Bürgermeisterin Lampedusas “Unmenschliche” Gesetze Italiens und Europas verhinderten Rettung der Flüchtlinge! Es seien schon drei Fischerboote vorbeigefahren, die sie nicht gesehen hätten oder zumindest so getan hätten. “Ich muss daran erinnern, dass die Gesetzgebung der letzten Jahre, dazu geführt hat, dass auch Reeder oder Fischer vor Gericht gekommen sind, die Menschenleben gerettet haben – wegen Beihilfe.” Und ein furchtbarer Verdacht steht im Raum. Den Flüchtlingen hätte schneller geholfen werden können. Das zumindest sagt Lampedusas Bürgermeisterin Giusi Nicolini: “Sie haben um vier Uhr morgens angefangen, um Hilfe zu rufen. Sie hatten keine Handys und haben Feuer angemacht, um auf sich aufmerksam zu machen.” Papst Franziskus: “Dass Kinder vor Hunger sterben, das interessiert nicht. Dass Menschen vor der Versklavung und Hunger fliehen müssen – auf der Suche nach Freiheit. Mit Schmerz sehen wir dann, dass sie den Tod finden, so wie gestern auf Lampedusa.”

Gerettete Flüchtlinge am 03.10.2013 auf Lampedusa

Nach dem Bootsunglück vor Lampedusa

Keine Hilfe aus Angst vor Strafe?

Den Flüchtlingen hätte schneller geholfen werden können, sagt die Bürgermeisterin von Lampedusa. Doch die “unmenschlichen” Gesetze Italiens und Europas hätten dies verhindert. Politiker diskutieren nun über eine Reform der Asylgesetze.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Wie kann es sein, dass unmittelbar vor der Italiens Küste ein Schiff in Flammen aufgeht und mehrere Hundert Menschen sterben? Diese Frage beschäftigt Italien am Tag nach dem Unglück von Lampedusa. Und ein furchtbarer Verdacht steht im Raum. Den Flüchtlingen hätte schneller geholfen werden können. Das zumindest sagt Lampedusas Bürgermeisterin Giusi Nicolini: “Sie haben um vier Uhr morgens angefangen, um Hilfe zu rufen. Sie hatten keine Handys und haben Feuer angemacht, um auf sich aufmerksam zu machen.”

Giusa Nicolini, Bürgermeisterin von Lampedusa

galerieGiusa Nicolini, Bürgermeisterin von Lampedusa

Es seien schon drei Fischerboote vorbeigefahren, die sie nicht gesehen hätten oder zumindest so getan hätten. “Ich muss daran erinnern, dass die Gesetzgebung der letzten Jahre, dazu geführt hat, dass auch Reeder oder Fischer vor Gericht gekommen sind, die Menschenleben gerettet haben – wegen Beihilfe. Wir haben unmenschliche Gesetze”, sagt Bürgermeisterin Nicolini.

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Flüchtlingsdrama vor Lampedusa

Flüchtlingskatastrohpe Lampedusa

Flüchtlingsdrama vor der italienischen Insel Lampedusa: Ein Schiff, das mit bis zu 500 Flüchtlingen an Bord von Libyen kam, kenterte nur wenige Hundert Meter vor der Küste. Über hundert Leichen wurden bereits gefunden. Die Küstenwache geht davon aus, das es noch Hunderte von Toten im Meer gibt. (Foto: REUTERS)

Sichere Einreise gefordert

In Italien gibt es den Straftatbestand der Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte die Politik gestern auf, die Gesetze, die eine menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen verhinderten, schnell zu ändern. Integrationsministerin Cecile Kyenge schloss sich der Forderung von Hilfsorganisationen und Flüchtlingsverbänden an.

Wrack des vor Lampedusa gesunkenen Bootes

galerieMehrere Taucher drangen bereits zu dem Wrack vor.

Europa müsse Flüchtlingen die sichere Einreise ermöglichen. “Wir fordern mit Nachdruck ein gemeinsames Handeln – auch gemeinsam mit der EU. Wir brauchen humanitäre Korridore, die die Fahrten sicherer machen. Kriminelle Organisationen machen Geld mit der Not von Männern, Frauen und Kindern”, sagt Kyenge.

Nach Flüchtlingsdrama wird Kritik an EU-Asylpolitik lauter
tagesthemen 21:45 Uhr, 04.10.2013, Peter Dalheimer, ARD Rom

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Innenminister setzt auf Abschottung

Kabinettskollege Innenminister Angelino Alfano setzt dagegen auf effiziente Abschottung. Italien werde von der EU bei der Sicherung der EU-Außengrenzen allein gelassen, sagte der Minister auf Lampedusa. “Europa muss einen Plan zum Thema Immigration haben, nicht nur in Notsituationen. Es muss seine eigenen Grenzen beschützen. Die Grenze, dieses Meer, das wir hier in Lampedusa sehen, ist keine italienische Grenze, das ist die europäische Grenze. Es ist zu hoffen, dass Europa mehr Effizienz beweist”, sagt Alfano.

Italien diskutiert Konsequenzen aus Lampedusa
T. Kleinjung, ARD Rom
04.10.2013 14:14 Uhr

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Papst prangert Gleichgültigkeit an

Aus Assisi meldet sich Papst Franziskus zu Wort. Bei einem Treffen mit Armen und Bedürftigen sagt er: “Heute ist ein Tag der Tränen”. Wie schon bei seinem Besuch im Juli auf Lampedusa beklagt der Papst die Gleichgültigkeit der Welt angesichts des Flüchtlingselends. “Dass Kinder vor Hunger sterben, das interessiert nicht. Dass Menschen vor der Versklavung und Hunger fliehen müssen – auf der Suche nach Freiheit. Mit Schmerz sehen wir dann, dass sie den Tod finden, so wie gestern auf Lampedusa”, sagt Franziskus.

Auf Lampedusa wurde heute noch einmal das ganze Ausmaß des Schmerzes offensichtlich. 120 Särge wurden mit einer Fähre auf die Insel transportiert. Sie sind bestimmt für die Opfer des gestrigen Schiffbruchs, die zur Zeit im Hangar des Flughafens aufgebahrt sind. Die Suche nach weiteren Vermissten konnte aufgrund der ungünstigen Witterung nicht fortgesetzt werden.

http://www.tagesschau.de/ausland/lampedusa484.html

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