Fluchtwege nach Europa: Gut 300.000 Menschen haben im vergangenen Jahr Asyl gesucht in der EU. Ein immer größerer Teil von ihnen versucht, auf dem gefährlichen Seeweg in die “Festung Europa” zu gelangen. Doch 80 Prozent der Flüchtlinge bleiben, teils jahrelang, in Nachbarstaaten, die selbst oft arm sind. Seit Anfang 2012 haben allein die Nachbarstaaten Syriens über einer Million Flüchtlingen die Tore geöffnet. In Deutschland haben dem gegenüber 2012 knapp über 6.000 syrische Flüchtlinge Asyl gesucht.

Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa

Hauptrouten der Flüchtlinge

Wege nach Europa

Gut 300.000 Menschen haben im vergangenen Jahr Asyl gesucht in der EU. Ein immer größerer Teil von ihnen versucht, auf dem gefährlichen Seeweg in die “Festung Europa” zu gelangen. Welchen Weg nehmen sie – und warum?

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Insgesamt suchten im Jahr 2012 knapp 300.000 Menschen Asyl in den 27 EU-Staaten. Das geht aus der Statistik des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen UNHCR hervor. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2011. Im Verhältnis zu den rund 500 Millionen Einwohnern entspricht dies jedoch gerade einmal 0,06 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Die meisten Asylsuchenden kamen aus Afghanistan, gefolgt von Syrien, Russland und Pakistan. In Deutschland bewarben sich 23 Prozent aller Flüchtlinge. Deutschland macht mit seinen 80 Millionen Einwohnern etwa 17 Prozent der gesamten EU-Bevölkerung aus.

 

 

Es gibt zusammengefasst vier große Routen, die die Flüchtlingsströme auf ihrem Weg in das südliche Europa nehmen: Von Westafrika auf die Kanaren, von Marokko auf das spanische Festland bzw. die Exklaven Ceuta und Melilla, von Libyen oder Tunesien nach Italien oder Malta und über den Landweg via Türkei und Griechenland.

Italien

Im vergangenen Jahr wagten nach Schätzungen von Pro Asyl etwa 22.000 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien. Meistens steuern sie die kleine Insel Lampedusa an. Sie ist etwa 140 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und damit einer der nächsten Punkte Europas. Die meisten der Flüchtlingsboote brechen jedoch vom viel weiter entfernten Libyen auf – weil die instabilen Verhältnisse dort von Schleuserbanden ausgenutzt werden. Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge kommt aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Eritrea und Somalia.

Karte

galerieAllein in Lampedusa landeten im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Flüchtlinge.

Wie viele Menschen bei diesen gefährlichen Überfahrten ums Leben kommen, ist schwer zu bestimmen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 500, andere dagegen von bis zu 2000 Toten im vergangenen Jahr aus. In jedem Fall dürfte das jüngste Unglück vor Lampedusa, als ein Boot mit bis zu 500 Menschen an Bord sank, das schlimmste in der europäischen Flüchtlingsgeschichte sein.

Auf Lampedusa gibt es ein Auffanglager für bis zu 1500 Menschen. Hier bekommen sie Verpflegung und einen Schlafplatz. Allerdings ist das Lager chronisch überfüllt, vor allem weil sich seit dem Beginn des Arabischen Frühlings die Zahlen der Migranten vervielfacht haben.

Auch in Sizilien landen jedes Jahr Tausende Flüchtlinge. Die Insel ist mit 145 km nur unwesentlich weiter entfernt als Lampedusa. Und auch Malta ist Ziel der Migranten. Die kleine Insel nimmt dabei im Verhältnis zu ihrer Gesamtbevölkerung die meisten Flüchtlinge auf: Auf 1000 Bewohner kommen laut UNHCR 21,7 Asylbewerber.

Die Kanaren

Die zu Spanien gehörenden Kanaren werden häufig von westafrikanischen Flüchtlingen angesteuert. Die Distanz von Marokko bzw. dem autonomen Gebiet Westsahara beträgt rund 120 Kilometer. Viele Boote brechen jedoch bereits vom weiter entfernten Senegal auf. Die Überfahrt gilt als die gefährlichste Route, da der Atlantik häufig unruhiger ist als das Mittelmeer.

Auf dieser Route versuchen überwiegend Bewohner des Maghrebs, also Marokkos oder Algeriens, sowie Westafrikaner, also etwa Menschen aus den Bürgerkriegsländern Mali, Liberia oder Elfenbeinküste, zu fliehen. Im Jahr 2007 kamen etwa 30.000 Menschen nach Fuerteventura. Die Zahlen sind jedoch stark rückläufig, seit die europäische Grenzagentur Frontex ihre Einsätze vor der Westküste Afrikas verstärkt hat. Dennoch versuchten auch im vergangenen Jahr mehrere hundert Menschen, auf diesem Weg in die EU zu gelangen.

Flüchtlinge aus Afrika

galerieMit veralteten Booten machen sich die Flüchtlinge auf den gefährlichen Seeweg zu den Kanaren.

Soldaten patrouillieren an der Grenzbefestigung in der spanischen Exklave Ceuta

galerieDie spanische Exklave Ceuta ist mit meterhohen Zäunen und Stacheldraht gesichert.

Spanien

Deutlich häufiger frequentiert ist die Straße von Gibraltar. 2012 kamen laut Frontex-Bericht mehr als 6000 Menschen über die Meerenge. Die Distanz beträgt hier nur etwa 30 Kilometer. Jedoch wird der Seeweg scharf von Frontex bewacht. Die Organisation, die 2005 eingerichtet wurde, verfügt über rund 300 Mitarbeiter sowie vielerlei technisches Gerät zur Erfassung von Flüchtlingen. Zudem haben Marokko und Tunesien ihre Kontrollen im Zuge eines Abkommens mit der EU deutlich verschärft.

Außerdem versuchen viele Flüchtlinge in die spanischen Exklaven Ceuta oder Melilla zu gelangen. Diese kleinen Städte liegen auf dem afrikanischen Kontinent, umschlossen von marokkanischen Staatsgebiet. Sie sind mit mehreren Metern hohen Mauern und Stacheldraht wie Festungen gesichert. Dennoch versuchen immer wieder Flüchtlinge, auf das kleine Stück spanisches Staatsgebiet zu gelangen.

Karte Melilla und Ceuta

galerieDie spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden liegen auf dem afrikanischen Kontinent, gehören jedoch offiziell zur EU.

Türkei/Griechenland

Die Türkei hat eine gemeinsame Grenze mit dem Irak und Syrien. Vor allem seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs versuchen dort viele Menschen dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen und über Griechenland in die EU zu gelangen. Doch hat Griechenland in den letzten Jahren seine Außengrenzen mit Zäunen und Gräben sowie Hunderten zusätzlicher Wachleute gesichert.

Laut Frontex versuchten 2012 auf diesem Weg gut 37.000 Menschen in die EU zu gelangen. Es ist damit die am meisten frequentierte Route der Migranten. Jedoch sind Migranten seit der Wirtschaftskrise dort zunehmend Repressalien ausgesetzt. Flüchtlinge berichten von Misshandlungen durch die Polizei sowiegezielten Hetzjagden Rechtsradikaler.

Die überwiegende Zahl der Asylsuchenden nimmt laut Frontex aber nicht eine dieser gefährlichen Routen. Die meisten von ihnen reisen legal mit dem Flugzeug ein – und tauchen hinterher einfach ab.

Karte

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http://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlingsrouten100.html

Weltweit

Marokkos größter Hafen: Teuere Abschreckung von Flüchtlingen – 700 versuchen es trotzdem pro Monat

Marokkos größter Hafen
Tanger Med ? so heisst der riesige Containerhafen nahe der Stadt Tanger in Marokko. Hier werden große Warenmengen umgeschlagen, auf dem Weg aus Asien oder Amerika in andere Mittelmeerstaaten.
Quelle: © hr, 16.06.2013

http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?key=standard_document_48741013&jmpage=1&type=a&rubrik=78487&jm=1&mediakey=podcast%2Fhr-info_weltweit%2Fhr-info_weltweit_20130615

Zahlen und Fakten 2012

 

Mehr Asylsuchende, gesunkene Anerkennungsquoten und irrationaleKatastrophenszenarien: Die deutsche Asylbilanz 2012 kann aus Sicht von PRO ASYL kaum zufriedenstellen. Besonders kritikwürdig waren die politisch motivierten Schnellverfahren bei Romaflüchtlingen aus Serbien und Mazedonien, aber auch viele inakzeptable Abschiebungen im Rahmen der Dublin-II-Verordnung.

Zahl der Asylsuchenden gestiegen

Im Jahr 2012 ist die Zahl der Asylsuchenden im Vergleich zum Vorjahr um über 40 Prozent auf 64.539 gestiegen. Das hört sich im ersten Moment nach viel an. Setzt man diese Zahl jedoch in Relation zu den Asylbewerberzahlen vergangener Jahre, relativiert sich dieser Eindruck: Seit Anfang der neunziger Jahre ist die Zahl stetig gesunken, bis auf einenTiefstwert von knapp über 19.000 Asylanträgen im Jahr 2007. In Relation zu niedrigen Werten fällt eine prozentuale Steigerung dann immer vergleichsweise hoch aus.

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80 Prozent der Flüchtlinge bleiben in Nachbarstaaten

Die Statistik des UN-Flücht­lingskommissariats (UNHCR) von Ende 2011 benennt die größten Flüchtlingsgruppen auf der Welt. Ihre Herkunftsländer kennzeichnen sich durch lang andauernde blutige Konflikte, Krieg und Terror. Doch 80 Prozent der Flüchtlinge bleiben, teils jahrelang, in Nachbarstaaten, die selbst oft arm sind. Seit Anfang 2012 haben allein die Nachbarstaaten Syriens über einer Million Flüchtlingen die Tore geöffnet. In Deutschland haben dem gegenüber 2012 knapp über 6.000 syrische Flüchtlinge Asylgesucht.

 

 

Qualität der Asylverfahren drastisch gesunken

Das Bundesamt hat 2012 über 60.000 Entscheidungen über Asylanträge getroffen. Die üblichen Qualitätsstandards wurden bei dergrößten Gruppe, den Balkanflüchtlingen, bewusst missachtet. Auf Betreiben des Bundesinnenministeriums führte das Bundesamt ab Herbst 2012 für Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien pauschale Ablehnungs-Schnellverfahren durch. Asylsuchende aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran oder Syrien mussten über ein Jahr auf die erste Entscheidung warten: insgesamt eine inakzeptable Situation. Schnellverfahren darf es nicht geben. Jeder Einzelfall muss sorgfältig, unvoreingenommen und völkerrechtskonform geprüft werden.

Weniger als 15 Prozent als Flüchtlinge anerkannt

Insgesamt wurden im Jahr 2012 vom BAMF 8.764 Personen (14,2 Prozent der Antragstellenden) als Flüchtlinge anerkannt. Bei weiteren 8.376 Personen (13,5 Prozent) wurden Abschiebungsverbote festgestellt, weil ihnen im Herkunftsland etwa die Todesstrafe, Folter oder Gefahr für Leib und Leben drohen. Diese Menschen sind quasi anerkannte Schutzbedürftige zweiter Klasse, auch wenn sich ihre rechtliche Situation durch die EU-Politik und Rechtsprechung schrittweise an die der GFK-Flüchtlinge annähert. Eine vollständige Anerkennung ist notwendig und gerechtfertigt.

 

 

Schutzquoten nach Herkunftsländern im europäischen Vergleich: Deutschland schneidet nicht immer gut ab

Die Unterschiede in der Anerkennungspraxis zwischen den Herkunftsländern sind enorm: Die Schutzquote variiert von, verordneten 0 Prozent Anerkennungen für serbische und mazedonische Asylsuchende über 39 Prozent für Afghanen, 54 Prozent für Iraner bis hin zu 96 Prozent für syrische Flüchtlinge. Sieht man sich die Hauptherkunftsländer wie Afghanistan oder Irak an, die langjährige Krisen- oder Kriegsgebiete sind, liegt der Schutzbedarf der Menschen auf derHand.

Im Vergleich mit anderen EU-Staaten schneidet Deutschland aber nicht immer gut ab: Die erstinstanzliche Schutzquote für Afghanen lag anderswo deutlich höher: in Italien bei 76 Prozent, in Schweden bei über 60 Prozent, in Belgien ebenfalls bei fast 60 Prozent, in Frankreich bei 50 Prozent und in Spanien (bei sehr geringer Antragszahl) sogar bei 88 Prozent.

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Schutzstatus für Syrienflüchtlinge hob die Quote

Insgesamt erhielten fast 28 Prozent aller Asylsuchenden in der ersten Instanz einen Schutzstatus, Tendenz steigend, vor allem wegen der Syrien-Quote (2011: 22 Prozent). Diese Schutzquote ist aber nur ein Teil der Wahrheit: Denn zum einen wurden 2012 rund 23 Prozent der Asylanträge gar nicht inhaltlich geprüft. Dies betrifft vor allem „Dublin-Fälle“, in denen man einen anderen EU-Staat für zuständig erklärt. Rechnet man sie heraus, kommt man bereits auf eine Schutzquote von 36 Prozent.

Zum anderen werden die erstinstanzlichen Entscheidungen des Bundesamts häufig im anschließenden Klageverfahren korrigiert: so erhielten 38 Prozent der zuvor abgelehnten afghanischen Klägerinnen und Kläger doch noch einen Schutzstatus. Eine ähnlich hohe Quote gibt es bei iranischen Asylsuchenden mit 37 Prozent, aber auch bei pakistanischen (23 Prozent) oder irakischen Asylsuchenden (14 Prozent) werden die Bewertungen des Bundesamtes häufig in Frage gestellt.

Hauptbetroffene der Dublin-Abschiebungen: Flüchtlinge aus Afghanistan

In 11.469 Fällen (18 Prozent der Asylanträge) hat die Bundesrepublik Übernahmeersuchen nach der Dublin II-Verordnung gestellt, also andere EU-Staaten zuständigkeitshalber um die Übernahme der Betroffenen gebeten. Obwohl die Bundesrepublik aufgrund der weiterhin katastrophalen Situation für Flüchtlinge in Griechenland nicht dorthin abschiebt und die betreffenden Asylverfahren selbst durchführt, ist der Anteil der Dublinfälle nur leicht gesunken (2011: 20 Prozent).

In absoluten Zahlen ist die Zahl der Dublin-Fälle sogar um rund 2.400 gestiegen. Unter dem Strich begünstigt das unfaire Dublin-System die Flüchtlingsabwehrpolitik der Bundesrepublik: In über 3.000 Fällen fand eine Überstellung ins EU-Ausland statt, während Deutschland mit rund 1.500 Flüchtlingen nur knapp halb so viele über das Dublin-System aufnahm.

Mehr als jede fünfte Dublin-Überstellung nach Italien

Mehr als jede fünfte Überstellung  ging nach Italien, eines der aufgrund seiner schlechten Aufnahmebedingungen am stärksten kritisierten Länder. Flüchtlingen droht dort Recht- und Obdachlosigkeit, weswegen die Verwaltungsgerichte Abschiebungen dorthin,  aber auch nach Ungarn, Malta und Bulgarien in einer Vielzahl von Fällen gestoppt haben. Problematisch sind aber auch die zahlreichen Überstellungen von Irakflüchtlingen nach Schweden, das im Unterschied zu Deutschland abgelehnte Asylsuchende in den Zentralirak abschiebt.

Rund 1.100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge  

Die Zahl der unbegleiteten Kinderflüchtlinge ging geringfügig zurück auf 598 Kinder unter 16 Jahren und weitere 1.498 unbegleitete 16- und 17-Jährige. Insgesamt machen unbegleitete Minderjährige rund 3,3 Prozent der Asylsuchenden aus, wobei die Behörden bundesweit Flüchtlingskinder oft älter machen als sie selbst angeben. Nahezu die Hälfte aller behördlich erfassten unbegleiteten Minderjährigen kamen aus Afghanistan (1.003), weit dahinter folgten Kinderflüchtlinge aus dem Irak (152), Syrien (133) und Somalia (127).

Die Schutzquote bei den unbegleiteten Minderjährigen lag bei 41 Prozent. Mit einer Schutzquote von 39 Prozent hatten afghanische Minderjährige trotz der katastrophalen Sicherheitslage in Afghanistan sogar nur unterdurchschnittliche Chancen, Schutz zu erhalten. Auch irakische Minderjährige hatten mit einer Schutzquote von gerade mal 21 Prozent vergleichsweise geringe Anerkennungschancen.

Kinderflüchtlinge Opfer von perfider Behördenstrategie

Augenscheinlich kommt hier eine abgründige Strategie des Bundesamts zum Tragen. Die Abschiebung eines Kindes ist grundsätzlich möglich, gesetzlich ist allerdings festgelegt, dass sich Behörden vorher zu vergewissern haben, dass es einem Familienmitglied oder einem Kinderheim übergeben wird. Das Bundesamt macht sich diese Regelung zunutze und lehnt Minderjährige, die keine Eltern mehr haben oder deren Eltern nicht auffindbar sind, mit Verweis darauf ab, dass sie ja ohnehin nicht abgeschoben werden dürften. Im Ergebnis bedeutet diese Strategie, dass die Minderjährigen bleiben, aber statt eines Schutzstatus nur eine Duldung erhalten, was im Hinblick auf Schulbesuch Integrationsmöglichkeiten verbaut.

Abschiebungen, Zurückschiebung, Zurückweisung: Insgesamt 16.000 Mal hieß es “Raus!”  

Im Jahr 2012 wurden 7.651 Personen aus Deutschland abgeschoben (2011: 7.917). Ein Großteil dieser Abschiebungen werden nicht in Folge abgelehnter Asylverfahren durchgeführt, sondern betreffen Menschen, deren Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist oder entzogen wurde oder die aufgrund von Straftaten ausgewiesen wurden. Besonders betroffen mit rund 1.500 Abschiebungen waren serbische Staatsangehörige, unter ihnen vorwiegend Angehörige der Roma-Minderheit. Gleiches gilt für Abschiebungen in den Kosovo (546) und Mazedonien (510). Diese Zahlen sind Ergebnis der Schnellverfahren und der Abschreckungspolitik gegenüber Flüchtlingen aus der Region West-Balkan. Ein Großteil der Abgeschobenen dürfte so in massive Diskriminierung und Ausgrenzung zurückverfrachtet worden sein.

Tausende Zurückschiebungen entlang der Grenzen

Zu den Abschiebungen kommen 4.417 Zurückschiebungen, also Abschiebungen im Zusammenhang mit Aufgriffen in der 30 km-Grenzregion, sowie 3.829 Zurückweisungen an der Grenze selbst. Damit liegt die Gesamtzahl der Ab- und Zurückschiebungen und der Zurückweisungen bei knapp 16.000.

Weiter im Trend: gemeinsame Sammelabschiebungen. Die Zahl der über nationalstaatliche Grenzen hinaus koordinierten Abschiebungen – über die EU-Agentur Frontex oder mehrerer EU-Staaten gemeinsam – hat sich nahezu verdoppelt. Im Rahmen solcher Abschiebungen wurden 645 Personen außer Landes gebracht, 644 unter Beteiligung von Frontex, zusammen 1.289 Personen.

Zahl der Geduldeten konstant hoch bei mehr als 85.000 

Die Zahl der Geduldeten in Deutschland ist mit mehr als 85.000 konstant hoch. Rund 36.000 von ihnen leben seit über sechs Jahren im Bundesgebiet. Dazu kommen noch über 33.000 als ausreisepflichtig Registrierte ohne Duldung. Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es bei diesen Zahlen kaum Bewegung: Die Zahl der Geduldeten ist zwar geringfügig gesunken, die Zahl der Ausreisepflichtigen ohne Duldung hingegen in etwa im gleichen Umfang gestiegen.

Fast 30.000 geduldete Kinder und junge Erwachsene

Eine stichtagsungebundene Bleiberechtsregelung ohne restriktive Ausschlussgründe wie bei den Regelungen der letzten Jahre ist also weiter dringend erforderlich. Dies belegt vor allem auch die Zahl der Minderjährigen unter den Geduldeten: Mehr als jeder vierte Geduldete, insgesamt mehr als 22.000, sind minderjährig. Zählt man noch die 18- bis 20-Jährigen hinzu, leben fast 28.000 Kinder und junge Erwachsene mit einer Duldung in Deutschland.  Von der Altfallregelung für gut integrierte Kinder und Jugendliche – in Kraft seit Juli 2011 – haben bislang nur weniger als 2.000 Jugendliche profitiert.

http://www.proasyl.de/de/themen/zahlen-und-fakten/

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