Trauer um die Opfer in Kenya: Aber wenn wir nicht auch um die Somalis trauern, die täglich – ohne Medienbericht – von kenyanischen Soldaten mit Unterstützung der USA und Frankreichs und der Afrikanischen Union getötet werden, wird die Gewalteskalation weitergehen! Warum gab es nur eine gewaltsame Lösung der Geißelnahme – ohne Rücksicht auf die Geiseln? Warum wurde nicht verhandelt und der die Freilassung der Geiseln gegen den Abzug der völkerrechtswidrig in Kenia operierenden Soldaten angeboten? Die Afrikaner sollten mit Unterstützung der Welt einen Ausweg aus der Gewaltspirale suchen!

Viele Fragen bleiben nach dem Terrorakt offen.
Viele Fragen bleiben nach dem Terrorakt offen. (Bild: Reuters)
Kenya trauert um die Opfer des Terrorangriffs in einem Einkaufscenter. In Medien wird kritisiert, dass die Täter das Massaker unbehelligt vorbereiten konnten.
Markus M. Haefliger, Nairobi

In Kenya hat am Mittwoch eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer des blutigen Terrorangriffs vom Samstag in der Hauptstadt Nairobi begonnen. Die Polizei riegelte den Tatort, das Einkaufszentrum Westgate, weiterhin weiträumig ab. Am Morgen hatten Spezialkräfte das teilweise zerstörte Gebäude nach Sprengladungen abgesucht, um diese allenfalls unschädlich zu machen. Am Nachmittag fuhren Sanitätsfahrzeuge vor, um die leiblichen Überreste von Opfern abzutransportieren.

Höhere Opferzahl erwartet

Die Zahl der Todesopfer blieb weiterhin unbekannt. Präsident Kenyatta hatte die Bevölkerung am Vorabend auf deutlich mehr Opfer vorbereitet als die bisher offiziell angegebenen 67 Toten, unter denen sich 6 Angehörige der Sicherheitskräfte befinden. Die Bergungsarbeiten könnten sich hinziehen, weil in einem Teil des Gebäudes dreiEtagen zusammengefallen sind – ob als Folge eines Grossbrands oder wegen Sprengungen am Gebäude, ist unklar.

Die radikalislamistische Shabab-Miliz, die die Verantwortung für den Angriff übernommen hat, behauptete am Mittwoch über Twitter, insgesamt seien 137 Geiseln getötet worden. Die Meldung, obwohl ein Machwerk der Propagandamaschinerie von ash-Shabab, ist leider plausibel. Es werden noch immer über 60 Personen vermisst. Offen ist auch, was mit den Angreifern geschehen ist. Kenyatta sprach von 5 getöteten und 11 festgenommenen Terroristen. Die Verhaftungen betrafen jedoch mutmassliche Helfershelfer, die am Wochenende ausserhalb des Tatorts festgenommen worden waren.

BILDSTRECKE

Am Montagnachmittag stieg dichter, schwarzer Rauch aus dem Gebäude auf. Kurz zuvor hatten Ohrenzeugen mehrere laute Explosionen gehört.
Am Montagnachmittag stieg dichter, schwarzer Rauch aus dem Gebäude auf. Kurz zuvor hatten Ohrenzeugen mehrere laute Explosionen gehört. (Bild: Keystone / EPA)

Laut Medienberichten gehen die Ermittler Hinweisen nach, die Terroristen hätten vor drei Monaten ein Ladenlokal im Einkaufszentrum angemietet. Sie hätten so das Gebäude observieren und Waffen und Material lagern können. Politiker und Experten stellen Fragen: Wer verursachte den Grossbrand und die Sprengungen einer tragenden Säule – die Spezialtruppen der Armee oder die Terroristen? Wie konnten diese ins Land kommen und ihr Verbrechen ungehindert vorbereiten?

Traumatisierte Kinder

Kinder stellen andere Fragen. In der Farasi Primary School, einer Staatsschule im Nordwesten der Hauptstadt, steht die Nationalfahne auf halbmast. Iris Malesi betet in ihrer 2. Klasse täglich und lässt die Knirpse das Herz ausschütten. Alle haben die Fernsehbilder vom Terrorangriff gesehen, die meisten kennen das Westgate, das an Wochenenden regelmässig Kinder-Happenings durchgeführt hatte – so auch letzten Samstag. Wer sind die Menschen, die Kinder in ihrem Alter töten? Wieso tun sie es und warum im Westgate? Kommen sie auch ins Schulhaus? Töten sie unsere Eltern, die in der Innenstadt arbeiten? Das seien die Fragen, die ihr gestellt worden seien, sagt Iris Malesi.

Die 6-jährige Caroline fängt plötzlich zu weinen an, ihre Nachbarin streicht ihr teilnahmsvoll über das gezöpfelte Haar. Caroline rückt jetzt erstmals mit der Nachricht heraus, eine Cousine, die im Westgate als Köchin gearbeitet habe, sei getötet worden. Auch andere Kinder verloren Familienangehörige; einige berichten von Angstträumen. Auf eine oft gestellte Frage weiss die Lehrerin keine Antwort: Wer sind die bösen Menschen, und kann «es» wieder passieren? «Wir diskutieren im Lehrerzimmer darüber, welche Antwort wir geben sollen», sagt Iris Malesi; «die Kinder sollen ja nicht noch mehr verwirrt werden.»

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/staatstrauer-und-viele-offene-fragen-in-kenya-1.18156697

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