Der Kampf im Einkaufszentrum in Nairobi geht noch weiter! Raus aus der militärischen Logik: Das Töten der Islamisten ist genauso brutal wie das seit drei Jahren anhaltende völkerrechtwidrige Töten Kenias in Somalia! Über dieses Kriegsleid schweigt die Welt bisher! Aber – wie man sieht – führt Gewalt zu Gegengewalt! Bevor sich das weiter hochschaukelt mit immer mehr unschuldigen Opfern, müssen wir raus aus dem Denken, dass ein militärischer Sieg her muss und brauchen wir eine friedliche Lösung!

Noch kein Ende: Erneut heftige Schießerei in kenianischem Einkaufszentrum

24. September 2013, 11:15
    • Panzer stehen vor dem Einkaufszentrum in Nairobi. Das Gebäude soll nun unter Kontrolle gebracht worden sein. Trotzdem sind noch Schusswechsel zu hören.vergrößern 500×316
      foto: reuters/thomas mukoya

      Panzer stehen vor dem Einkaufszentrum in Nairobi. Das Gebäude soll nun unter Kontrolle gebracht worden sein. Trotzdem sind noch Schusswechsel zu hören.

Ads not by this site
  • Pause für die Einsatzkräfte.
    foto: apa/epa/irungu

    Pause für die Einsatzkräfte.


  • Polizisten und Journalisten suchen Schutz hinter einem Auto.
    foto: reuters/stringer

    Polizisten und Journalisten suchen Schutz hinter einem Auto.

Laut Kenias Regierung sind auch US-Bürger unter den Attentätern

Nairobi – In dem von islamistischen Extremisten überfallenen Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi kommt es offenbar doch wieder zu Gefechten. Es gebe noch Gefechte mit “ein oder zwei” islamistischen Kämpfern, sagten mit dem Einsatz vertraute Sicherheitskräfte einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort. Die Angreifer hielten sich in einem oberen Stockwerk des weitläufigen Gebäudekomplexes in Kenias Hauptstadt auf. Sechs Angreifer sollen zuvor ums Leben gekommen sein, berichtet “Citizen TV”, ohne Quellen zu nennen. Al-Shabaab behauptet über Twitter hingegen: “Die Geiseln, die von den Mudschaheddin in Westgate festgenommen wurden, leben noch. Sie sehen recht verwirrt aus, aber dennoch leben sie”

Wenige Stunden nachdem die Regierung das Geiseldrama für beendet erklärt hatte, brach einem Reuters-Augenzeugen zufolge am Dienstag in dem Gebäudekomplex wieder eine heftige Schießerei aus. In den frühen Morgenstunden hatte das Innenministerium noch mitgeteilt, das Areal sei unter der vollen Kontrolle der Sicherheitskräfte. “Wir glauben, dass alle Geiseln befreit wurden”, hieß es.

Mitglieder der somalischen Al-Shabaab-Miliz hatten am Samstag das Einkaufszentrum gestürmt und seitdem mindestens 62 Menschen getötet. Über das Schicksal möglicher weiterer Geiseln war zunächst nichts bekannt. Die Extremisten hatten damit gedroht, weitere Menschen in ihrer Gewalt zu töten.

Regierung: US-Bürger und Briten an Angriff beteiligt

An dem blutigen Angriff waren kenianischen Regierungsangaben zufolge auch mehrere US-Bürger und eine Britin beteiligt. “Nach unseren Informationen waren zwei oder drei Amerikaner dabei und ich glaube, dass ich von einer Britin gehört habe”, sagte die kenianische Außenministerin Amina Mohamed am Montag (Ortszeit) im US-Sender PBS. Bei den US-Bürgern handle es sich um Männer im Alter von 18 oder 19 Jahren, sagte Mohamed. Sie stammten aus Somalia oder der arabischen Welt, hätten aber in den USA, unter anderem im Bundesstaat Minnesota, gelebt. Die Beteiligung von Bürgern der USA und Großbritanniens an dem Angriff zeige “die globale Natur dieses Krieges, den wir führen”, sagte Mohamed.

Livestream aus Nairobi

“Katz-und-Maus-Spiel”

Ein Mitglied der Einsatzkräfte berichtete von einem regelrechten “Katz-und-Maus-Spiel” mit den Angreifern. Laut Armeechef Julius Waweru Karangi setzten die Islamisten unter anderem Matratzen in Brand, um Verwirrung zu stiften. Bis zum Abend wurden demnach drei Mitglieder des Kommandos getötet und zehn weitere verletzt. Darüber hinaus wurden zehn Verdächtige festgenommen, wie das Innenministerium mitteilte, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Shabaab-Miliz droht mit weiteren Angriffen

Kämpfer der somalischen Shabaab-Miliz hatten das Einkaufszentrum Westgate in der kenianischen Hauptstadt am Samstag gestürmt, auf Menschen geschossen und sich mit Geiseln in dem Komplex verschanzt. Ein Sprecher der Miliz warnte im Internet, die Angreifer setzten ihre Geiseln als menschliche Schutzschilde ein. Die Gruppe drohte zudem mit weiteren Anschlägen, sollte Kenia an seinem Militäreinsatz gegen die Shabaab in Somalia festhalten.

Rotes Kreuz spricht von 62 Toten

Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden bis zum Montagnachmittag 62 Menschen getötet und bis zu 200 weitere verletzt. Es war unklar, wie viele Angreifer und Geiseln sich in dem Einkaufszentrum aufhielten. Rund 60 Menschen galten zwischenzeitlich noch als vermisst. Der Angriff löste international Entsetzen und Empörung aus.

Unter den Opfern waren auch mehrere Ausländer. Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond sagte am Montag, es seien “ziemlich sicher” sechs Briten getötet worden. Zuvor hatte es geheißen, es seien drei Briten und ein Mensch mit britischem und australischem Pass tot. Nun gebe es ein weiteres bestätigtes britisches Opfer, sagte Hammond. Die endgültige Bestätigung eines sechsten Opfers stehe noch aus.

Wegen der Ereignisse in Nairobi gestattete der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in den Haag dem kenianischen Vizepräsidenten William Ruto, für eine Woche nach Kenia zurückzukehren, um sich an den Bemühungen um eine Beilegung der Geiselkrise zu beteiligen. So lange werde der laufende Prozess gegen Ruto ausgesetzt. Dieser muss sich seit dem 10. September im Zusammenhang mit blutigen Ausschreitungen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2007 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag verantworten. (APA, 24.9.2013)

http://derstandard.at/1379291805555/Kenia-Drei-Terroristen-tot-Militaeraktion-geht-weiter

Islamistenterror setzt Kenia unter Schock

Analyse | Marc Engelhardt, 23. September 2013, 08:03

Die islamistische Shabaab-Miliz überfiel am Samstag ein Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi – Die Gruppe stellte damit erneut die Gefahr unter Beweis, die noch immer vom Konflikt in Somalia ausgeht

Nairobi/Genf – Nahashon Mwangi war bei der Arbeit, als sein Sohn ihn am Samstag vom Handy aus anrief. “Papa, sie haben mir in die Schulter und in die Hand geschossen, ich blute – komm bitte, hol mich hier raus.” Als Mwangi zurückruft, flüstert der Sohn ins Telefon: “Ruf nicht an – wenn die mich reden hören, bringen sie mich um.” Während Mwangi durch die Stadt eilt, passiert hinter den Mauern des schicksten Einkaufszentrums von Kenias Hauptstadt Nairobi der schlimmste Anschlag seit 15 Jahren. 1998 hatten Al-Kaida-Mitglieder die US-Botschaft in die Luft gejagt.

Diesmal sind es gut ein Dutzend Terroristen, deren Autos am Samstag vor dem Hauptportal halten. Maskierte springen heraus und teilen sich in zwei Gruppen auf. Augenzeugen sagen später, alles habe minutiös geplant ausgesehen. Vom Erdgeschoß und der dritten Etage aus eröffnen die Angreifer Minuten später das Feuer, schießen willkürlich auf Besucher und werfen Granaten in die fliehende Menge. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Samstagmittag ist die Mall zum Bersten gefüllt. Kinder vergnügen sich auf einer Hüpfburg, Jugendliche drängen sich an den Kinokassen, während Eltern im riesigen Nakumatt-Megamarkt den Einkauf erledigen und sich später bei einem Latte macchiato entspannen.

Vierundzwanzig Stunden später zieht der für innere Sicherheit zuständige Minister Joseph Ole Lenku eine erste Bilanz: Mindestens 59 Tote und mehr als 175 Verletzte gibt es – unter ihnen Mwangis Sohn, der nach fünf Stunden entkommen kann. Unter den Toten: enge Verwandte von Präsident Uhuru Kenyatta, ein prominenter ghanaischer Schriftsteller und viele weitere Ausländer.

Am Sonntag drangen kenianische Elitetruppen in das Gebäude ein und entdeckten weitere neun Leichen. Es kam zu einem Schusswechsel mit den Terroristen, die sich mit Geiseln weiter ins Innere des Komplexes zurückzogen. Angeblich hatte Kenia israelische Spezialeinheiten hinzugezogen, die in dem Land wegen der vielen Touristen aus Israel stationiert sind. Das Einkaufszentrum selbst ist in israelischem Besitz.

Rache für Einsatz in Somalia

Zu dem Anschlag bekannt hat sich die islamistische Shabaab aus dem Nachbarland Somalia. Von Rache für Kenias Militäroperation dort spricht deren Sprecher Ali Mohamoud Rage: “Kenia wird keinen Frieden haben, bevor das Militär aus Somalia abgezogen ist.”

Kenianische Soldaten kämpfen dort seit Ende 2011 gegen die Shabaab. Gemeinsam mit Milizen vertrieben sie die Islamisten aus Kismayo, Somalias zweitgrößter Stadt, über deren Hafen sich die Shabaab finanzierte. Das schadete der Shabaab womöglich mehr als die Vertreibung aus der Hauptstadt Mogadischu, die von über 18.000 Soldaten unter Mandat der Afrikanischen Union gesichert wird. Doch auch interne Machtkämpfe könnten die Shabaab zum Anschlag motiviert haben.

Mindestens vier Anschläge auf Ziele in Nairobi sollen zuletzt verhindert worden sein. Gelungen waren Attacken auf Kirchen im Osten Kenias, Moscheen und Armenviertel in Nairobi; dabei wurden nur wenige verletzt.

Unterschätzte Stärke

Ein großes Attentat aber gelang der Shabaab in Kenia nicht. Das Westgate-Einkaufszentrum galt – auch wegen seiner israelischen Eigentümer – als mögliches Terrorziel und war vergleichsweise gut gesichert. Dass die Terroristen es dennoch schafften, hier derart massiv vorzugehen, gilt auch als Beweis ihrer oft unterschätzten Stärke.  (Marc Engelhardt, DER STANDARD, 23.9.2013)

http://derstandard.at/1379291680140/Islamistenterror-setzt-Kenia-unter-Schock

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: