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Alliance for the right for asylum

Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa

Hauptrouten der Flüchtlinge

Wege nach Europa

Gut 300.000 Menschen haben im vergangenen Jahr Asyl gesucht in der EU. Ein immer größerer Teil von ihnen versucht, auf dem gefährlichen Seeweg in die “Festung Europa” zu gelangen. Welchen Weg nehmen sie – und warum?

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Insgesamt suchten im Jahr 2012 knapp 300.000 Menschen Asyl in den 27 EU-Staaten. Das geht aus der Statistik des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen UNHCR hervor. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2011. Im Verhältnis zu den rund 500 Millionen Einwohnern entspricht dies jedoch gerade einmal 0,06 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Die meisten Asylsuchenden kamen aus Afghanistan, gefolgt von Syrien, Russland und Pakistan. In Deutschland bewarben sich 23 Prozent aller Flüchtlinge. Deutschland macht mit seinen 80 Millionen Einwohnern etwa 17 Prozent der gesamten EU-Bevölkerung aus.

 

 

Es gibt zusammengefasst vier große Routen, die die Flüchtlingsströme auf ihrem Weg in das südliche Europa nehmen: Von Westafrika auf die Kanaren, von Marokko auf das spanische Festland bzw. die Exklaven Ceuta und Melilla, von Libyen oder Tunesien nach Italien oder Malta und über den Landweg via Türkei und Griechenland.

Italien

Im vergangenen Jahr wagten nach Schätzungen von Pro Asyl etwa 22.000 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien. Meistens steuern sie die kleine Insel Lampedusa an. Sie ist etwa 140 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und damit einer der nächsten Punkte Europas. Die meisten der Flüchtlingsboote brechen jedoch vom viel weiter entfernten Libyen auf – weil die instabilen Verhältnisse dort von Schleuserbanden ausgenutzt werden. Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge kommt aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Eritrea und Somalia.

Karte

galerieAllein in Lampedusa landeten im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Flüchtlinge.

Wie viele Menschen bei diesen gefährlichen Überfahrten ums Leben kommen, ist schwer zu bestimmen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 500, andere dagegen von bis zu 2000 Toten im vergangenen Jahr aus. In jedem Fall dürfte das jüngste Unglück vor Lampedusa, als ein Boot mit bis zu 500 Menschen an Bord sank, das schlimmste in der europäischen Flüchtlingsgeschichte sein.

Auf Lampedusa gibt es ein Auffanglager für bis zu 1500 Menschen. Hier bekommen sie Verpflegung und einen Schlafplatz. Allerdings ist das Lager chronisch überfüllt, vor allem weil sich seit dem Beginn des Arabischen Frühlings die Zahlen der Migranten vervielfacht haben.

Auch in Sizilien landen jedes Jahr Tausende Flüchtlinge. Die Insel ist mit 145 km nur unwesentlich weiter entfernt als Lampedusa. Und auch Malta ist Ziel der Migranten. Die kleine Insel nimmt dabei im Verhältnis zu ihrer Gesamtbevölkerung die meisten Flüchtlinge auf: Auf 1000 Bewohner kommen laut UNHCR 21,7 Asylbewerber.

Die Kanaren

Die zu Spanien gehörenden Kanaren werden häufig von westafrikanischen Flüchtlingen angesteuert. Die Distanz von Marokko bzw. dem autonomen Gebiet Westsahara beträgt rund 120 Kilometer. Viele Boote brechen jedoch bereits vom weiter entfernten Senegal auf. Die Überfahrt gilt als die gefährlichste Route, da der Atlantik häufig unruhiger ist als das Mittelmeer.

Auf dieser Route versuchen überwiegend Bewohner des Maghrebs, also Marokkos oder Algeriens, sowie Westafrikaner, also etwa Menschen aus den Bürgerkriegsländern Mali, Liberia oder Elfenbeinküste, zu fliehen. Im Jahr 2007 kamen etwa 30.000 Menschen nach Fuerteventura. Die Zahlen sind jedoch stark rückläufig, seit die europäische Grenzagentur Frontex ihre Einsätze vor der Westküste Afrikas verstärkt hat. Dennoch versuchten auch im vergangenen Jahr mehrere hundert Menschen, auf diesem Weg in die EU zu gelangen.

Flüchtlinge aus Afrika

galerieMit veralteten Booten machen sich die Flüchtlinge auf den gefährlichen Seeweg zu den Kanaren.

Soldaten patrouillieren an der Grenzbefestigung in der spanischen Exklave Ceuta

galerieDie spanische Exklave Ceuta ist mit meterhohen Zäunen und Stacheldraht gesichert.

Spanien

Deutlich häufiger frequentiert ist die Straße von Gibraltar. 2012 kamen laut Frontex-Bericht mehr als 6000 Menschen über die Meerenge. Die Distanz beträgt hier nur etwa 30 Kilometer. Jedoch wird der Seeweg scharf von Frontex bewacht. Die Organisation, die 2005 eingerichtet wurde, verfügt über rund 300 Mitarbeiter sowie vielerlei technisches Gerät zur Erfassung von Flüchtlingen. Zudem haben Marokko und Tunesien ihre Kontrollen im Zuge eines Abkommens mit der EU deutlich verschärft.

Außerdem versuchen viele Flüchtlinge in die spanischen Exklaven Ceuta oder Melilla zu gelangen. Diese kleinen Städte liegen auf dem afrikanischen Kontinent, umschlossen von marokkanischen Staatsgebiet. Sie sind mit mehreren Metern hohen Mauern und Stacheldraht wie Festungen gesichert. Dennoch versuchen immer wieder Flüchtlinge, auf das kleine Stück spanisches Staatsgebiet zu gelangen.

Karte Melilla und Ceuta

galerieDie spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden liegen auf dem afrikanischen Kontinent, gehören jedoch offiziell zur EU.

Türkei/Griechenland

Die Türkei hat eine gemeinsame Grenze mit dem Irak und Syrien. Vor allem seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs versuchen dort viele Menschen dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen und über Griechenland in die EU zu gelangen. Doch hat Griechenland in den letzten Jahren seine Außengrenzen mit Zäunen und Gräben sowie Hunderten zusätzlicher Wachleute gesichert.

Laut Frontex versuchten 2012 auf diesem Weg gut 37.000 Menschen in die EU zu gelangen. Es ist damit die am meisten frequentierte Route der Migranten. Jedoch sind Migranten seit der Wirtschaftskrise dort zunehmend Repressalien ausgesetzt. Flüchtlinge berichten von Misshandlungen durch die Polizei sowiegezielten Hetzjagden Rechtsradikaler.

Die überwiegende Zahl der Asylsuchenden nimmt laut Frontex aber nicht eine dieser gefährlichen Routen. Die meisten von ihnen reisen legal mit dem Flugzeug ein – und tauchen hinterher einfach ab.

Karte

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http://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlingsrouten100.html

Weltweit

Marokkos größter Hafen: Teuere Abschreckung von Flüchtlingen – 700 versuchen es trotzdem pro Monat

Marokkos größter Hafen
Tanger Med ? so heisst der riesige Containerhafen nahe der Stadt Tanger in Marokko. Hier werden große Warenmengen umgeschlagen, auf dem Weg aus Asien oder Amerika in andere Mittelmeerstaaten.
Quelle: © hr, 16.06.2013

http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?key=standard_document_48741013&jmpage=1&type=a&rubrik=78487&jm=1&mediakey=podcast%2Fhr-info_weltweit%2Fhr-info_weltweit_20130615

Zahlen und Fakten 2012

 

Mehr Asylsuchende, gesunkene Anerkennungsquoten und irrationaleKatastrophenszenarien: Die deutsche Asylbilanz 2012 kann aus Sicht von PRO ASYL kaum zufriedenstellen. Besonders kritikwürdig waren die politisch motivierten Schnellverfahren bei Romaflüchtlingen aus Serbien und Mazedonien, aber auch viele inakzeptable Abschiebungen im Rahmen der Dublin-II-Verordnung.

Zahl der Asylsuchenden gestiegen

Im Jahr 2012 ist die Zahl der Asylsuchenden im Vergleich zum Vorjahr um über 40 Prozent auf 64.539 gestiegen. Das hört sich im ersten Moment nach viel an. Setzt man diese Zahl jedoch in Relation zu den Asylbewerberzahlen vergangener Jahre, relativiert sich dieser Eindruck: Seit Anfang der neunziger Jahre ist die Zahl stetig gesunken, bis auf einenTiefstwert von knapp über 19.000 Asylanträgen im Jahr 2007. In Relation zu niedrigen Werten fällt eine prozentuale Steigerung dann immer vergleichsweise hoch aus.

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80 Prozent der Flüchtlinge bleiben in Nachbarstaaten

Die Statistik des UN-Flücht­lingskommissariats (UNHCR) von Ende 2011 benennt die größten Flüchtlingsgruppen auf der Welt. Ihre Herkunftsländer kennzeichnen sich durch lang andauernde blutige Konflikte, Krieg und Terror. Doch 80 Prozent der Flüchtlinge bleiben, teils jahrelang, in Nachbarstaaten, die selbst oft arm sind. Seit Anfang 2012 haben allein die Nachbarstaaten Syriens über einer Million Flüchtlingen die Tore geöffnet. In Deutschland haben dem gegenüber 2012 knapp über 6.000 syrische Flüchtlinge Asylgesucht.

 

 

Qualität der Asylverfahren drastisch gesunken

Das Bundesamt hat 2012 über 60.000 Entscheidungen über Asylanträge getroffen. Die üblichen Qualitätsstandards wurden bei dergrößten Gruppe, den Balkanflüchtlingen, bewusst missachtet. Auf Betreiben des Bundesinnenministeriums führte das Bundesamt ab Herbst 2012 für Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien pauschale Ablehnungs-Schnellverfahren durch. Asylsuchende aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran oder Syrien mussten über ein Jahr auf die erste Entscheidung warten: insgesamt eine inakzeptable Situation. Schnellverfahren darf es nicht geben. Jeder Einzelfall muss sorgfältig, unvoreingenommen und völkerrechtskonform geprüft werden.

Weniger als 15 Prozent als Flüchtlinge anerkannt

Insgesamt wurden im Jahr 2012 vom BAMF 8.764 Personen (14,2 Prozent der Antragstellenden) als Flüchtlinge anerkannt. Bei weiteren 8.376 Personen (13,5 Prozent) wurden Abschiebungsverbote festgestellt, weil ihnen im Herkunftsland etwa die Todesstrafe, Folter oder Gefahr für Leib und Leben drohen. Diese Menschen sind quasi anerkannte Schutzbedürftige zweiter Klasse, auch wenn sich ihre rechtliche Situation durch die EU-Politik und Rechtsprechung schrittweise an die der GFK-Flüchtlinge annähert. Eine vollständige Anerkennung ist notwendig und gerechtfertigt.

 

 

Schutzquoten nach Herkunftsländern im europäischen Vergleich: Deutschland schneidet nicht immer gut ab

Die Unterschiede in der Anerkennungspraxis zwischen den Herkunftsländern sind enorm: Die Schutzquote variiert von, verordneten 0 Prozent Anerkennungen für serbische und mazedonische Asylsuchende über 39 Prozent für Afghanen, 54 Prozent für Iraner bis hin zu 96 Prozent für syrische Flüchtlinge. Sieht man sich die Hauptherkunftsländer wie Afghanistan oder Irak an, die langjährige Krisen- oder Kriegsgebiete sind, liegt der Schutzbedarf der Menschen auf derHand.

Im Vergleich mit anderen EU-Staaten schneidet Deutschland aber nicht immer gut ab: Die erstinstanzliche Schutzquote für Afghanen lag anderswo deutlich höher: in Italien bei 76 Prozent, in Schweden bei über 60 Prozent, in Belgien ebenfalls bei fast 60 Prozent, in Frankreich bei 50 Prozent und in Spanien (bei sehr geringer Antragszahl) sogar bei 88 Prozent.

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Schutzstatus für Syrienflüchtlinge hob die Quote

Insgesamt erhielten fast 28 Prozent aller Asylsuchenden in der ersten Instanz einen Schutzstatus, Tendenz steigend, vor allem wegen der Syrien-Quote (2011: 22 Prozent). Diese Schutzquote ist aber nur ein Teil der Wahrheit: Denn zum einen wurden 2012 rund 23 Prozent der Asylanträge gar nicht inhaltlich geprüft. Dies betrifft vor allem „Dublin-Fälle“, in denen man einen anderen EU-Staat für zuständig erklärt. Rechnet man sie heraus, kommt man bereits auf eine Schutzquote von 36 Prozent.

Zum anderen werden die erstinstanzlichen Entscheidungen des Bundesamts häufig im anschließenden Klageverfahren korrigiert: so erhielten 38 Prozent der zuvor abgelehnten afghanischen Klägerinnen und Kläger doch noch einen Schutzstatus. Eine ähnlich hohe Quote gibt es bei iranischen Asylsuchenden mit 37 Prozent, aber auch bei pakistanischen (23 Prozent) oder irakischen Asylsuchenden (14 Prozent) werden die Bewertungen des Bundesamtes häufig in Frage gestellt.

Hauptbetroffene der Dublin-Abschiebungen: Flüchtlinge aus Afghanistan

In 11.469 Fällen (18 Prozent der Asylanträge) hat die Bundesrepublik Übernahmeersuchen nach der Dublin II-Verordnung gestellt, also andere EU-Staaten zuständigkeitshalber um die Übernahme der Betroffenen gebeten. Obwohl die Bundesrepublik aufgrund der weiterhin katastrophalen Situation für Flüchtlinge in Griechenland nicht dorthin abschiebt und die betreffenden Asylverfahren selbst durchführt, ist der Anteil der Dublinfälle nur leicht gesunken (2011: 20 Prozent).

In absoluten Zahlen ist die Zahl der Dublin-Fälle sogar um rund 2.400 gestiegen. Unter dem Strich begünstigt das unfaire Dublin-System die Flüchtlingsabwehrpolitik der Bundesrepublik: In über 3.000 Fällen fand eine Überstellung ins EU-Ausland statt, während Deutschland mit rund 1.500 Flüchtlingen nur knapp halb so viele über das Dublin-System aufnahm.

Mehr als jede fünfte Dublin-Überstellung nach Italien

Mehr als jede fünfte Überstellung  ging nach Italien, eines der aufgrund seiner schlechten Aufnahmebedingungen am stärksten kritisierten Länder. Flüchtlingen droht dort Recht- und Obdachlosigkeit, weswegen die Verwaltungsgerichte Abschiebungen dorthin,  aber auch nach Ungarn, Malta und Bulgarien in einer Vielzahl von Fällen gestoppt haben. Problematisch sind aber auch die zahlreichen Überstellungen von Irakflüchtlingen nach Schweden, das im Unterschied zu Deutschland abgelehnte Asylsuchende in den Zentralirak abschiebt.

Rund 1.100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge  

Die Zahl der unbegleiteten Kinderflüchtlinge ging geringfügig zurück auf 598 Kinder unter 16 Jahren und weitere 1.498 unbegleitete 16- und 17-Jährige. Insgesamt machen unbegleitete Minderjährige rund 3,3 Prozent der Asylsuchenden aus, wobei die Behörden bundesweit Flüchtlingskinder oft älter machen als sie selbst angeben. Nahezu die Hälfte aller behördlich erfassten unbegleiteten Minderjährigen kamen aus Afghanistan (1.003), weit dahinter folgten Kinderflüchtlinge aus dem Irak (152), Syrien (133) und Somalia (127).

Die Schutzquote bei den unbegleiteten Minderjährigen lag bei 41 Prozent. Mit einer Schutzquote von 39 Prozent hatten afghanische Minderjährige trotz der katastrophalen Sicherheitslage in Afghanistan sogar nur unterdurchschnittliche Chancen, Schutz zu erhalten. Auch irakische Minderjährige hatten mit einer Schutzquote von gerade mal 21 Prozent vergleichsweise geringe Anerkennungschancen.

Kinderflüchtlinge Opfer von perfider Behördenstrategie

Augenscheinlich kommt hier eine abgründige Strategie des Bundesamts zum Tragen. Die Abschiebung eines Kindes ist grundsätzlich möglich, gesetzlich ist allerdings festgelegt, dass sich Behörden vorher zu vergewissern haben, dass es einem Familienmitglied oder einem Kinderheim übergeben wird. Das Bundesamt macht sich diese Regelung zunutze und lehnt Minderjährige, die keine Eltern mehr haben oder deren Eltern nicht auffindbar sind, mit Verweis darauf ab, dass sie ja ohnehin nicht abgeschoben werden dürften. Im Ergebnis bedeutet diese Strategie, dass die Minderjährigen bleiben, aber statt eines Schutzstatus nur eine Duldung erhalten, was im Hinblick auf Schulbesuch Integrationsmöglichkeiten verbaut.

Abschiebungen, Zurückschiebung, Zurückweisung: Insgesamt 16.000 Mal hieß es “Raus!”  

Im Jahr 2012 wurden 7.651 Personen aus Deutschland abgeschoben (2011: 7.917). Ein Großteil dieser Abschiebungen werden nicht in Folge abgelehnter Asylverfahren durchgeführt, sondern betreffen Menschen, deren Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist oder entzogen wurde oder die aufgrund von Straftaten ausgewiesen wurden. Besonders betroffen mit rund 1.500 Abschiebungen waren serbische Staatsangehörige, unter ihnen vorwiegend Angehörige der Roma-Minderheit. Gleiches gilt für Abschiebungen in den Kosovo (546) und Mazedonien (510). Diese Zahlen sind Ergebnis der Schnellverfahren und der Abschreckungspolitik gegenüber Flüchtlingen aus der Region West-Balkan. Ein Großteil der Abgeschobenen dürfte so in massive Diskriminierung und Ausgrenzung zurückverfrachtet worden sein.

Tausende Zurückschiebungen entlang der Grenzen

Zu den Abschiebungen kommen 4.417 Zurückschiebungen, also Abschiebungen im Zusammenhang mit Aufgriffen in der 30 km-Grenzregion, sowie 3.829 Zurückweisungen an der Grenze selbst. Damit liegt die Gesamtzahl der Ab- und Zurückschiebungen und der Zurückweisungen bei knapp 16.000.

Weiter im Trend: gemeinsame Sammelabschiebungen. Die Zahl der über nationalstaatliche Grenzen hinaus koordinierten Abschiebungen – über die EU-Agentur Frontex oder mehrerer EU-Staaten gemeinsam – hat sich nahezu verdoppelt. Im Rahmen solcher Abschiebungen wurden 645 Personen außer Landes gebracht, 644 unter Beteiligung von Frontex, zusammen 1.289 Personen.

Zahl der Geduldeten konstant hoch bei mehr als 85.000 

Die Zahl der Geduldeten in Deutschland ist mit mehr als 85.000 konstant hoch. Rund 36.000 von ihnen leben seit über sechs Jahren im Bundesgebiet. Dazu kommen noch über 33.000 als ausreisepflichtig Registrierte ohne Duldung. Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es bei diesen Zahlen kaum Bewegung: Die Zahl der Geduldeten ist zwar geringfügig gesunken, die Zahl der Ausreisepflichtigen ohne Duldung hingegen in etwa im gleichen Umfang gestiegen.

Fast 30.000 geduldete Kinder und junge Erwachsene

Eine stichtagsungebundene Bleiberechtsregelung ohne restriktive Ausschlussgründe wie bei den Regelungen der letzten Jahre ist also weiter dringend erforderlich. Dies belegt vor allem auch die Zahl der Minderjährigen unter den Geduldeten: Mehr als jeder vierte Geduldete, insgesamt mehr als 22.000, sind minderjährig. Zählt man noch die 18- bis 20-Jährigen hinzu, leben fast 28.000 Kinder und junge Erwachsene mit einer Duldung in Deutschland.  Von der Altfallregelung für gut integrierte Kinder und Jugendliche – in Kraft seit Juli 2011 – haben bislang nur weniger als 2.000 Jugendliche profitiert.

http://www.proasyl.de/de/themen/zahlen-und-fakten/

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Hundreds of African immigrants have managed to evade border security between Morocco and Spanish territory, arriving in the two enclaves of Melilla and Ceuta.

Around 300 people were caught on police security cameras scaling barriers in a mass attempt to get into Melilla.

They were taken to an internment centre where, depending on their nationality, they will be either repatriated or allowed into Spain. Most arrive with no papers to identify them.

One immigrant was injured as well as six Spanish civil guards.

At the same time in Ceuta, around 90 people from Sub-Saharan Africa dodged border controls to reach Spanish territory by swimming to the beach.

Another 250 were stopped by Moroccan forces guarding the border.

The Spanish Red Cross offered blankets and food to those on the beach. Many will have travelled for months with little to eat, all with one hope: that their next stop will be Spain and from there, the rest of Europe.

Last year, 2,841 immigrants crossed from Africa into the two territories, either swimming along the coastline, climbing the barrier or hiding in vehicles.

 

http://www.euronews.com/2013/09/17/hundreds-of-africans-seeking-to-enter-europe-cross-into-spanish-territory-in-/http://www.euronews.com/2013/09/17/hundreds-of-africans-seeking-to-enter-europe-cross-into-spanish-territory-in-/

Der Papst entstaubt die Kirche

KOMMENTAR | GERHARD MUMELTER, 12. September 2013, 18:00

Mit ungewohnter Offenheit begeistert Franziskus die Gläubigen

“Ciao Stefano. Ich bin Papst Franziskus. Du kannst mich duzen.” Der Student Stefano Cabizza in der kleinen Ortschaft Camin bei Padua glaubte zunächst an einen üblen Scherz, als er den Anruf des Papstes erhielt. Der 19-Jährige hatte dem Kirchenoberhaupt eine Woche davor einen Brief geschrieben. Die Kommunikationsstrategie des argentinischen Papstes wirft liebgewonnene vatikanische Traditionen gleich haufenweise über Bord.

Jorge Mario Bergoglio hält nichts von der vornehmen Zurückhaltung seines Vorgängers Joseph Ratzinger. Er hat viel mitzuteilen und praktiziert das mit schlafwandlerischem Instinkt. Kritischen Fragen weicht er nicht aus, er fordert sie heraus. Am Dienstag fuhr Franziskus wieder in seinem Ford Focus durch Rom – ohne Eskorte. Sein Ziel: das von den Jesuiten geführte Migrantenzentrum Astalli unweit des Kapitols. “Integration ist ein Recht der Flüchtlinge”, so der Papst, der einmal mehr mit einer überraschenden Ankündigung aufwartete: Leerstehende Klöster sollen künftig Flüchtlingen als Unterkunft dienen.

Nur zwei Tage vorher rieben sich konservative Kurienvertreter beim Lesen des spröden Vatikanblattes Osservatore Romano die Augen, als sie gleich mehrere Beiträge des peruanischen Befreiungstheologen Gustavo Guttiérez entdeckten. Am Mittwoch erhielt die linksliberale römische Tageszeitung La Repubblica unerwartete Post aus dem Kirchenstaat. In einem persönlichen Schreiben an Chefredakteur Eugenio Scalfari antwortete der Papst auf acht Fragen über die moralische Verantwortung von Agnostikern.

Das Staunen war noch nicht verebbt, da sorgte der letzthin von Ber­goglio zum Staatssekretär bestellte Pietro Parolin für neues Aufsehen: Der Zölibat sei weder ein Dogma noch ein Gesetz göttlichen Ursprungs und so offen für Diskussion. Damit stößt der 58-jährige Kirchendiplomat ein Thema an, das in der römischen Kurie unter Joseph Ratzinger als erledigt galt.

Es gilt als wahrscheinlich, dass der Vorstoß des zukünftigen Staatssekretärs mit Franziskus abgesprochen war. Ob Parolins unerwartete Initiative eine mögliche Änderung der Zölibatspflicht andeutet, bleibt allerdings fraglich. Die Tonart der zukünftigen Nummer zwei der Kirchenführung stellt einen deutlichen Bruch mit dem Stil seines umstrittenen Vorgängers Tarcisio Bertone dar: “Neben der Treue zum Willen Gottes und zur Geschichte der Kirche ist auch Offenheit für die Zeichen der Zeit nötig.” Zu diesen Zeichen rechnet Parolin offenbar auch den wachsenden Priestermangel.

Nimmt man den Zulauf der Gläubigen auf dem Petersplatz als Gradmesser, hat der neue Papst das Rennen bereits gewonnen. Nach der Generalaudienz am Mittwoch verweilte Bergoglio über eine Stunde in der drängenden Menge, schüttelte Hände und ließ sich lachend umarmen – ein Papst zum Anfassen. Mit Spannung wird nun seine Rede in Assisi am 4. Oktober erwartet, bei der sich Franziskus einem Lieblingsthema widmen wird: der Entäußerung der Kirche von materiellen Werten. Nur zehn Tage später treten gleichzeitig mit Staatssekretär Bertone die zwei Leiter der vatikanischen Vermögensverwaltung Apsa zurück, die über tausende Immobilien verfügt und die Wertpapiere des Kirchenstaates betreut. Dann ist der Weg frei für eine Reform, deren Zielvorgabe der Papst in gewohnt bildhafter Formulierung schon vorgezeichnet hat: “Auch der heilige Petrus verfügte über kein Bankkonto.” (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 13.9.2013)

http://derstandard.at/1378248960263/Der-Papst-entstaubt-die-Kirche

Befreiungstheologie

Gustavo Gutiérrez, lateinamerikanischer Vertreter und Namensgeber der Befreiungstheologie, 2007

Die Befreiungstheologie oder Theologie der Befreiung ist eine in Lateinamerika entwickelte Richtung der christlichen Theologie. Sie versteht sich als „Stimme der Armen“ und will zu ihrer Befreiung von Ausbeutung, Entrechtung und Unterdrückung beitragen. Aus der Situation sozial deklassierter Bevölkerungsteile heraus interpretiert sie biblische Tradition als Impuls für umfassende Gesellschaftskritik. Dabei bezieht sie sich auf eine eigenständige Analyse der politökonomischen Abhängigkeit (Dependenztheorie) und arbeitet für eine basisdemokratische und überwiegend sozialistischeGesellschaftsordnung.

Daraus ergaben sich, vor allem in der katholischen Kirche, zwangsläufig erhebliche Konflikte mit derKirchenhierarchie, die häufig in Disziplinarmaßnahmen gegen einzelne Geistliche mündeten. Als Konsequenz ihrer Überzeugungen stellten sich die Befreiungstheologen zudem offen gegen die in Südamerika weit verbreiteten oligarchischen und diktatorischen Regime, was zahlreiche Geistliche das Leben kostete. Das bekannteste Opfer ist Óscar Romero, der 1980 ermordete Erzbischof von El Salvador.

Die Grundkonzepte der Befreiungstheologie entstanden seit etwa 1960 aus der Selbstorganisation von katholischen Basisgemeinden in Brasilien. 1968 trat diese Richtung mit der Parteinahme der zweiten allgemeinen lateinamerikanischen Bischofskonferenz (CELAM) in Medellín für die Armen hervor. Ihren Namen gab ihr das 1971 erschienene Buch Teología de la liberación von Gustavo Gutiérrez.[1]

Die überwiegend katholische Befreiungstheologie empfing Anregungen vom Zweiten Vatikanischen Konzil(1962–1965) und wirkt in die Ökumene sowie in den sozialkritischen Protestantismus hinein. Ähnliche Konzepte entwickelten sich auch inSüdafrika und einigen Ländern Asiens. Auch die in den USA im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung entstandene „Schwarze Theologie“ versteht sich als Befreiungstheologie.

Gustavo Gutiérrez

Gutiérrez 2007

Gustavo Gutiérrez Merino OP (* 8. Juni 1928 in LimaPeru) ist Mitbegründer und Namensgeber der Befreiungstheologie.

Leben[Bearbeiten]

Gutiérrez’ Studien in LyonLöwenRom und Paris umfassten Medizin, Kunst, Philosophie, Psychologie und Theologie. Er ist Begründer und Leiter des Bartolomé de las Casas-Instituts. Auch wurde er an mehreren Universitäten zum Doctor honoris causa ernannt, u.a. in TübingenQuébecund Freiburg im Breisgau. Seit 1971 arbeitete er in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) mit. 2001 trat er dem Dominikaner-Orden bei. Im Jahr 2003 erhielt er den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte “Kommunikation und Humanwissenschaften”. Zurzeit arbeitet er im District Rimac in Lima.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Gutiérrez veröffentlichte mehr als zehn Bücher, von denen das wichtigste, Teología de la Liberación (Lima 1972), der Befreiungstheologie ihren Namen gab.

  • Theologie der Befreiung. Matthias-Grünewald-Verlag, München 1973, ISBN 3-459-00878-4.
  • Gott oder das Gold. Der befreiende Weg des Bartolomé de Las Casas. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 1990, ISBN 3-451-21994-8.
  • mit Gerhard Ludwig MüllerAn der Seite der Armen. Theologie der Befreiung. Sankt-Ulrich-Verlag, Augsburg 2004, ISBN 3-936484-40-6.
  • Nachfolge Jesu und Option für die Armen. Beiträge zur Theologie der Befreiung im Zeitalter der Globalisierung. Academic Press/Kohlhammer, Fribourg/Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-020526-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottlieb Matejka: Zur Weltsituation der politischen Theologie mit besonderer Berücksichtigung von Leonardo Boff und Gustavo Gutiérrez.Diss., Universität Wien 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gustavo Gutiérrez Merino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

http://staseve.wordpress.com/2013/07/02/prism-snowden-obama-hat-angst-vor-dem-volk/

Die Odyssee Snowdens ist noch lange nicht vorbei. Noch immer befindet sich der Ex-NSA Mitarbeiter in Moskau. Und Gleichzeitig tauchen jeden Tag neue brisante Informationen über das Vorgehen des US-Geheimdienstes auf. Nun hat Edward Snowden in insgesamt 21 Staaten Antrag auf Asyl gestellt und seine Worte noch einmal an Obama und die Bürger gerichtet.

 

Wikileaks unterstützt Snowden derzeit tatkräftig und hat die Ersuche nach Asyl an die einzelnen Botschaften der Länder in Moskau weitergeleitet:

 

Deutschland, Österreich, Bolivien, Brasilien, China, Kuba, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Irland, Niederlande, Nicaragua, Norwegen, Polen, Russland, Spanien, Schweiz, Venezuela, Ecuador, Island

 

Putin hatte Snwoden am Montag bereits Asyl in Aussicht gestellt, wenn Snowden  danach keine Informationen über den Geheimdienst mehr veröffentlichen würde. Für Putin ist Snowden der ideale Spielball, um Obama zu ärgern und noch mehr über die NSA zu erfahren (hier). In Deutschland gab es bereits Forderungen von der Opposition, Snowden aufzunehmen.

 

Zusätzlich zu den Asylanträgen hat Wikileaks noch ein Statement von Snowdenveröffentlicht:

 

„Vor einer Woche verließ ich Hongkong, nachdem klar wurde, dass meine Freiheit und Sicherheit bedroht waren, weil ich die Wahrheit enthüllt habe. Dass ich meine Freiheit weiterhin besitze, ist den Bemühungen alter und neuer Freunde, der Familie und anderen, die ich noch nie getroffen haben und wahrscheinlich auch treffen werde, geschuldet. Ich vertraute ihnen mein Leben an und sie gaben mir dieses Vertrauen zurück, indem sie an mich glaubten. Dafür werde ich immer dankbar sein wird.

 

Am Donnerstag erklärte Präsident Obama vor der Welt, dass er keinerlei diplomatische „Affären“ aufgrund meiner Person zulassen werde. Doch (…) setzt derUS-Vizepräsident im Auftrag Obamas die Regierungschefs der Länder, von denen ich Schutz erbeten habe, unter Druck, damit diese mir kein Asyl gewähren.

 

Diese Art der Täuschung von einem (…) starken Regierungschef ist weder Gerechtigkeit, noch ist es die außergerichtlichen Strafe des Exils. Das sind die alten, schlechten Werkzeuge politischer Aggression. Ihr Zweck ist, zu erschrecken. Nicht mich, sondern diejenigen, die nach mir kommen könnten.

 

Seit Jahrzehnten waren die Vereinigten Staaten von Amerika einer der stärksten Verteidiger des Menschenrechts auf Asyl. Leider wird dieses Recht (…) nun von der aktuellen Regierung meines Landes abgelehnt. Die Obama-Regierung verfolgt jetzt die Strategie, die Staatsangehörigkeit als Waffe zu benutzen. Obwohl ich für nichts verurteilt wurde, haben sie meinen Pass einseitig widerrufen und mich als Staatenlosen zurückgelassen. (…).

 

Am Ende hat die Obama-Regierung keine Angst vor Informanten wie mir, Bradley Manning oder Thomas Drake. Wir sind staatenlos, eingesperrt oder machtlos. Nein, die Obama-Regierung hat Angst vor dir. Sie hat Angst vor einer informierten, wütenden Öffentlichkeit, die die verfassungsmäßige Regierung einfordert, die ihr versprochen wurde (…).“

Quelle: Deutsche Wirtschafts Nachrichten vom 02.07.2013

Rassismus gegen Asylwerber: “Die Neger sollen nach Hause fahren”

BIRGIT BAUMANN AUS BERLIN, 23. August 2013, 05:30
  • In dieser ehemaligen Schule in Berlin-Hellersdorf sind die ersten Asylwerber aus Syrien und Afghanistan eingezogen - und nach massiven Protesten der Anwohner auch schon wieder daraus ausgezogen. Jetzt bewacht die Polizei das Gebäude. 
    foto: reuters/peter

    In dieser ehemaligen Schule in Berlin-Hellersdorf sind die ersten Asylwerber aus Syrien und Afghanistan eingezogen – und nach massiven Protesten der Anwohner auch schon wieder daraus ausgezogen. Jetzt bewacht die Polizei das Gebäude. 


Im Ostberliner Stadtteil Hellersdorf hetzen Rechtsextreme seit Wochen gegen ein neues Heim für Asylwerber. Nach dem Einzug müssen diese nun rund um die Uhr von der Polizei bewacht werden. Doch es gibt auch Solidarität mit den neuen Nachbarn

Aus dem Plastiksackerl von Bianca Missmann lugt eine bunte Kinderhose, auch ein Brettspiel ist zu sehen. “Ich möchte diese Sachen gerne abgeben”, sagt die Berlinerin zum Wachmann vor der ehemaligen Max-Reinhardt-Schule. Dann fügt sie mit fester Stimme hinzu: “Man muss ja auch einmal ein anderes Zeichen setzen.”

Sie ist nicht die Einzige, die Dinge bringt, die in der ehemaligen Schule gebraucht werden. Dieter Grosse hat Kaffee dabei. “Ich bin beschämt über die Szenen, die sich hier abgespielt haben”, sagt er und fragt den Wachmann, ob jetzt alles ruhig sei. Ja, erklärt der, im Moment alles okay.

Wochenlange Hetze

Dafür sorgen auch die vielen Polizisten, die rund um die ehemalige Schule in der Carola-Neher-Straße Position bezogen haben. Man will sich nicht ausdenken, was passieren könnte, wenn keine Polizei präsent wäre in dieser tristen Straße am Rande von Ostberlin, in der sich der Sperrmüll vor den Plattenbauten türmt.

Seit Wochen hetzen zwei rechtsextreme Parteien – die NPD und “Pro Deutschland” – gegen das neue Asylwerberheim in der früheren Schule. Am Montag, als die ersten Asylwerber aus Syrien und Afghanistan einzogen, verschärfte sich die Lage, am Dienstagabend eskalierte sie.

Zurück ins Erstaufnahmelager

Anwohner “begrüßten” die Neuankömmlinge mit Hitlergruß, und die NPD protestierte mit “Maria statt Scharia”-Plakaten. Auf der anderen Seite skandierten Demonstranten “Nazis raus” und hielten Schilder mit der Aufschrift “Flüchtlinge willkommen” hoch. Es kam zu Rangeleien, 25 Personen wurden festgenommen, vier Polizisten verletzt.

Einige der Asylwerber haben die Unterkunft aus Angst schon wieder verlassen und baten in ihr Erstaufnahmelager zurückgebracht zu werden. “Gut so”, findet Günther, der am Mittag mit einer Bierflasche vor dem Haus steht. “Die Neger sollen nach Hause fahren. Es gibt genug Obdachlose aus Deutschland in Berlin, um die soll sich der Staat erst mal kümmern.”

Glatzköpfe grölen

Dann fragt er, ob man wisse, was der bereits Erwähnte aus Braunau mit den Flüchtlingen gemacht hätte. Man möchte es nicht wissen. An der Ecke grölen junge Herren mit Glatze, dass Österreicher auch abhauen sollen. Unendlich weit weg ist die Berliner Multikulti-Lässigkeit in diesem Moment.

Um diese hat mittlerweile auch die Politik Angst. “Berlin ist eine weltoffene Stadt und deshalb müssen wir dafür sorgen, dass hier für Ausländerfeindlichkeit kein Platz ist”, sagt Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Die Direktkandidaten von SPD, CDU, Grüne, FDP, Linke und Piraten für den Bundestag haben eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. “Schwer traumatisierte Menschen aus Bürgerkriegsländern verdienen den Schutz, die Hilfe und den Beistand unserer Gesellschaft” heißt es in dieser.

Einige zum Nachdenken gebracht

“Das ist gut”, meint Janne, “aber es reicht nicht.” Der 31-Jährige engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und ist mit einem Infostand vor Ort. Er kritisiert, dass die Politik die Bewohner von Hellersdorf völlig alleine gelassen und ihnen die Asylwerber quasi vor die Nase gesetzt habe: “Da hatten die Rechten natürlich leichtes Spiel.”

Janne und sein Team versuchen nun Fakten zu vermitteln und aufzuklären. “Die nehmen uns den Job weg”, ist eines der Argumente, die er oft hört. Dann erklärt er, dass Asylwerber gar nicht arbeiten dürfen. “Überzeugte Rechte erreichen wir natürlich nicht”, sagt er, “aber einige andere haben wir zum Nachdenken gebracht.” (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 23.8.2013)

http://derstandard.at/1376534375838/Die-Neger-sollen-nach-Hause-fahren

Syrischer Exodus: Ernüchterndes Ende in Griechenland

STEFAN BINDER, 14. August 2013, 14:05

Kriegstraumata, kollabierendes Gesundheitssystem und enttäuschte Hoffnungen über Europa: Augus Morales begleitete syrische Flüchtlinge bei ihrer Flucht von Aleppo bis nach Griechenland

Millionen Syrer sind auf der Flucht, viele haben ihr Heimatland Syrien verlassen und im benachbarten Ausland Zuflucht gefunden. Immer mehr schlagen aber auch die Route nach Europa ein. Der Spanier Augus Morales hat für Ärzte ohne Grenzen syrische Flüchtlinge bei ihrem Exodus aus den Kriegswirren in Syrien filmisch begleitet. Dabei machte er Station in Aleppo, im südtürkischen KilisIstanbul und in Griechenland. Im Gespräch mit derStandard.at erzählt er, wie aufgrund des kollabierenden syrischen Gesundheitssystems sogar leicht behandelbare Krankheiten zu ernsten Problemen führen und wie viele nach Europa geflüchtete Syrer ernüchtert über die geringe Unterstützung sind.

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Interview

Hinweis: Auf markierte Punkte auf der Landkarte klicken, um Videoberichte aus den Orten abzuspielen.

“Unter der Last des Krieges” “Der Tag, an dem mein Dorf bombardiert wurde” | “Zwischen Ost und West” | “Exodus erreicht Athen”

 

Fähre nach Europa: Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Griechenland – dort angekommen sind viele ernüchtert. (Foto: Surinyach Anna/MSF/Syrien Exodus Project)

derStandard.at: Sie haben Flüchtlinge von Aleppo über die Türkei bis nach Europa filmisch begleitet. Wie ist die Idee zu den vier Kurzfilmen entstanden?

Morales: Wir haben uns die syrische Flüchtlingskrise angeschaut und gesehen, dass die Flüchtlinge im Norden Syriens gewissen Routen folgen. Daher sind wir zuerst in die Provinz Aleppo gereist, wo Ärzte ohne Grenzen ein Hospital betreibt. Dann sind wir weiter nach Kilis, im Süden der Türkei, gefahren  – einer der ersten Stopps für Flüchtlinge. Weiter ging es nach Istanbul und zur griechischen Insel Lesbos und von dort aus nach Athen.

derStandard.at: In Syrien gibt es immer wieder Berichte über Entführungen von Ausländern – darunter auch Helfern. Wie gefährlich haben sie die Arbeit vor Ort empfunden?

Morales: Wir haben natürlich alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wir haben strenge Sicherheitsauflagen, die wir auch versuchen zu befolgen, aber um ehrlich zu sein, haben oft die Syrer die meisten Probleme zu befürchten. Es gibt Fälle in denen zum Beispiel syrische Ärzte Drohungen und Probleme wegen ihrer Arbeit bekommen. Von dem, was ich mitbekommen habe, betreffen die meisten derartigen Vorfälle die Syrer selbst.

derStandard.at: Unabhängige Informationen aus Syrien sind rar, sie haben ihre Reise in Aleppo gestartet. Wie ist die Situation vor Ort?

Morales: Die dringendsten Bedürfnisse in den nördlichen Gebieten Syriens sind Medizinische. Mehr als zwei Jahre nach dem Krieg ist das Gesundheitssystem praktisch kollabiert – sprich: die Menschen haben keinen Zugang zu oft einfachster medizinischer Versorgung. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung von Verwundeten: Stellen sie sich zum Beispiel nur einen Fall von Diabetes in Nord-Syrien vor. Es gibt nur eine geringe Anzahl an funktionstüchtigen Spitälern. So eine Person konnte vor dem Krieg behandelt werden. Heute können solche Menschen einen Zeh oder ein ganzes Bein verlieren, nur weil sie keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung haben. Es geht also nicht nur um verwundete Personen, sondern auch um Menschen mit chronischen Erkrankungen oder schwangeren Frauen. Eine weiterer Aspekt ist auch die Angst, die die Menschen haben. Die Angst vor Angriffen und Zerstörung hat einen enormen Einfluss auf das tägliche Leben der Menschen.

derStandard.at: Wie groß ist das Problem der Traumatisierung?

Morales: Die Flüchtlinge sind natürlich fast alle geschockt. Es gibt alle möglichen Geschichten, auch von der Flucht selbst. Zum Beispiel ein 18-jähriges Mädchen, dem in Aleppo ins Bein geschossen wurde und in die Türkei getragen werden musste – jetzt sitzt sie im Rollstuhl und kann nicht gehen. Ein Mann, dem in den Fuß geschossen wurde und jetzt sein halbes Bein verloren hat. In Kilis gibt es unter anderem ein Programm für Menschen die schwer traumatisiert sind. Neben der medizinischen Erstversorgung ist auch die psychologische Versorgung extrem wichtig.

derStandard.at: Wie schwierig ist es für die Flüchtlinge in die Türkei zu kommen?

Morales: Das ist ganz unterschiedlich. Im Groben gibt es zwei Arten, die Grenze zu überqueren. Jene Syrer, die die Grenze legal überqueren und jene, die die Grenze illegal überqueren, weil sie oft keine Dokumente haben. Das hängt ganz von der individuellen Situation ab.

derStandard.at: Und wenn sie in der Türkei angekommen sind?

Morales: Auch in Kilis gibt es grob gesprochen zwei Typen von Flüchtlingen. Jene, die registriert sind und somit auch in den Flüchtlingscamp leben und versorgt sind. Jene, die nicht registriert sind, müssen außerhalb der Camps leben und sind daher in einer anderen Situation. Für diese Menschen wird es aber gerade mit der medizinischen Versorgung oft schwierig und da setzten wir an. Man darf auch nicht vergessen, wenn man sein Heimatland verlässt, trocknen die eigenen finanziellen Ressourcen schnell aus, die Menschen haben dann auch oft keine Familie oder Freunde, die ihnen helfen können. Diese Leute bleiben dann nicht lange in Kilis, sondern ziehen oft weiter.

derStandard.at: Haben die Flüchtlinge überhaupt noch Hoffnung auf eine Rückkehr nach Syrien?

Morales: Ich habe das gleiche Gebiet im November letzten Jahres besucht und hatte das Gefühl, dass viele Syrer ihr Land nicht verlassen wollen. Jene, die bereits geflohen sind, hatten große Hoffnung wieder zurückzukehren. Jetzt hat sich die Situation verändert. Zwar will die Mehrheit immer noch zurück nach Syrien, doch sind sie inzwischen sehr unsicher über die Zukunft ihres Landes.

derStandard.at: Sie haben einige Syrer auf ihren Weg nach Griechenland und damit Europa begleitet. Die Zahlen steigen zwar rapide, doch das ist immer noch die Minderheit der Flüchtlinge. Warum kommen derzeit noch relativ wenige Syrer nach Europa?

Morales: In einer derartigen Krise flüchten die meisten Menschen natürlich in benachbarte Länder wie die Türkei oder Jordanien. Aber langsam sehen wir auch mehr und mehr Menschen, die nach Europa kommen. Syrer bilden derzeit die größte Zahl an Flüchtlingen, die nach Griechenland kommen. Aber natürlich tragen die Nachbarländer Syriens nach wie vor die größte Bürde.

derStandard.at: Nach Europa zu kommen ist für die Flüchtlinge nicht einfach. Was führt letztlich zum Entschluss, die oft gefährliche Reise auf sich zu nehmen?

Morales: Das hängt von der einzelnen Person ab, aber die meisten wagen diesen Schritt, weil sie große Hoffnungen haben, dass sich ihr Leben in Europa verbessern wird. Das ist ein sehr schwieriger und risikoreicher Schritt ist, die Grenze zur EU zu überqueren. Wenn sie dann einmal angekommen sind, geht es ihnen aber oft schlecht.

derStandard.at: Sind die Syrer, die nach Griechenland geflohen sind, desillusioniert über Europa?

Morales: Es ist definitiv keine leichte Situation. Man kann das zwar nicht über alle sagen, aber wie man im Film sieht, haben einige Syrer große Hoffnungen auf Unterstützung in Europa. Doch sie werden von der Realität oft schnell eingeholt. In einigen Fällen haben sich syrische Flüchtlinge sogar dazu entschlossen, wieder in die Türkei zurückzukehren, weil es ihnen in Griechenland sehr schlecht geht.

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Italien verlangt nach neuem Flüchtlingsdrama EU-Hilfe

12. August 2013, 10:26
  • Die Gewässer vor Lampedusa, Gibraltar oder - wie hier - vor den Kanaren sind

Premier Letta: Trendwende bei europäischer Migrationspolitik dringend notwendig

Rom – Nach dem erneuten Flüchtlingsdrama mit sechs ägyptischen Migranten, die am Samstag bei Catania im Osten Siziliens ertrunken sind, verlangt Italien Hilfe von der EU bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms. “Italien hat bisher Flüchtlinge immer aufgenommen, wir verlangen jedoch eine Trendwende bei der europäischen Migrationspolitik”, sagte Letta nach Angaben italienischer Medien. Der Premier kritisierte, dass die EU keine koordinierte Flüchtlingspolitik betreibe und sich lediglich bei Notstandssituationen in Bewegung setze.

Letta erklärte, er habe sich mit seinem griechischen Amtskollegen Antonis Samaras in Verbindung gesetzt, um gemeinsam Druck auf die EU für eine strukturierte Flüchtlingspolitik zu machen. “Europa kann nicht so tun, als ob die Landungen der Migranten ein rein italienisches Problem wären”, meinte auch Innenminister Angelino Alfano.

Bonino kritisiert EU-Richtlinien

Die italienische Außenministerin Emma Bonino kritisierte, dass EU-Richtlinien zum Thema Migration zwar diskutiert worden seien, die Debatte werde jedoch von mehreren EU-Partnern erschwert. “Jedes Land verlangt Garantien, dass die Migranten sich nur vorübergehend bei ihnen aufhalten”, sagte Bonino.

Sechs ägyptische Migranten waren am Samstag bei Catania ertrunken, sie konnten nicht schwimmen. Die jungen Männer im Alter von 17 bis 27 Jahren hatten nach Angaben der Behörden vor der Küste ein mit insgesamt etwa hundert Menschen übervolles Fischerboot verlassen und das Ufer zu erreichen versucht.

Seit Anfang dieses Jahres sind nach Angaben des italienischen Innenministeriums 6.970 Migranten nach Seefahrten an die Küste Italiens gelangt. Bei den heiklen Überfahrten nach Europa mit oft wenig seetauglichen Booten kommen sehr häufig Migranten ums Leben.

Erst in den vergangenen Tagen hatten Flüchtlinge aus Somalia berichtet, bei ihren Fahrten mit zwei Booten seien insgesamt fünf Flüchtlinge an Entkräftung gestorben. 102 Migranten aus Eritrea und dem Sudan hatten tagelang auf einem Schiff vor Malta ausharren müssen, bis sich die Behörden in La Valletta und Rom darauf einigten, dass sie in Syrakus an Land gehen konnten.

http://derstandard.at/1375626289516/Italien-verlangt-nach-neuem-Fluechtlingsdrama-EU-Hilfe