Linksstehender Rapper von Mitglied der “Goldenen Morgenröte” erstochen! Aktivisten: Pavlos Fryass wurde von 40 Neonazis mit Knüppeln angegriffen, weil er sich gegen Rechtsradikalismus in seinen Liedern engagiert!

Proteste nach Mord an linkem Musiker in Athen

18. September 2013, 14:54

Polizei durchsucht Hauptquartier der rechtsextremen “Goldenen Morgenröte” – Pavlos Fryssas wurde laut Aktivisten von 40 Neonazis angegrifffen

Athen/Brüssel – Die Ermordung eines linksgerichteten Aktivisten durch einen Rechtsextremisten in Athen verschärft die politischen Spannungen in Griechenland. Linke Organisationen kündigten Protestaktionen gegen die Rechtsradikalen an. Aus Protest gegen geplante Massenentlassungen sind unterdessen die griechischen Staatsbediensteten am Mittwoch in einen 48-stündigen Ausstand getreten. Der Generalstreik legte das Land teilweise lahm.

In der Nacht auf Mittwoch ist der linke Musiker Pavlos Fryssas niedergestochen worden. Der 34-jährige Antifaschist und Sympathisant der linken Gruppierung Antarsia sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, hieß es aus Polizeikreisen in der griechischen Hauptstadt. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach Angaben des Ministers für Öffentliche Sicherheit und Bürgerschutz, Nikos Dendias, um einen bekannten Rechtsextremisten.

Landesweite Proteste

Örtlichen Medien zufolge war der 34-jährige als “Killah P.”  bekannte Hip-Hopper gegen Mitternacht vor einem Lokal in einen Streit über Fußball geraten, der sich dann zu einer Auseinandersetzung über politische Themen entwickelte. Antarsia sprach von einem Racheakt aufgrund Fryssas’ “anti-faschistischen Engagements” und rief für den Nachmittag zu Protesten am Tatort und im ganzen Land auf. Nach Angaben der “Vereinten Front gegen Faschismus und rassistische Bedrohung” war der Musiker in einen Hinterhalt geraten und wurde zusammen mit anderen Gesinnungsgenossen von rund 40 schwarzgekleideten Neonazis mit Knüppeln angegriffen.

Täter geständig

Der mutmaßliche Täter, der bei seiner Festnahme ein Messer bei sich trug, bekannte sich zu der Tat und gab laut Polizei zu, Mitglied der Goldenen Morgenröte zu sein. Die rechtsextreme Partei stritt jede Verwicklung in die Tat ab, die “politisch instrumentalisiert” worden sei.

Die Regierung in Athen verurteilte den Mord und kündigte nicht näher erläuterte Maßnahmen an, damit sich derartige Übergriffe nicht wiederholten. “Ich rufe alle demokratischen Kräfte auf, zusammen zu entscheiden, dass der Staat und die Gesellschaft keine Taten mehr akzeptiert, die die Demokratie untergraben”, sagte der Justizminister bei einer Pressekonferenz in Athen. Die Regierung werde mit den demokratischen Parteien Wege suchen, wie die Goldene Morgenröte als verbrecherische Organisation verboten werden könne.

Mit Entsetzen reagierten auch die Parteien und die EU. “Es handelt sich um einen organisierten Versuch, die Demokratie zu destabilisieren”, sagte der Vertreter der Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken (SYRIZA), Dimitris Papadimoulis. “Die Goldene Morgenröte ist eine verbrecherische Vereinigung”, erklärte die zusammen mit den Konservativen regierende Sozialistische Partei (PASOK).

“Der offen fremdenfeindliche, neonazistische Hass der Goldenen Morgenröte macht auch vor dem Mord an politischen Rivalen nicht Halt”, erklärte der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Hannes Swoboda. “Das ist schockierend und in jeder Hinsicht inakzeptabel, umso mehr in einem EU-Staat.” Die Regierung in Athen müsse Konsequenzen bis hin zu einem Parteiverbot ergreifen.

“Morgenröte” auf Platz drei

Bei der griechischen Parlamentswahl im vergangenen Jahr hatten die Rechtsextremisten 18 Mandate errungen. Derzeit rangieren sie in Umfragen auf dem dritten Platz. Der Partei, gegen deren Abgeordnete zum Teil wegen gewalttätiger Übergriffe ermittelt wird, werden brutale Attacken gegen Ausländer angelastet.

Die Wut über den Mord an Fryssas vermengte sich am Mittwoch mit dem Protest gegen die rigide Sparpolitik der griechischen Regierung. Tausende Staatsbedienstete legten die Arbeit nieder und zogen in Athen und Thessaloniki auf die Straße, auch um ihre Solidarität mit dem Getöteten und Ablehnung der Rechten zu demonstrieren.

Generalstreik

Nachdem zuvor vor allem Lehrer, Krankenhausärzte und Anwälte gestreikt hatten, wurden durch den von Gewerkschaften initiierten Gesamtstreik aller Bediensteten im Öffentlichen Dienst schon am Vormittag Arbeiten in den Ämtern nicht mehr erledigt. Der Eisenbahnverkehr wurde – insbesondere auf der Strecke vom Athener Flughafen in die Innenstadt – auf ein Minimum reduziert. Auch Gerichte und zahlreiche Museen blieben geschlossen. Journalisten schlossen sich dem Streik ebenfalls für drei Stunden an.

Der Unmut der Staatsdiener richtet sich gegen Sparpläne der Regierung zum Abbau von Stellen im Öffentlichen Dienst, wozu sich das vom Bankrott bedrohte Griechenland im Gegenzug für internationale Milliarden-Hilfen verpflichtet hatte. Bis Ende 2014 sollen 15.000 Staatsbedienstete entlassen werden, davon 4.000 noch in diesem Jahr. Zudem sollen 25.000 Beamte in die sogenannte Mobilitätsreserve wechseln, wo sie entweder an anderen Arbeitsplätzen beschäftigt oder nach einem Jahr entlassen werden sollen. In der kommenden Woche werden Inspektoren der internationalen EU, Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen erwartet, um Fortschritte in versprochenen Reformen zu überprüfen. (red/APA, 18.9.2013)

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