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Alliance for human happiness

Mehr als tausend Siedlerwohnungen im Westjordanland geplant

8. August 2013, 15:59

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Eine Baustelle im Westjordanland. Vorerst werden nur Felsen entfernt.

foto: epa

Sammelbeschluss für sieben Orte

Jerusalem/Ramallah – Die israelische Zivilverwaltung im besetzten Westjordanland hat die Planungsunterlagen für mehr als tausend neuen Wohnungen für jüdische Siedler gebilligt. Es handele sich um einen Sammelbeschluss, der sieben verschiedene Orte betreffe, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit, dem die israelische Zivilverwaltung in den Palästinensergebieten unterstellt ist. Nach der nun vorgesehenen öffentlichen Auslegung der Planungen und der Beurteilung möglicher Einwendungen liegt die endgültige Bauentscheidung bei Verteidigungsminister Moshe Yaalon.

Mit 559 neuen Siedlerwohnungen liegt mehr als die Hälfte der insgesamt 1086 Bauvorhaben in Talmon nordwestlich von Jerusalem nahe der international anerkannten Grenze von 1967. Die anderen sechs betroffenen Ortschaften liegen weiter östlich nahe des Jordantals. Bei 147 der neuen Bauvorhaben ist die Planung nach Angaben der siedlerkritischen Organisation “Frieden Jetzt” soweit voran geschritten, dass die geplanten Wohnungen schon wenige Wochen nach Yaalons Zustimmung zum Verkauf angeboten werden könnten.

Die israelische Zivilverwaltung für die Besatzungsgebiete fasste ihren Beschluss nur wenige Tage vor der Auswahl einer ersten Gruppe von 26 palästinensischen Gefangenen, die nach langer Haft im Zuge der neu gestarteten Nahost-Friedensgespräche freigelassen werden sollen. Am Sonntag wird ein fünfköpfiger Ausschuss des Regierungskabinetts entscheiden, welche der 104 Häftlinge, die schon länger als 20 Jahre wegen nationalistisch motivierter Morde eine Gefängnisstrafe verbüßen zur ersten Gruppe von Freigelassenen gehören.

Der palästinensische Verhandlungsführer Saeb Erakat hatte am Wochenende gesagt, die 26 Freilassungen würden am 13. August stattfinden. Am Folgetag, dem Mittwoch kommender Woche, sollen nach bisherigen Planungen die direkten Friedensgespräche in eine zweite Runde gehen. Die Palästinenserführung hatte jahrelang ein Einfrieren des Siedlungsausbaus zur Voraussetzung von Friedensgesprächen erklärt, diese Vorbedingung aber nicht aufrechterhalten, nachdem Israel die schrittweise Freilassung der Langzeithäftlinge ankündigte. (APA, 8.8.2013)

http://derstandard.at/1375626042936/Israel-genehmigt-vorlaeufig-Siedlungsausbau-im-Westjordanland

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Himalaya

Bhutan will erstes Bio-Land der Welt werden

Reportagen und Analysen Gestern, 10:54
Pestizide und chemischen Dünger verwenden die Bauern im kleinen Berg-Staat Bhutan bislang kaum.
Pestizide und chemischen Dünger verwenden die Bauern im kleinen Berg-Staat Bhutan bislang kaum. (Bild: Keystone)
Pestizide und chemischen Dünger verwenden die Bauern im kleinen Berg-Staat Bhutan bislang kaum. Nun öffnet sich das abgeschottete Land, empfängt die Moderne – und will statt auf konventionelle Landwirtschaft gleich auf Bio-Anbau umsteigen.

(dpa) Im Himalaya-Königreich Bhutan gibt es rund 2000 Bio-Bauern – und noch viele mehr sind es, ohne sich so zu nennen. «Wir sind fast alles Buddhisten. Nett zur Umwelt und zur Erde zu sein, ist für uns von zentraler Bedeutung», sagt Kesang Tshomo, die das Bio-Programm in Bhutan leitet. Pestizide, Herbizide oder chemische Düngemittel fänden nur wenig Akzeptanz in der Bevölkerung und würden nur auf etwa 1,5 Prozent des Agrarlandes verwendet.

Bald sollen es gar keine mehr sein. Denn Bhutan will als erstes Land der Welt auf ökologische Landwirtschaft umsteigen.«Als wir vor einigen Jahren diese Idee gebaren, war die Luft sehr sauber, die Erde unbelastet, die Flüsse nicht verschmutzt. Es wäre doch schade gewesen, das nicht zu erhalten», meint Kesang Tshomo.

Der kleine Staat mit seinen etwa 700 000 Einwohnern, etwa so gross wie die Schweiz und eingeklemmt zwischen hohen Himalaya-Bergen, war bis in die 60er Jahre vollkommen isoliert und öffnet sich nur langsam. Erst 1999 wurden Fernsehen und Internet eingeführt, 2008 kam die Demokratie. Und bis heute gibt es nur drei Strassen in den Süden nach Indien und keine einzige in den Norden nach China.

Alles bio

Vor sechs Jahren wurde das Rahmenkonzept für die Bio-Landwirtschaft bekanntgegeben, doch einen festen Zeitrahmen zur Umsetzung gibt es nicht. Vielleicht schaffen wir es bis 2020, sagt Kesang Tshomo. «Ideologisch würden wir gerne morgen schon bio sein, aber praktisch müssen wir die Lebenswirklichkeit der Bauern betrachten.»

Die Bauern, das sind Menschen wie Chencho Dorji, der von seinem Dorf Khariphu zwei Stunden bis zur nächsten Strasse laufen muss. «Es ist schwierig bei uns im Tal, weil die Hänge so steil sind und die Felder klein», sagt er. Wie die meisten Landwirte benutzt er Ochsen – Maschinen würden sich gar nicht lohnen.

70 Prozent der Bhutaner leben von der Landwirtschaft, und doch müssen viele von ihnen noch Getreide und Gemüse zukaufen. Die Bevölkerung wächst rasch und verstädtert in rasantem Tempo. Mehr als die Hälfte des Reises muss mittlerweile aus Indien importiert werden.

«Zusammen mit der Umstellung auf bio müssen wir die Produktivität erhöhen. Das ist die grösste Herausforderung», sagt Kesang Tshomo. So werden die Bauern etwa in verschiedenen Kompostiermethoden geschult oder in der richtigen Handhabung des Stalldungs, damit durch Versickern und Verdampfen nicht so viele Nährstoffe verloren gehen.

Nicht immer gehts ohne Spritzmittel

«Wir machen aus Chilis, Knoblauch, Zwiebeln und Pfeffer ein Extrakt, um Ungeziefer zu vertreiben», ergänzt Thinlay, der im Landwirtschaftsministerium für Pflanzenschutz zuständig ist.

Gegen Insekten schützten Produkte aus Neemöl, erklärt er. Und bei einer Schlangenplage würden die Tiere eingefangen, in eine Grube geworfen und mit Salz besprenkelt. «Dadurch dehydrieren sie und sterben.»

Die Bäuerin Lotto Zam würde gerne alles biologisch anbauen. Stolz zeigt sie auf die unbehandelten Pfirsiche, Tomaten, grünen Bohnen, Kartoffeln, Chilis, Erbsen, Knoblauch und Gurken, die auf dem Markt im Dorf Shaba vor ihr auf einer Decke liegen.

Doch manchmal gehe es nicht ohne Pestizide: Dieses Jahr habe sich der army worm in ihrem Tal im Reis ausgebreitet. «Wir hatten keine andere Wahl, wir mussten Spritzmittel von der Regierung kaufen.»

Schädlingsbekämpfungsmittel sind nur von offiziellen Ausgabestellen zu bekommen. In Bhutan gibt es keinen Hersteller, und importieren darf nur das Ministerium. «Herbizide und Insektizide geben wir nur in Notfällen raus, aber nicht routinemässig», sagt Thinlay.

Glück vor Reichtum

Das liegt auch daran, dass Bhutan schon seit Jahrzehnten das Glück der Bewohner über das Wirtschaftswachstum stellt und dies mit Hilfe eines Bruttoglücksprodukt misst. Eine der vier Säulen dieses einzigartigen Index ist der Umweltschutz. Deswegen steht in der Verfassung, dass mindestens 60 Prozent des Landes bewaldet sein müssen; heute sind es 72 Prozent.

Das Land hat sich ausserdem verpflichtet, für immer CO2-neutral zu bleiben; jetzt ist es sogar CO2-negativ. «Da war es nur der nächste logische Schritt, auch die biologische Landwirtschaft anzustreben», sagt Peldon Tshering, Chefstratege der nationalen Umweltkommission.

Kesang Tshomo meint, Bhutan müsse vor allem den Export von Nischenprodukten vorantreiben. Wegen der geringen Maschinisierung und der kleinen Felder, die zumeist von den Besitzern selbst bestellt werden, könnten nur kleine Mengen produziert werden.

«Ingwerpulver, Kräutertees oder handgemachte Seifen aus Senföl könnten wir zum Beispiel in Europa verkaufen», sagt sie. Ein einziges Produkt gibt es schon zertifiziert für den EU-Markt: Zitronengrasöl als Raumspray.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/reportagen-und-analysen/bhutan-will-erstes-bio-land-der-welt-werden-1.18126242

Bhutan liegt in Südasien und grenzt im Süden an die indischen Bundesstaaten Sikkim, Westbengalen, Assam und Arunachal Pradesh (von Westen nach Osten) sowie im Norden an Tibet (China). Die Oberflächengestalt Bhutans ist vom Himalaya geprägt. Über 80 Prozent des Landes liegen über 2000 Meter Höhe. Das Land hat mit 38.394 km² etwa die Größe der Schweiz.

Mehr als zwei Drittel des Königreiches Bhutan sind bewaldet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bhutan