit! Ein wahrer Patriot rettet sein Land vor seiner Regierung.” Drei Jahrzehnte lang diente Lon Snowden, Vater des nach Russland geflüchteten NSA-Enthüllers, den Vereinigten Staaten Amerikas. Doch nun hat er sein Vertrauen in die Regierung verloren und will verhindern, dass Edward in einem US-Gefängnis landet.

Lon Snowden kämpft für seinen Sohn

FRANK HERRMANN AUS WASHINGTON, 13. August 2013, 18:24
  • "Ein wahrer Patriot rettet sein Land vor seiner Regierung." Lon Snowden beschwört Thomas Paine, der 1776 das politische Manifest der Unabhängigkeitsbewegung verfasste.
    foto: reuters/gary cameron

    “Ein wahrer Patriot rettet sein Land vor seiner Regierung.” Lon Snowden beschwört Thomas Paine, der 1776 das politische Manifest der Unabhängigkeitsbewegung verfasste.


Drei Jahrzehnte lang diente Lon Snowden, Vater des nach Russland geflüchteten NSA-Enthüllers, den Vereinigten Staaten Amerikas. Doch nun hat er sein Vertrauen in die Regierung verloren und will verhindern, dass Edward in einem US-Gefängnis landet

Lon Snowden hat einen Eid abgelegt: “Ich schwöre, dass ich die Verfassung der Vereinigten Staaten gegen alle Feinde verteidigen werde.” Dreißig Jahre lang, nämlich bis zum Jahr 2009, stand er in Diensten der Coast Guard, der US-Küstenwache.

Lon Snowden, Oberstabsfeldwebel im Ruhestand, aus einer Familie von Polizisten und Militärs stammend, spricht gern von seiner patriotischen Gesinnung. Anfangs sah es so aus, als würde er nach Moskau fliegen, seinem Sohn Edward ins patriotische Gewissen reden und ihn überzeugen, doch wieder nach Hause zu kommen. Vielleicht nicht gleich, wohl aber ein paar Wochen später.

Reise nach Moskau geplant

Demnächst reist er also tatsächlich nach Moskau – wann genau, behält er vorläufig aber noch für sich. Anatoli Kutscherena, der russische Anwalt seines Sohnes, hat ihm bereits die Einladung geschickt, ohne die Amerikaner kein Visum für Russland bekommen können.

Doch es geht jetzt nicht mehr darum, Edward zurückzuholen: “Wo mein Sohn den Rest seines Lebens verbringt, das ist seine Entscheidung”, sagt Lon im Interview mit George Stephanopoulos, der Anfang der 1990er-Jahre Sprecher des Präsidenten Bill Clinton war und heute das politische Wochenmagazin des Fernsehsenders ABC News moderiert. Eine Heimkehr mache nur Sinn, wenn Ed auf ein faires Verfahren zählen könne – und daran glaube er, der Vater, im Moment nicht.

“Sie haben den Brunnen vergiftet”

Der Ton, den Präsident Barack Obama, dessen Minister und einige US-Senatoren anschlagen, wenn sie über seinen Sohn reden, lasse ihn zweifeln, ob eine Geschworenenjury überhaupt unvoreingenommen urteilen könne, sollte es zu einem Prozess kommen. “Sie haben den Brunnen vergiftet”, klagt Snowden senior.

So wie der Oberstabsfeldwebel a. D. jetzt Tacheles redet, ist es die Geschichte einer ziemlich dramatischen Wandlung: Im Juni schien es noch so, als wollte er unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit an einem Kompromiss mitbasteln. Damals muss das FBI, die US-Bundespolizei, noch geglaubt haben, die Sorge des Vaters ausnutzen zu können. Kaum war Edward in Russland gelandet, standen Bundespolizisten vor Lons Haus in Allentown, Pennsylvania. Sie wollten, dass er nach Moskau fliegt, wo sein Sohn im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo festsaß.

“Kein emotionales Werkzeug”

Als Lon, Wochen später, zum ersten Mal davon erzählte, nahm er sich kein Blatt mehr vor den Mund. “Halt mal, ich werde nicht auf der Rollbahn sitzen und ein emotionales Werkzeug für euch sein”, will er dem FBI geantwortet haben. Im Laufe der Zeit habe er begriffen, sagte er der Washington Post, dass seinen Sohn daheim nichts Gutes erwarten würde. “Sie werden ihn in ein Loch schmeißen, er wird nicht reden dürfen.”

Der Anwalt, der Lon Snowden vertritt, ist übrigens Republikaner. Bruce Fein begann seine Karriere Anfang der 1980er-Jahre im Justizministerium der Administration Ronald Reagans. Ein Mann, der sich als Kämpfer für die Freiheit des Einzelnen versteht und in scharfen Worten missbilligt, was sich der Staat unter Reagans Parteifreund George W. Bush im Namen der Terrorabwehr an Vollmachten aneignete.

“Die Verfassung gibt der Freiheit der Bürger Vorrang vor absoluter Sicherheit”, betont Fein. Der Patriot Act, das 2001 beschlossene Abhörgesetz, stelle dies auf den Kopf. Und wo immer sie im Duett auftreten, berufen sich Snowden senior und sein Advokat auf die Gründer der amerikanischen Republik.

Kronzeuge der beiden ist Thomas Paine, der Journalist, der 1776 unter dem Titel Common Sense das politische Manifest der Unabhängigkeitsbewegung verfasste. “Ein wahrer Patriot”, zitieren sie den Altvorderen, “rettet sein Land vor seiner Regierung.” (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 14.8.2013)

http://derstandard.at/1375626509317/Lon-Snowden-kaempft-fuer-seinen-Sohn

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