“Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die von mir Erfolg im Leben erwartete, in welcher Hinsicht auch immer.” 21-jähriger Deutscher hatte während Praktikum bei Investmentbank nächtelang nicht geschlafen

Für Bank durchgearbeitet: Praktikant gestorben

21. August 2013, 08:13

21-jähriger Deutscher hatte während Praktikum bei Investmentbank nächtelang nicht geschlafen, die Umstände sind aber unklar

London – Der 21-jährige Praktikant Moritz E. ist vergangenen Donnerstag in London tot aufgefunden worden, nachdem er laut der britischen Tageszeitung “The Independent” nächtelang durchgearbeitet hatte. Der junge Mann arbeitete für eine Tochter der Bank of America, Merrill Lynch. Das US-Bankhaus bestätigte am Dienstag die Meldungen über seinen Tod, die Umstände sind aber noch unklar. Diverse Medien hindert das aber nicht daran, bereits von einem “Zu-Tode-Schuften” zu sprechen.

Der Deutsche habe gerade die sechste Woche seines siebenwöchigen Praktikums absolviert, sagte ein Sprecher der Bank of America. Angaben zu den Arbeitszeiten des Verstorbenen beziehungsweise der Praktikanten allgemein machte er nicht.

Drei Tage durchgearbeitet

Moritz E. habe vor seinem Tod “drei Tage hintereinander bis 6 Uhr früh durchgearbeitet”, berichtet der “Independent”. Die Leiche sei am Donnerstag von Mitbewohnern in der Dusche des Appartements gefunden worden. Die Zeitung zitierte die Aussage eines anderen Praktikanten, wonach der Deutsche “innerhalb von zwei Wochen acht Nächte nicht geschlafen hat”.

Die Londoner Finanzbranche ist ein beliebtes Ziel von Wirtschaftsstudenten, sie verspricht viel Geld und Prestige. Laut “Independent” soll der 21-Jährige im Monat 2.700 Pfund verdient haben (etwa 3.150 Euro). Ein Bewohner des Studentenheims, in dem der Deutsche wohnte, sagte der Zeitung: “Wir alle arbeiten lange. Aber im Investmentbanking arbeiten sie regelmäßig bis 3 oder 4 Uhr am Morgen.”

Ungesunder Erfolgsdruck

Auf der Online-Plattform seelio.com, auf der sich E. für künftige Arbeitgeber präsentierte, schrieb er laut Bericht der deutschen “Welt”: “Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die von mir Erfolg im Leben erwartete, in welcher Hinsicht auch immer.” Sein Profil ist mittlerweile nicht mehr abrufbar.

“Exzessives Arbeiten, vor allem zusätzliche Nachtschichten, sind ein Gesundheitsrisiko”, zitiert der “Independent” einen Londoner Kardiologen. Er bezieht sich auf eine Studie, wonach mit übermäßigem Arbeiten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle gegeben sei. Eine Obduktion von Moritz E. steht in den nächsten Tagen an. (APA/sat, derStandard.at, 21.8.2013)

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