Von der Nato an die Macht gebrachtes libysches Regime kann den Ölfluss in die Taschen der Konzerne nicht mehr sichern und droht den Streikenden und Blockieren mit militärischer Gewalt! Mit der erlahmenden Ölförderung verschwindet der bisher einzige “Erfolg” der völkerrechtswidrigen Nato-Militäraktion zum Sturz Gadaffis!

Streiks in den Häfen

Chaos in Libyens Ölsektor

Auslandnachrichten Heute, 10:00
Das streikende Sicherheitspersonal der Verladehäfen will das Öl auf eigene Faust verkaufen.
Das streikende Sicherheitspersonal der Verladehäfen will das Öl auf eigene Faust verkaufen. (Bild: Keystone / AP)
Streiks und Blockaden durch bewaffnete Gruppen lähmen seit Wochen Libyens Ölhäfen, wichtige Einnahmequellen für das Land. Der Regierungschef droht nun mit militärischer Gewalt.

Astrid Frefel, Kairo

Die Ölförderung ist vielleicht die einzige Erfolgsgeschichte nach den libyschen Revolutionswirren im Jahr 2011. Obwohl viele ausländische Experten das Land verlassen hatten, gelang es, die Ölförderung in relativ kurzer Zeit wieder auf das Vorkriegsniveau von 1,6 Millionen Fass pro Tag zu steigern. Die Staatseinnahmen stammen fast ausschliesslich von den Ölverkäufen. Jetzt droht das Rückgrat des nordafrikanischen Landes zu brechen. Seit Wochen werden die wichtigsten Ölverladestationen entlang der Mittelmeerküste bestreikt. Die Produktion ist im Juli auf ein Rekordtief von 330 000 Fass gefallen und liegt im August etwa bei 700 000 Fass. Die Folge sind grosse finanzielle Einbussen, auch für die ausländischen Partnerfirmen, und ein Verlust an Vertrauenswürdigkeit. Nach den Angaben von Ölminister Abdulbari al-Arousi beziffern sich die Verluste seit dem 25. Juli auf 1,6 Milliarden Dollar.

Arousi warnte vor finanziellen Engpässen im Staatshaushalt. Sollten die Streiks andauern, könnten Probleme bei der Auszahlung der Löhne entstehen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung eine Lohnerhöhung für die Sicherheitskräfte verkündet. Mit Geldgeschenken versucht sie regelmässig, ihre Popularität zu sichern und der Bevölkerung das Gefühl zu geben, am Ölreichtum teilzuhaben. Das Chaos in der Ölindustrie ist ein Spiegelbild der vielen ungelösten Probleme: Mangelnde Sicherheit, die Schwäche der Regierung, eigenmächtige, bewaffnete Gruppen und Stammesfehden. So musste das Al-Fil-Ölfeld im Süden geschlossen werden wegen Problemen zwischen der lokalen Minderheit der Tabu und dem vom Militärrat in Zintan gestellten Wachpersonal. Diese Wächter sind inzwischen oft selbst die Urheber von Streiks und Belagerungen. Die Regierung hat eine spezielle Truppe gebildet – zum Teil aus bewaffneten Ex-Rebellen – die für den Schutz der Ölinstallationen im Land zuständig ist. Sie hat 20 000 Mitglieder. Deren Namen stünden aber nur auf der Lohnabrechnung und der Grossteil melde sich nie zum Dienst, beklagte sich der Ölminister kürzlich. Als Beispiel nannte er die Raffinerie von Zawiya, die von fünf Leuten lahmgelegt wurde, obwohl sie eigentlich 2000 Wächter haben sollte.

Die Forderungen der Streikenden sind unterschiedlich. Ein Terminal steht still, weil eine bewaffnete Gruppe verlangt, dass 1500 Arbeiter aus der Region angestellt werden. Andernorts herrscht Unzufriedenheit mit Löhnen und dem Management. Grosse Verladehäfen werden seit Wochen bestreikt, weil das bewaffnete Sicherheitspersonal der Regierung Unregelmässigkeiten beim Verkauf vorwirft. Es drohte, das Öl selbst zu vermarkten. Der Regierungschef Ali Zaidan hat am Donnerstag den Streikenden damit gedroht, dass er alle Schiffe ohne Verträge mit der nationalen Ölgesellschaft bombardieren lassen würde. Er werde militärische Gewalt anwenden, sollte die Blockade der Häfen nicht abgebrochen werden.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/chaos-in-libyens-oelsektor-1.18134286

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