Japans Regierung stuft hoch: Auslaufen von 300 Tonnen radioaktiven Wassers jetzt “ernster Zwischenfall” aber keine Anklagen gegen Verantwortliche! Bilder von der Lage in Fukushima!

Japan stuft Schweregrad von Fukushima-Leck hoch

28. August 2013, 05:33

Das Leck an der Atomruine wurde auf Gefahrenstufe 3 angehoben

Tokio/Fukushima – Japan hat nach einem radioaktivem Leck in der Atomruine Fukushima die Gefahrenstufe deutlich angehoben. Wie japanische Nachrichtenagenturen am Mittwoch meldeten, stufte die Atomaufsicht das Leck auf Stufe 3 der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (Ines) ein. Dies bedeutet, dass das Leck ein “ernster Zwischenfall” ist.

300 Tonnen verstrahltes Kühlwasser ausgelaufen

Bisher war das Leck mit der Stufe 1 (“Anomalität”) bewertet worden. Der Betreiber Tepco hatte erklärt, dass rund 300 Tonnen verstrahlten Kühlwassers aus einem Auffangtank ausgelaufen waren. Infolge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 war das AKW verwüstet worden. Dabei kam es zu Kernschmelzen. Seither wird unentwegt Wasser zur Kühlung in die Reaktoren gepumpt. (APA, 28.8.2013)

Fukushima: Warum nun doch niemand Schuld hat

Ansichtssache | 9. August 2013, 17:52

Lecke Leitungen, tonnenweise verstrahltes Wasser, eingebrannter hochradioaktiver Abfall, aber keine strafrechtliche Verfolgung der Offiziellen

Diese Woche gab die japanische Regierung bekannt, dass in Fukushima 300 Tonnen hochradioaktives Wasser täglich ins Meer gelangen. Allerdings soll das nur die Spitze des Eisbergs darstellen, wie Global 2000 erklärt: Die Brennstoff-Klumpen, die sich in den Betonboden der Reaktoren 1 bis 3 gebrannt haben, seien ein viel größeres Risiko.

Wie am Freitag bekannt wurde, dürfte die Atomkatastrophe weder für damalige Regierungsmitglieder noch für die Verantwortlichen des AKW-Betreibers Tepco strafrechtliche Konsequenzen haben. Ein Überblick über den status quo in Bildern.

foto: reuters/kyodo

Dieses Luftbild des Atomkraftwerks Fukushima Dai-chi stammt vom 9. August 2013. Es zeigt die Arbeiten zur Errichtung eines Betonwalls, um das Abfließen von radioaktivem Wassers ins Meer zu verhindern. Laut Angaben der japanischen Regierung dringen täglich 300.000 Liter davon in den Pazifik.

foto: reuters/toru hanai

Auf dieser Grafik ist der Grad der Verstrahlung vor der Küste des Kernkraftwerks zu sehen. Mithilfe eines unterirdischen gefrorenen Betonwalls soll der Austritt des Wassers verhindert werden. “Das japanische Wirtschaftsministerium versucht offenkundig, die Kontrolle über die Finanzierung einer gigantischen Kühlanlage rund um die Gebäude zu erlangen, die den Boden einfrieren und damit den Durchfluss des radioaktiven Wassers stoppen soll”, sagt Reinhard Uhrig, Atomexperte und politischer Geschäftsführer von Global 2000.

foto: epa/tepco

Die Umweltschutz-NGO habe schon 2011 vor dem Eindringen von Grundwasser gewarnt und auf die Erfahrung von Tschernobyl verwiesen. Dort seien “in bewährter sowjetischer Ingenieursleistung das Gebiet rund um das Atom-Wrack mit Stahlwänden bis zum Grundgestein zumindest provisorisch abgedichtet” worden, so Uhrig: “Japan versucht sich jetzt als Hochtechnologienation zu positionieren, die mit einem gigantischen, störanfälligen Kühlschrank dieses Problem erst verspätet angehen will.”

Im Bild: Eine Sperre, die AKW-Betreiber Tepco im Juli gegen das Austreten von radioaktivem Wasser errichtet hat.

foto: reuters/kyodo

15.000 Liter Wasser werden laut Global 2000 pro Stunde in die Reaktoren gepumpt, um die geschmolzenen Kerne und die vollen Abklingbecken zu kühlen. Insgesamt befinden sich rund 360 Millionen Liter radioaktives Wasser in verschiedenen Tanks und Kellern der Atomruine.

Im Bild: Kühltanks auf dem Gelände des AKW.

foto: ap photo/noboru hashimoto

Ein viel größeres Risiko aber würden die 210 Tonnen geschmolzener Brennelemente mit hochradioaktiven und extrem krebserregenden Spaltprodukt Plutonium mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren darstellen, erklärt Uhrig: “Noch nie wurden geschmolzene Brennelemente, das so genannte Corium, aus einer so hochradioaktiven Umgebung entfernt. Erfahrungen aus Tschernobyl mit dem tausende Kilo schweren Klumpen in Form eines ‘Elefantenfuß’ zeigen, dass Menschen in der Nähe innerhalb von Minuten eine tödliche Strahlendosis erhalten würden.”

Im Bild: Eines der zerstörten Reaktorgebäude auf einem Foto aus dem Juni 2013.

foto: reuters/kyodo

Wie die japanische News-Plattform “The Asahi Shimbun” berichtet, wird es voraussichtlich keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Atomkatastrophe geben. Demnach hätten die Ermittler nicht genügend Beweise für eine kriminale Verantwortung gefunden – weder gegen damalige Regierungsmitglieder noch gegen Tepco-Manager. Eine endgülitge Entscheidung wird noch im August erwartet.

Im Bild: Arbeiter bei der Errichtung von Schutzmaßnahmen gegen das austretende radioaktive Wasser.

foto: reuters/kyodo

Rund 15.000 Personen hatten Strafanzeigen gegen die Offiziellen eingereicht, u.a. gegen Ex-Premierminister Naoto Kan, den ehemaligen Kabinettschef Yukio Edano und den früheren Tepco-Vorsitzenden Tsunehisa Katsumata. Die Vorwürfe reichen von Fahrlässigkeit im Hinblick auf die Verletzungsgefahr durch radioaktive Strahlung bis zu “Verantwortung für Todesopfer bei der gezwungenen panischen Evakuierung” in der Region um das AKW, so “The Asahi Shimbun”.

Im Bild: Am 22. Juli dieses Jahres drang Rauch aus dem zerstörten Reaktor 3. Die Ursachen dafür sind bis heute ungeklärt.

foto: ap photo/kyodo news

Die Ermittler haben dem Medienbericht zufolge auch keine Beweise dafür gefunden, dass die Regierung bzw. Tepco einen Tsunami von dieser Größe und dessen Folgen vorhersehen konnten. Allerdings gibt es eine Tepco-Studie aus dem Jahr 2008, in der die Möglichkeit eines Riesen-Tsunamis von 15,7 Meter Höhe als möglich bezeichnet wurde. Die Flutwelle nach dem schweren Erdbeben im März 2011 erreichte 15,5 Meter.

Im Bild: Offizielle und Wissenschafter bei einer Inspektion des Geländes Anfang August.

foto: reuters/toru hanai

Für die Staatsanwaltschaft war Tepco zwar unzureichend auf einen großen Tsunami vorbereitet, allerdings sei es schwierig eine strafrechtliche Verantwortung daraus zu ziehen und einen Prozess zu eröffnen. Dem widerspricht ein früherer Bericht der  unabhängigen Untersuchungskommission NAICC (Nuclear Accident Independent Investigation Commission). Demzufolge sei Tepco verantwortlich für das “zutiefst menschengemachte Desaster, das man vorhersehen und verhindern hätte können und sollen”.

Im Bild: Ein Wissenschafter vom “Institute of Industrial Science Underwater Technology Research Center” der Universität Tokio deutet auf ein Video, das im Zuge einer Untersuchung Anfang August gemacht wurde.

foto: epa/tepco

Laut Daten der Agentur für Wiederaufbau vom Juli mussten noch immer 53.277 Menschen außerhalb der Präfektur Fukushima wohnen, weil aufgrund von Verstrahlung keine Rückkehr möglich ist.

Im Bild: Die Errichtung eines Untergrundwassertanks auf dem Gelände der Atomruine.

foto: epa/toshifumi kitamura

Für Reinhard Uhrig von Global 2000 sind die Konsequenzen, die aus der Atomkatastrophe von Fukushima und deren Folgen zu ziehen sind, klar: “Anstatt Milliarden in fragwürdige EU-Beihilfen für Atom-Neubauten zu stecken, muss die Staatengemeinschaft auf ein internationales Mandat für Fukushima drängen – Österreichs Vertretung bei der Internationalen Atomenergieagentur IAEA muss hier eine Allianz mit anderen Anti-Nuklearen Staaten erreichen.” (red/APA/Reuters, derStandard.at, 10.8.2013)

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