Archive

Alliance for a total disarmenent of atomic weapons

Mit der Präsentation atomarer Kurzstreckenraketen auf dem Roten Platz demonstriert die Sowjetunion 1985 ihre Macht.

Mit der Präsentation atomarer Kurzstreckenraketen auf dem Roten Platz demonstriert die Sowjetunion 1985 ihre Macht. (Bild: Keystone / AP)
Abgesehen von der Kubakrise 1962 gab es im Kalten Krieg wahrscheinlich keinen so gefährlichen Zeitpunkt wie im Herbst 1983. Die Courage und der gesunde Menschenverstand eines Einzelnen verhinderten damals einen versehentlichen Atomkrieg.
Ronald D. Gerste, Washington

Die Welt vor dreissig Jahren war ein gefährlicher Ort geworden, die Spannungen zwischen den Blöcken schienen nur eines einzigen Zwischenfalls, eines Missverständnisses zu bedürfen, um Armageddon auszulösen. Am 1. September 1983 schoss die sowjetische Luftwaffe einen Jumbo-Jet der südkoreanischen Fluggesellschaft KAL ab, weil das Passagierflugzeug den Luftraum der kommunistischen Supermacht verletzt hatte – eine einmalig brutale Umsetzung von Souveränitätsrechten, die 269 Personen das Leben kostete.

Tiefes gegenseitiges Misstrauen

Der amerikanische Präsident Ronald Reagan hatte bereits im Frühling deutlich gemacht, was er von dem weltpolitischen Rivalen hielt, als er die Sowjetunion ein «evil empire», ein Reich des Bösen, nannte. Während der Ausdruck von Linken und Friedensbewegten in Westeuropa verdammt wurde, begrüssten ihn nicht wenige Untertanen dieses Reiches, in Ungarn, im Baltikum und andernorts, klammheimlich als Zeichen, dass endlich ein westlicher Staatsmann den Mut hatte, Dinge beim Namen zu nennen. In Westeuropa tobte die Debatte über die Nachrüstung, in der Sowjetführung herrschte Entsetzen über Reagans Strategic Defense Initiative, die darauf abzielte, eine Abwehr gegen einfliegende strategische Langstreckenraketen – die gefährlichste Waffe der Sowjetunion – zu entwickeln.

In dieser Atmosphäre tiefen Misstrauens zwischen den Supermächten trat Oberstleutnant Stanislaw Petrow in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1983 seinen Dienst in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung, Serpuchowo-15, etwa hundert Kilometer südlich von Moskau an. Der 44-jährige Offizier konnte nicht ahnen, dass er in den nächsten Stunden eine Rolle spielen würde, die ihm später den Beinamen «der Mann, der die Welt rettete» eintrug. Kurz vor Mitternacht schrillten im Kommandoraum die Sirenen, und auf dem übergrossen zentralen Kontrollschirm leuchtete in kyrillischen Buchstaben das Wort «Alarm» auf. Der Aufklärungssatellit Kosmos 1382 hatte über den USA, wo es später Nachmittag war, einen Lichtblitz wahrgenommen und die Information weitergegeben: Start einer Minuteman-Rakete, Kurs: Sowjetunion. Petrow behielt die Ruhe und mahnte seine Untergebenen, sich nicht irritieren zu lassen.

Stanislaw Petrow wurde im Februar 2013 mit dem Dresden-Preis ausgezeichnet.
Stanislaw Petrow wurde im Februar 2013 mit dem Dresden-Preis ausgezeichnet.(Keystone / EPA)

 

Gemäss der im Kalten Krieg herrschenden Logik würde ein Nuklearkrieg zwischen den Supermächten mit einem massiven Erstschlag beginnen, mit dem Start von vermutlich Hunderten von Interkontinentalraketen aus Silos, wie sie die USA vor allem im Mittleren Westen hatten, sowie von Unterseebooten aus. Ein solcher Erstschlag hätte das theoretische Ziel gehabt, den Gegner nuklear zu «enthaupten», doch wussten Strategen im Pentagon wie im Kreml, dass die rund 25 Minuten vom Start bis zum Einschlag nach der Lehre von MAD («mutual assured destruction») gerade ausreichen würden, die eigenen Raketen zur Vernichtung des Angreifers auf ihre Reise über den Nordpol zu schicken. Eine Rakete allein, das war Petrow bewusst, war kein cleverer Ansatz zu einem nuklearen Showdown.

Petrows Logik und Zuversicht wurden wenige Minuten später auf eine entsetzliche Probe gestellt. Denn Kosmos 1382 gab abermals Alarm: Vier weitere Raketen sah der Satellit als gestartet und auf dem Weg in Richtung Sowjetunion an. Fünf Minutemen mit jeweils zehn Sprengköpfen – es war das Mehrhundertfache der Vernichtungskraft der Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Die rund 200 Offiziere unter Petrows Kommando gingen eine Serie von fast dreissig Überprüfungsmassnahmen durch, um einen Irrtum auszuschliessen, doch die Zeit wurde knapp. Man bedrängte Petrow, der militärischen und der politischen Führung umgehend Meldung zu machen; für eine Entscheidung über den sowjetischen Gegenschlag standen kaum noch 15 Minuten zur Verfügung. Petrow mag sich in diesen chaotischen Minuten verdeutlicht haben, wen er mit seiner Alarmmeldung zum Handeln drängen würde: den Parteichef Juri Andropow, einen schwer nierenkranken, an Diabetes leidenden 70-Jährigen, der wie weite Teile der Sowjetführung angesichts der verhärteten amerikanischen Haltung die Grenzen zur Paranoia zumindest zeitweise tangierte.

Petrow traf nach rund fünf Minuten des Überlegens, des Argumentierens mit seinen Kollegen, auch des gegenseitigen Anschreiens, seine Entscheidung, über die er später sagte: «Ich hatte ein komisches Gefühl in der Magengegend.» Er entschied, die Führung nicht zu alarmieren. Er erfuhr bald, wie recht er hatte. Die Schirme der Radarstationen auf sowjetischem Territorium, die einfliegende Raketen melden würden, blieben frei von leuchtenden Symbolen. In den fernen Raketensilos in Montana und North Dakota leisteten die amerikanischen Offiziere ihren Routinedienst, niemand drehte dort die Schlüssel in der Zündkonsole um. Was Kosmos 1382 gesehen hatte – dies fand man bald heraus –, waren Reflexionen des Sonnenlichtes in Wolkenschichten hoch in der Atmosphäre über den USA.

Weder belohnt noch bestraft

Stanislaw Petrow verliess im Jahr darauf aus privaten Gründen das Militär. Eine Kommission fand heraus, dass er sich korrekt verhalten hatte; er wurde, wie er später sagte, weder bestraft noch belohnt. Erst viele Jahre später, nach Ende des Kalten Krieges, wurde die Episode im Westen bekannt. Wie paranoid die Sowjetführung in jenen Tagen war, zeigten Enthüllungen über Andropows Sorge, die Nato-Stabsübung «Able Archer» im November könnte ein Vorwand zu einem allumfassenden Nuklearangriff sein. Eine Alarmmeldung von Oberstleutnant Petrow hätte in dieser Stimmungslage dem sprichwörtlichen Streichholz am Benzinkanister entsprochen.

Petrow, der ein bescheidenes Rentnerdasein führt, wurde 2006 in New York mit dem World Citizen Award ausgezeichnet; ein bei diesem Anlass entstandenes Interview mit dem berühmten amerikanischen Fernsehjournalisten Walter Cronkite wurde Teil des Dokumentarfilms «The Man Who Saved the World». Im Februar wurde Petrow zudem der mit 25 000 Euro dotierte Dresden-Preis verliehen.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/haarscharf-an-einem-atomkrieg-vorbei-1.18156078

Advertisements
OP-ED CONTRIBUTORS

<nyt_headline version=”1.0″ type=” “>Let’s Be Honest About Israel’s Nukes

Gorka Sampedro

<nyt_byline>

By VICTOR GILINSKY and HENRY D. SOKOLSKI
Published: September 18, 2013
  • FACEBOOK
  • TWITTER
  • GOOGLE+
  • SAVE
  • E-MAIL
  • SHARE
  • PRINT
  • REPRINTS
<nyt_text><nyt_correction_top>

THE recent agreement between the United States and Russia on Syria’s chemical weapons made clear what should have been obvious long ago: President Obama’s effort to uphold international norms against weapons of mass destruction in the Middle East will entangle the United States in a diplomatic and strategic maze that is about much more than Syria’s chemical arsenal.

President Bashar al-Assad of Syria insists that the purpose of his chemical arsenal was always to deter Israel’s nuclear weapons. If Syria actually disarms, what about Egypt and Israel? Egypt (about whose chemical weapons the United States has been strangely silent) points to Israel. And Israel of course has its own chemical weapons to deter Syria’s and Egypt’s, and it is not about to give them up. A headline in the Israeli daily Haaretz a few days ago stated: “Israel adamant it won’t ratify chemical arms treaty before hostile neighbors.”

These three countries have not adhered to the Biological Weapons Convention either. And Israel is not a member of the Nuclear Nonproliferation Treaty, despite having developed a formidable nuclear arsenal of its own, which will soon become the central fact in this drama, whether the United States likes it or not.

An obstacle of America’s own making has long prevented comprehensive negotiations over weapons of mass destruction in the Middle East. While the world endlessly discusses Iran’s nuclear capabilities and the likelihood that it will succeed in developing an atomic arsenal, hardly anyone in the United States ever mentions Israel’s nuclear weapons.

Mr. Obama, like his predecessors, pretends that he doesn’t know anything about them. This taboo impedes discussions within Washington and internationally. It has kept America from pressing Egypt and Syria to ratify the chemical and biological weapons conventions. Doing so would have brought immediate objections about American acceptance of Israel’s nuclear weapons.

What sustains this pretense is the myth that America is locked into covering up Israeli nuclear bombs because of a 1969 agreement between President Richard M. Nixon and Israel’s prime minister, Golda Meir. For Mr. Nixon, it was mainly about gaining Israeli support in the cold war. He and Mrs. Meir understood the need to discourage the Soviets from providing their Arab allies with nuclear weapons. A declared Israeli nuclear arsenal would have led to pressure for Moscow to do so. But such cold war reasons for America to stay mum evaporated decades ago. Everyone knows the Israelis have nuclear bombs. Today, the main effect of the ambiguity is to prevent serious regional arms-control negotiations.

All other countries in the region are members of the nonproliferation treaty, but there are still unresolved issues. Syria was caught building an illicit nuclear reactor in 2007, which Israel swiftly bombed. Mr. Assad still has not allowed international inspectors to fully investigate that obliterated reactor site. And Syria’s ally Iran is suspected of trying to assemble its own weapons program to challenge Israel’s nuclear monopoly. Indeed, many analysts believed that Mr. Obama’s decision to issue a “red line” barring the use of chemical weapons in Syria was in fact driven by the perceived need to demonstrate that he was prepared to use force against Iran if it moved further toward nuclear weapons.

This witches’ brew was supposed to become the subject of an international conference, mandated in 2010 by the unanimous vote of the members of the nonproliferation treaty, including the United States. But that conference hasn’t happened, in part because of White House ambivalence about how it might affect Israel.

In April, the American assistant secretary of state for international security and nonproliferation, Thomas M. Countryman, expressed hope that the conference would be held by this fall. And earlier this month, Russia’s foreign minister, Sergey V. Lavrov, urged all parties to set a conference date “as quickly as possible.” He also argued that it should include Israel and Iran. Russia attempted to include the conference in last week’s agreement, but Secretary of State John Kerry resisted. It is not going to go away.

If Washington wants negotiations over weapons of mass destruction in the Middle East to work — or even just to avoid making America appear ridiculous — Mr. Obama should begin by being candid. He cannot expect the countries participating in a conference to take America seriously if the White House continues to pretend that we don’t know whether Israel has nuclear weapons, or for that matter whether Egypt and Israel have chemical or biological ones.

And if Israel’s policy on the subject is so frozen that it is unable to come clean, Mr. Obama must let the United States government be honest about Israel’s arsenal and act on those facts, for both America’s good and Israel’s.

<nyt_author_id>

Victor Gilinsky, a former member of the Nuclear Regulatory Commission, is an energy consultant. Henry D. Sokolski, a former deputy for nonproliferation policy in the defense department, is executive director of the Nonproliferation Policy Education Center.

http://www.nytimes.com/2013/09/19/opinion/global/lets-be-honest-about-israels-nukes.html?WT.mc_id=AD-D-E-OTB-GLOBOP-0913-WT.mc_ev=click&WT.mc_c=__CAMP_UID__&_r=0

US nearly detonated atomic bomb over North Carolina – secret document

Exclusive: Journalist uses Freedom of Information Act to disclose 1961 accident in which one switch averted catastrophe

Mushroom Cloud

The bomb that nearly exploded over North Carolina was 260 times more powerful than the device which devasted Hiroshima in 1945. Photo: Three Lions/Getty Images

A secret document, published in declassified form for the first time by the Guardian today, reveals that the US Air Force came dramatically close to detonating an atom bomb over North Carolina that would have been 260 times more powerful than the device that devastated Hiroshima.

The document, obtained by the investigative journalist Eric Schlosser under the Freedom of Information Act, gives the first conclusive evidence that the US was narrowly spared a disaster of monumental proportions when two Mark 39 hydrogen bombs were accidentally dropped over Goldsboro, North Carolina on 23 January 1961. The bombs fell to earth after a B-52 bomber broke up in mid-air, and one of the devices behaved precisely as a nuclear weapon was designed to behave in warfare: its parachute opened, its trigger mechanisms engaged, and only one low-voltage switch prevented untold carnage.

Each bomb carried a payload of 4 megatons – the equivalent of 4 million tons of TNT explosive. Had the device detonated, lethal fallout could have been deposited over Washington, Baltimore, Philadelphia and as far north as New York city – putting millions of lives at risk.

Though there has been persistent speculation about how narrow the Goldsboro escape was, the US government has repeatedly publicly denied that its nuclear arsenal has ever put Americans’ lives in jeopardy through safety flaws. But in the newly-published document, a senior engineer in the Sandia national laboratories responsible for the mechanical safety of nuclear weapons concludes that “one simple, dynamo-technology, low voltage switch stood between the United Statesand a major catastrophe”.

Writing eight years after the accident, Parker F Jones found that the bombs that dropped over North Carolina, just three days after John F Kennedy made his inaugural address as president, were inadequate in their safety controls and that the final switch that prevented disaster could easily have been shorted by an electrical jolt, leading to a nuclear burst. “It would have been bad news – in spades,” he wrote.

Jones dryly entitled his secret report “Goldsboro Revisited or: How I learned to Mistrust the H-Bomb” – a quip on Stanley Kubrick’s 1964 satirical film about nuclear holocaust, Dr Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb.

Dr StrangeloveSlim Pickens in a scene from Dr Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb. Photograph: The Ronald Grant Archive

The accident happened when a B-52 bomber got into trouble, having embarked from Seymour Johnson Air Force base in Goldsboro for a routine flight along the East Coast. As it went into a tailspin, the hydrogen bombs it was carrying became separated. One fell into a field near Faro, North Carolina, its parachute draped in the branches of a tree; the other plummeted into a meadow off Big Daddy’s Road.

Jones found that of the four safety mechanisms in the Faro bomb, designed to prevent unintended detonation, three failed to operate properly. When the bomb hit the ground, a firing signal was sent to the nuclear core of the device, and it was only that final, highly vulnerable switch that averted calamity. “The MK 39 Mod 2 bomb did not possess adequate safety for the airborne alert role in the B-52,” Jones concludes.

The document was uncovered by Schlosser as part of his research intohis new book on the nuclear arms race, Command and Control. Using freedom of information, he discovered that at least 700 “significant” accidents and incidents involving 1,250 nuclear weapons were recorded between 1950 and 1968 alone.

“The US government has consistently tried to withhold information from the American people in order to prevent questions being asked about our nuclear weapons policy,” he said. “We were told there was no possibility of these weapons accidentally detonating, yet here’s one that very nearly did.”

http://www.theguardian.com/world/2013/sep/20/usaf-atomic-bomb-north-carolina-1961

Kalter Krieg

Atombombe wäre 1961 beinahe über den USA explodiert

Auslandnachrichten Heute, 15:59
1961 wäre über North Carolina um ein Haar eine Atombombe explodiert. Dies berichtete am Samstag die britische Zeitung «The Guardian» unter Berufung auf Geheimdienstdokumente. Ein einfacher Sicherungsschalter habe die Katastrophe verhindert.

(afp) Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges mit der Sowjetunion sind die USA offenbar nur knapp einer selbstverschuldeten Atombomben-Katastrophe entgangen: Beinahe wäre 1961 eine Wasserstoffbombe von der 260-fachen Stärke der Hiroshima-Bombe nach einer schweren Flugzeugpanne über North Carolina explodiert. Das berichtete die britische Zeitung «The Guardian» am Samstag unter Berufung auf ein kürzlich freigegebenes Geheimdokument der amerikanischen Regierung.

Zwischenfall eingeräumt

Am 23. Januar 1961 brach demnach ein B-52-Langstreckenbomber der amerikanischen Airforce mit zwei Atombomben an Bord bei einem Routineflug über der Stadt Goldsboro in der Luft auseinander, die Bomben lösten sich und gingen auf die Erde nieder – ohne jedoch zu explodieren.

In einer acht Jahre später vorgenommenen Untersuchung kommt der für die amerikanische Regierung arbeitende Ingenieur Parker F. Jones zum Schluss, dass bei einer der beiden Bomben drei der vier Sicherheitsmechanismen versagt hatten. Nur ein einfacher Sicherheitsschalter verhinderte in letzter Minute die ungewollte Explosion.

Die amerikanische Regierung hatte schon in der Vergangenheit den Zwischenfall eingeräumt – doch erst der jüngst publik gemachte Geheimbericht von 1969 bestätigt gemäss der britischen Zeitung, wie ernst die Lage tatsächlich war. Demnach brachte der Zwischenfall das Leben von Millionen Menschen in Gefahr: Grossstädte von Washington bis New York wären betroffen gewesen.

Mindestens 700 bedeutende Unfälle

Das Dokument wurde vom Enthüllungsjournalisten Eric Schlosser bei Recherchen zu einem neuen Buch über den atomaren Rüstungswettlauf ausgegraben. Um es zu bekommen, berief er sich auf das Gesetz zur Informationsfreiheit.

Schlosser warf dem Weissen Haus vor, der Öffentlichkeit die Gefahren durch unzulängliche Sicherheitsvorkehrungen verschwiegen zu haben, um seine Atompolitik nicht zu gefährden: «Uns wurde gesagt, es sei unmöglich, dass diese Waffen versehentlich detonieren – und doch haben wir hier eine, bei der es beinahe passiert wäre», sagte er dem «Guardian». Nach Schlossers Recherchen gab es in den USA zwischen 1950 und 1968 mindestens 700 «bedeutende» Unfälle und Zwischenfälle, in die rund 1250 Atomwaffen verwickelt waren.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/atombombe-waere-1961-beinahe-ueber-den-usa-explodiert-1.18154202

USA entgingen 1961 nur knapp einer Atomkatastrophe

21. September 2013, 15:16
    • Die Explosion der Atombombe wäre 260 Mal stärker als jene von Hiroshima (Bild) gewesen.
      foto: :u.s. army via hiroshima peace memorial museum, ho, file/ap/dapd

      Die Explosion der Atombombe wäre 260 Mal stärker als jene von Hiroshima (Bild) gewesen.

Ads not by this site

Versehentlich zwei Wasserstoffbomben aus einem B-52 Bomber gefallen

Washington – Die USA sind nach einem Bericht des britischen “Guardian” im Jahr 1961 nur knapp einer Atomkatastrophe entgangen. Wie die Zeitung am Samstag unter Berufung auf ein “geheimes Dokument” berichtete, seien damals versehentlich zwei Wasserstoffbomben aus einem B-52 Bomber der US Air Force gefallen, der in der Luftzerbrach. Eine der Bomben von je vier Megatonnen habe kurz vor der Detonation gestanden. Nur das Versagen eines Kontrollschalters habe damals eine Katastrophe verhindert.

Die möglichen Auswirkungen des Zwischenfalls über der Stadt Goldsboro im US-Bundesstaat North Carolina am 23. Jänner 1961 hätten Millionen von Menschenleben kosten können. Nach Angaben des “Guardian” hätte die Sprengkraft der Bombe die der 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfenen Atombombe um ein 260-faches überschritten. Laut “Guardian” haben die US-Behörden den Zwischenfall in der Vergangenheit zwar bestätigt, aber nie mitgeteilt, wie nahe die Bombe vor der Explosion stand. (APA, 21.9.2013)

http://derstandard.at/1379291597529/USA-entging-1961-nur-knapp-Atomkatastrophe

lendman_smallendsmall

False flags are an integral part of covert US military-intelligence ops: ” a deliberate gross distortion(s) of the truth used especially as a propaganda tactic.”

Official stories are false.  They’re contrary to reality. They turn truth on its head. They point fingers the wrong way. They’re pretexts for militarism, wars, mass killing and destruction, occupations, domestic repression, and other extremist national security state measures.

Wednesday’s Ghouta incident raises disturbing questions. It was a clear anti-Syrian provocation. No evidence suggests Assad’s involvement. Clear analysis shows he’d have everything to lose and nothing to gain.

Syrian insurgents used chemical weapons numerous times before. Clear evidence proves it. Media scoundrels suppressed it. They substituted lies for truth. They do it every time. It’s standard practice.

On August 23, Russia Today headlined “Materials implicating Syrian govt in chemical attack prepared before incident – Russia.”

According to Russian Foreign Ministry spokesman Aleksandr Lukashevich:

We’re getting more new evidence that this criminal act was of a provocative nature.”

“In particular, there are reports circulating on the Internet, in particular that the materials of the incident and accusations against government troops had been posted for several hours before the so-called attack. Thus, it was a pre-planned action.”

It reflects “another anti-Syrian propaganda wave.” Calls for force “heard from EU capitals (are) unacceptable.”

Assad demonstrated a “constructive approach.” He did so by letting UN experts investigate sites of previous chemical weapon attacks.

Insurgents don’t display a similar cooperative willingness, Lukashevich added.

“This directly impedes the objective investigation of allegations of possible cases of chemical weapons use in Syria, which is called for by a number of countries and which the Russian side supports.”

On August 23, the Syrian Arab News Agency (SANA) headlined “Two phone calls affirm the use of chemical weapons in Homs by terrorists,” saying:

“A phone call between a terrorist affiliated to the so-called ‘Shuhada al-Bayada Battalion’ in Homs and his boss who was called Adulbasit from Saudi Arabia uncovered that terrorists used the chemical weapons in Deir Ballba in Homs countryside.”

“During a phone call broadcast on the Syrian TV Channel, the terrorist said that his group which comprises 200 terrorists escaped from al-Bayadah to al-Daar al-Kabera through a tunnel, adding that they needed to buy weapons to attack the City of Homs.”

“The Saudi financier who was present in Cairo asked the Syrian terrorists about details on his group and the way they will receive the money, admitting his support to terrorists in Daraa and Damascus Countryside, in turn the Syria terrorist told him that one of the achievements of his ‘Battalion’ was the use of chemical weapons in Deir Ballba.”

“In the same context, another phone call reveled the cooperation between tow terrorist groups to bring two bottles of Sarin Gas from Barzeh neighborhood in Damascus.”

All indications suggest insurgents’ responsibility for Wednesday’s incident. Was America complicit? Was Israel? Were key NATO allies and/or rogue regional partners?

Was the Ghouta chemical attack pretext for direct US and/or NATO/Israeli intervention?

In June, Obama officials wrongfully accused Syria of chemical weapons use. They suggest Assad responsibility for Ghouta. They do it reprehensibly. They do it anyway.

On August 22, State Department spokeswoman Jennifer Psaki said Syria crossed Obama’s red line earlier.

He has a “range of options” going forward, she said. They’re being “discuss(ed) with his national security team.”

“Appropriate steps are being considered with key allies.”

Asked if administration officials are urging direct action, she said “any step we would take would be one (that) helps advance our interests in Syria, and certainly, the crossing of a redline would be part of that calculus and part of that decision.”

Obama and John Kerry “feel a great sense of urgency about getting to the bottom of the facts as quickly as possible.”

Obama’s redline “has always been the use of chemical weapons.”

If reports on the Ghouta incident are true, she added, “it would be an outrageous and flagrant use of chemical weapons by the regime.”

On August 21, the Wall Street Journal headlined “US Suspects Syria Used Gas,” saying:

“The US sees ‘strong indications’ that Syria’s government used chemical weapons in attacks early Wednesday that opposition groups claimed killed more than 1,100 people.”

An unnamed senior administration said:

“There are strong indications there was a chemical weapons attack – clearly by the government.”

“But we do need to do our due diligence and get all the facts and determine what steps need to be taken.”

Options being considered include cruise missile strikes, an air campaign, and cross-border shelling, among others.

An unnamed senior Obama official said “(t)here’s a split between those who feel we need to act now and those who feel that now is a very bad time to act.” He stopped short of naming names.

Neither Washington or EU allies have “smoking gun” proof, he added. Intelligence agencies amassed circumstantial evidence of chemical weapons use in Ghouta.

Stars and Stripes is an official Defense Department publication. It said US officials are divided on how to respond to the Ghouta incident.

“Top military leaders have cautioned against even limited action in Syria. Dempsey, the Joint Chiefs chairman, said in a letter this week to a congressman that the US military is clearly capable of taking out Assad’s air force and shifting the balance of the war toward the armed opposition.”

“But such an approach would plunge the US into the war without offering any (end game) strategy.”

Jeffrey White’s a former Defense Intelligence Agency Middle East analyst. He’s now a pro-Israeli Washington Institute for Near East Policy (WINEP) fellow.

“Assuming that there was a large-scale chemical attack, it indicates (Assad’s) regime has not been deterred by the statements coming out of Washington,” he said.

Turkey’s Foreign Minister Ahmet Davutoglu declared “all red lines” crossed. He urged more direct action.

Israel pointed fingers the wrong way. It blamed Syria for Wednesday’s incident. Netanyahu said if Assad’s not punished, Iran will be encouraged to develop nuclear weapons.

“Syria has become Iran’s testing ground, and Iran is closely watching whether and how the world responds to the atrocities committed by Iran’s client state Syria,” he said.

“These events prove yet again that we simply cannot allow the world’s most dangerous regimes to acquire the world’s most dangerous weapons.”

French Foreign Minister Laurent Fabius said “we need a reaction by the international community.” He urged military force.

On August 22, Voice of Russia headlined “Chemical attack” ‘rough work’ of Syrian opposition,” saying:

Russia accused opposition militants. Assad had nothing to do with Ghouta. Claims otherwise are spurious. They have no basis in fact.

Attacking Ghouta was a “prearranged provocation.” It’s not the first one. It won’t be the last.

Russia’s Ministry of Foreign Affairs (MFA) said:

“Early in the morning of August 21, a homemade missile with a so far unknown chemical poison gas was shot in the direction of this district from the positions of the militants.”

“It was similar to the missile used by terrorists on March 19, this year, in Khan al-Asal (near Aleppo).”

All-Russia Center of Disaster Medicine Professor Gennady Prostakishin said:

“I don’t know, whether there is sarin in Syria, or not. Remember, what happened to Saddam Hussein.”

“Americans voiced complaints against him concerning sarin and other toxic agents, too. But there was nothing there. The same thing is likely to be happening here.”

According to Institute of Strategic Assessments and Analysis expert Sergei Demdenko:

“The opposition has nothing to lose. It cannot win, and it does all it can to force the West to intervene in the conflict, to convince the West that the regime is ‘bloody and inhuman.’ “

Following chemical attack incidents, “TV channels financed by” opposition supporters automatically blame Assad.

“It has all happened before. As soon as America has declared that it would intervene in case chemical weapons were found in Syria, Qatari(-controlled) al-Jazeera channel announced that it had already found it.”

“As soon as the group of UN experts arrived in Syria in order to examine the data about chemical weapons, (Saudi Arabia’s) Al Arabiya channel immediately reported that it had been used by the government troops. This is a very rough work.”

It’s much the same in America. European media report Big Lies. Whether full-scale war follows remains to be seen.

Washington appears heading toward it. On August 22, London’s Guardian headlined “Syria crisis: US holds talks as concern grows over chemical weapons claims,” saying:

Washington “held a flurry of diplomatic talks on Thursday to discuss possible new action against the Syrian government amid mounting international concern over alleged chemical weapons attacks.”

John Kerry “held seven calls with overseas counterparts on Thursday, and had taken part in a national security council meeting at the White House.”

“The British Foreign Office confirmed Kerry had spoken to William Hague. A spokesman declined to comment on the contents of the call.”

“(Britain’s) Foreign Office spokeswoman said the UK would not rule out any option in its response to the latest massacre.”

On August 22, Le Monde editors headlined: “Syrie: l’indignation ne suffit pas (Indignation is not enough),” saying:

“Terrible symbol: chemical crime hit a few kilometers from the place where the UN team arrived two days earlier.”

“Beyond the horror of these scenes, it is a stinging humiliation of the United Nations which has just taken place in Syria.”

“Bashar al-Assad is certainly a keen observer of the international scene. It has been observed in recent months, weak foreign reactions to ‘spot’ and repeated chemical attacks, carried out by (his) troops.”

“The United States and European countries, including France” threatened decisive action earlier.

“Faced with what could be likened to a ‘Syrian Halabja’ words of indignation will not suffice.”

Throughout nearly two-and a half years of conflict, Western-backed insurgents committed numerous atrocities. They were caught red-handed many times. Assad was wrongfully blamed.

It’s happening again. It’s happening despite no evidence suggesting Syrian responsibility for Ghouta. It doesn’t matter. It remains to be seen whether greater US/NATO/Israeli intervention follows.

Stephen Lendman lives in Chicago. He can be reached at lendmanstephen@sbcglobal.net.

His new book is titled “Banker Occupation: Waging Financial War on Humanity.”

http://www.claritypress.com/LendmanII.html

Visit his blog site at sjlendman.blogspot.com.

Listen to cutting-edge discussions with distinguished guests on the Progressive Radio News Hour on the Progressive Radio Network.

It airs Fridays at 10AM US Central time and Saturdays and Sundays at noon. All programs are archived for easy listening.

http://www.globalresearch.ca/false-flag-chemical-weapons-attack-on-syria/5346813

By Lindsey German
Stop the War Coalition 
22 August 2013

 


 

The latest horrific casualties in Syria, suspected of being the result of a chemical weapons attack, have been the occasion for a new round of demands for western intervention in the country.

While details of the case are disputed, the use of chemical weapons should be condemned, whoever uses them.

But this latest attack should not be used as a pretext for military intervention, which will only worsen the situation there.

This is especially true when those condemning the use of these weapons have few qualms about using them (as the US has done in Iraq and in Vietnam) or of manufacturing deadly weapons, which they happily sell to dictators and despots around the world.

French Foreign Minister Laurent Fabius has called for ‘force’ against Syria if the most recent allegations are found to be proved. Fabius has not clarified whether this means military force. It’s hard to see what other kind of force he could mean.

The latest incident in Syria crosses a red line for the Turkish government, which is urging further intervention.

A UN investigation has already begun, but that isn’t enough for the western powers and their allies in the Middle East. While the UN dresses up the move for further intervention in humanitarian demands, any such move by France, Britain, the US or its regional neighbours will not stop the war now going on in Syria. It will exacerbate it and lead to greater casualties on all sides.

The tragedy of Syria is that the civil war there has turned into a proxy war with implications way beyond its borders and with outside intervention on a scale which resembles the 19th century carve-ups of the Balkans between the various empires of Europe.

A variety of countries have already supplied money, arms and special forces. US, British and other troops are on manoeuvres in Jordan, sending warships to the eastern Mediterranean and recognising and funding a ‘government in waiting’ of the Syrian opposition.

The humanitarian credentials of the intervening countries are threadbare.

Saudi Arabia, which has poured arms and money in to overthrow the Assad regime, close ally of Saudi enemy, Iran, is one of the most repressive and illiberal regimes in the world. Its support for brutal repression of demonstrators in Bahrain, and its current support for the coup in Egypt which has led to thousands dead, belie any talk of protecting rights, freedoms and human life.

Turkey’s record on human rights, from its persecution and imprisonment of journalists to its long running war and persecution against the Kurds, demonstrates that its support for the opposition Free Syrian Army is more about its own strategic interests in the region than anything else.

It may be that the ferocious calls to use force are in part an attempt to gain more access to different parts of Syria to the UN weapons inspectors, who are in the country investigating previous claims of chemical weapons use.

Twice in the last century – after the First and Second World Wars – there was a major reshaping of the Middle East. This was done not in the interests of the people of the region, but of the imperial powers.

Their ability to learn from their mistakes has proved to be zero, while their propensity to repeat the mistakes continues.

Western intervention in Syria, or anywhere else in the Middle East, would deny freedom and justice to its people and fuel greater displacement and war.

http://www.stopwar.org.uk/index.php/syria/2646-latest-attack-in-syria-should-not-be-used-as-a-pretext-for-military-intervention

Japan: Abes Abschied vom Pazifismus

Japans Premierminister strebt eine andere Verfassung an und lässt über eigene Kernwaffen nachdenken

Von Wolfgang Kötter

Anfang August gedenken wie in jedem Jahr Menschen in aller Welt der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 68 Jahren. Aber das Thema Atomwaffen wird nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit, sondern auch hinsichtlich der zukünftigen Außenpolitik Japans diskutiert.

Premierminister Shinzo Abe kann nach seinem Sieg bei den Oberhauswahlen im Juli in den kommenden Jahren seine Politik auch in der kleineren Parlamentskammer ohne Behinderung der Opposition durchsetzen. Gemeinsam mit dem langjährigen Koalitionspartner Komeito hat die Regierungspartei der Liberaldemokraten LDP dort die Mehrheit errungen. Gleich mehrere Entwicklungen in jüngerer Zeit deuten darauf hin, dass sich Tokio von seiner offiziellen Politik des Pazifismus weiter entfernen und auf dem Weg in Richtung Militarisierung seiner Außenpolitik voranschreiten wird.

Der Inselstreit

Der Streit um die Inseln im Ostchinesischen Meer, die in China die Diaojus, in Taiwan die Diaojutais und in Japan die Senkakus heißen, dauert schon seit längerem, aber er eskalierte im vergangenen Jahr, als der rechtsnationale Gouverneur von Tokio, Schintaro Ischihara, China mit dem Versuch provozierte, die unbewohnten Inseln zu erwerben. Die japanische Regierung kaufte im September drei dieser Inseln, angeblich um sie nicht in den Besitz von Ischihara gelangen zu lassen. Daraufhin beschuldigte Peking Tokio, den umstrittenen Archipel zu “stehlen” und seither sind die Beziehungen belastet.

Dem folgten antijapanische Demonstrationen in China, die von Pogromen begleitet wurden. Chinesische Küstenwachschiffe kreuzen seitdem häufig um die umstrittenen Inseln und laufen immer wieder kurzzeitig auch in die Küstenzone ein. Hinter dem Inselstreit steht eine einflussreiche rechte Bewegung in Japan, die diese Krise benutzt, um Japans auf Frieden verpflichtete Nachkriegsverfassung von 1947 zu unterminieren und möglicherweise das über mehr als ein halbes Jahrhundert währende Tabu der Produktion von Atomwaffen zu brechen. Die Änderung der Friedensverfassung ist auch ein erklärtes Ziel von Abe. Nach dem Willen des Premiers soll Japan wieder eine stärkere politische, wirtschaftliche und militärische Rolle in Asien übernehmen.

In Artikel 9 der Verfassung verzichtet Japan auf Krieg als souveränes Recht, auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Regelung internationaler Streitigkeiten sowie auf militärische Truppen. Tokio unterhält dementsprechend offiziell auch keine Armee, sondern nur sogenannte Selbstverteidigungskräfte. Im Jahre 1967 verkündete das Land drei “nicht-nukleare Prinzipien”: keine Atomwaffenproduktion, kein Atomwaffenbesitz, keine Atomwaffen auf japanischem Boden. 1970 verzichtete Japan dann völkerrechtlich verbindlich im Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag auf die Herstellung oder Erlangung von Atomwaffen.

Bruch des Atomwaffentabus

Doch Rufe nach Aufweichung der Verfassungsbestimmungen sind nicht neu. Schon im Jahre 2002 erklärte der damalige Regierungssekretär Yasuo Fukuda, die Verfassung würde den Besitz eigener Atomwaffen nicht untersagen. Gegenwärtig äußert sich Premierminister Abe zwar nur vage über Atomwaffen, aber bevor er 2006 erstmals dieses Amt innehatte, argumentierte er, dass die japanische Verfassung es dem Land erlaube Atomwaffen herzustellen, solange diese nur defensiven Charakter hätten. Hierin unterstützten ihn zahlreiche führende Persönlichkeiten seiner Partei. Die ehemaligen Minister Taro Aso und Schoitchi Nakagawa brachten das Thema Atomwaffen dann 2006 erneut zur Sprache, als Aso Mitglied in Abes Regierung war und Nakagawa den Vorsitz im Policy Research Council der LDP innehatte. Abe weigerte sich Asos und Nakagawas Äußerungen über Nuklearwaffen zurückzuweisen. Aber die LDP ist nicht die einzige Kraft innerhalb der herrschenden japanischen Elite, die erwägt, das Land von seiner sogenannten “nuklearen Allergie” zu befreien. Itschiro Osawa – Führer der drittgrößten Partei im Parlament Seikatsu no To (“Partei des Lebens”) – fordert, Japan sollte den Bau von Atomwaffen in Erwägung ziehen, um sich der “exzessiven Expansion” Chinas entgegenzustellen.

Medienberichten zufolge soll die Regierung eine geheime Studie in Auftrag gegeben haben, die Japans militärisch-nukleare Option untersuchen und bewerten sollte. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass es wenigstens drei Jahre dauern und 20 bis 30 Milliarden Yen kosten würde, um einen begrenzten Bestand an taktischen Atomwaffen herzustellen. Die meisten Experten schätzen aber, dass Japan auf Grund des hohen technologischen Entwicklungsstandes für den Bau einer Bombe weniger als zwei Jahre benötigen würde. Japan verfügt zurzeit schätzungsweise über 1.200 bis 1.400 kg Uran und über 40 Tonnen Plutonium. Das würde zum Bau von mehreren hundert nuklearen Sprengköpfen ausreichen.

Das Raketenprogramm

Japan verfügt bereits jetzt über Technologien zur Entwicklung ballistischer Raketen, die aber nur zu friedlichen Zwecken eingesetzt werden wie beispielsweise zur Beförderung japanische Satelliten ins Weltall. Aber bereits in den frühen 2000er-Jahren hatten die japanischen Militärs wegen der sich zuspitzenden Konflikte auf der Korea-Halbinsel und der Befürchtung eines nordkoreanischen Raketenangriffs versucht, Boden-Boden-Raketen mit einer Reichweite von 300 km zu bauen. Doch damals scheiterte das Projekt an der Komeito-Partei, die auch weiterhin der Regierungskoalition angehört.

Wie die japanische Zeitung “Sankei Shimbun” meldet, strebt das japanische Verteidigungsministerium unter Führung von Itsunori Onodera jetzt die Entwicklung eigener ballistischer Raketen mit einer Reichweite von 400 bis 500 km an. Angeblich sollen diese Waffen dem Schutz der umstrittenen Senkaku-Inseln dienen. Laut der Zeitung sollen die geplanten ballistischen Raketen auf der südlichen japanischen Insel Okinawa zur Verhinderung einer chinesischen Invasion stationiert werden. Bisher besitzt Japan weder Offensivwaffen großer Reichweite noch Bombenflugzeuge oder Flugzeugträger.

Laut dem Projekt werden die neuen Raketen die 500-km-Strecke innerhalb von rund 50 Minuten zurücklegen. Das Verteidigungsministerium hatte ursprünglich sogar vor, bis 2016 mit der Entwicklung eigener ballistischer Raketen großer Reichweite zu beginnen. In der Regierungskoalition gab es allerdings Einwände, solche Entwicklungsarbeiten könnten dem Artikel 9 der Verfassung widersprechen. Daher musste der Plan zunächst auf Eis gelegt werden.

Dennoch bemüht sich Tokio um eine neue Militärstrategie, nicht zuletzt wegen der wachsenden Spannungen zwischen den beiden koreanischen Staaten. So forderte LDPD-Generalsekretär und früherer Verteidigungsminister Shigeru Ishiba neue Waffen für Präventivschläge. “Es wäre zu spät, eine Antwort zu geben, nachdem Nordkorea seine Raketen abgefeuert hat und Tausende Menschen gestorben sind”, warnte er. Mindestens so wichtig dürften aber die jüngsten Verschiebungen der generellen Kräfteverhältnisse in der Pazifikregion sein. Lange war Japan auch ohne militärische Macht die dominante Nation in Asien. Seit aber China zur zweitgrößten Ökonomie der Welt aufgerückt ist und alte Territorialkonflikte wieder aufflammen, fordern einflussreiche Kräfte verstärkt, dass Japans militärische Fähigkeiten und das Recht dazu dringend ausgebaut werde müssten.

Kettenglied einer regionalen Raketenabwehr

Auch bei der Raketenabwehr wird Tokio gemeinsam mit Washington aktiv, nachdem Nordkorea, das über mehrere nukleare Sprengsätze verfügt, damit gedroht hat, dass seine Waffensysteme Japan erreichen können. So hatte die nordkoreanische Zeitung “Nodong Sinmun” – Organ des ZK der Partei der Arbeit Koreas – bereits im März gewarnt, dass die vorderen US-Basen in den japanischen Städten Misawa und Yokosuka sowie auf Okinawa im Wirkungsbereich der nordkoreanischen Waffen liegen. Außerdem hatte Pjöngjang den USA mit Raketenschlägen gegen ihre Festlandgebiete, die Hawaii-Inseln und die Insel Guam gedroht.

Bereits jetzt besitzt Japan sechs mit dem Raketen-Abwehrsystem “Aegis” ausgerüstete Zerstörer, zwei weitere sollen in den nächsten Jahren hinzukommen. Das Pentagon beabsichtigt darüber hinaus, in der asiatisch-pazifischen Region zusätzliche Mittel des Frühwarnsystems zu stationieren, schreibt die Zeitung “Wall Street Journal”. Wie Quellen im US-Verteidigungsministerium der Zeitung mitteilten, handele es sich um die Stationierung eines starken Radars des X-Band-Bereiches. Gegenwärtig führen Vertreter des Pentagon Verhandlungen mit der japanischen Seite. Im Jahr 2006 hatte das US-Militär bereits eine Einrichtung des gleichen Typs in der Präfektur Aomori in Nordjapan aufgestellt

Nach Expertenmeinung sind X-Radare sehr leistungsstarke Anlagen, und angesichts von Japans langgestreckter Topografie wäre es durchaus sinnvoll, eine zweite Anlage im Süden zu bauen. Technisch könne der Radar nicht nur Raketen, sondern auch Flugzeuge und Schiffe erkennen. Auch wenn die japanischen Streitkräfte bereits heute einen akkuraten Überblick über die Position chinesischer Schiffe im Ostchinesischen Meer haben, könnte sich Peking durch den neuen Radar in seiner Bewegungsfreiheit observiert fühlen.

Zeitungsberichten zufolge kann der Radar innerhalb von einigen Monaten nach dem Abschluss eines Vertrages mit Tokio aufgestellt werden. In diesem Fall wird der Radar zu einem zusätzlichen Kettenglied der bereits bestehenden Raketenabwehr in der Region werden. Der X-Radar soll an einem noch zu bestimmenden Ort im Süden Japans erstellt werden und so die bestehende Anlage im Norden der Hauptinsel Honshu ergänzen. Laut der amerikanischen Militärzeitung “Stars and Stripes” kann in Kombination mit Radaren auf amerikanischen Kriegsschiffen dann künftig ein deutlich größeres Gebiet abgedeckt werden.

Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, dass das Raketenprogramm Nordkoreas als Hauptbedrohung in der Region gilt. “Nordkorea stellt eine aktuelle Bedrohung dar, die unsere Entscheidungen auf dem Gebiet der Raketenabwehr unmittelbar beeinflusst”, verkündet Pentagon-Sprecher George Little.
Zugleich meinen Beobachter, eine viel größere Beunruhigung des US-Militärs löse das wachsende Raketenarsenal Chinas aus. Die Ankündigung des Baus der Anlage fällt mitten in eine Zeit, wo die chinesisch-japanischen Beziehungen aufgrund des Konflikts um die Senkaku-Inseln ohnehin äußerst angespannt sind.

Berichten zufolge prüft die US-Agentur für Raketenabwehr gegenwärtig die Möglichkeit für die Stationierung eines dritten X-Band-Radars in Südostasien. Zeitungsangaben zufolge können die Philippinen als Stationierungsort des Radars ausgewählt werden. Damit soll einen “Raketenabwehrbogen” geschaffen werden, der es ermöglichen würde, die Starts von ballistischen Raketen aus Nordkorea und einigen Gebieten Chinas präziser zu überwachen.

➜ http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/008080.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+lebenshaus-alb+%28Lebenshaus+Schwäbische+Alb%29#ixzz2bI6RaYbL

Gefällt mir ·  · Teilen ·